Audits von passiven IT-Infrastrukturen
Ein typischer Fehler vieler Konzepte besteht darin, dass eine Standard-Lösung ungeprüft auf eine vorhandene Umgebung übertragen wird und diese dann nicht zueinander passen. Entweder führt das zu hohen Investitionskosten oder zu einer geringeren Qualität, was letztendlich wieder Folgekosten mit sich bringen kann. Immer wieder ist festzustellen, dass die weiteren Nutzungsmöglichkeiten einer vorhandenen Verkabelung unterschätzt werden und zu früh nach einer Ablösung gesucht wird. Dazu zwei Beispiele:
Die IBM-konforme Typ-1-Verkabelung wurde häufig Mitte der 90er-Jahre als „nicht nutzbar“ für 100 Mbit/s eingestuft, eilig wurde sie in vielen Projekten durch Kategorie-5-Verkabelungen auf Basis des EN 50173-Standards von 1995 abgelöst. Diese waren anschließend in vielen Fällen nicht mehr geeignet für 1000 Mbit/s (EN 50173-Standard von 1999/2000), so dass im Extremfall innerhalb von 5-7 Jahren zweimal neu verkabelt werden musste. Unsere Kunden, die sich im Rahmen eines gemeinsamen Audits inklusive einer messtechnischen Überprüfung von der Leistungsfähigkeit ihrer Typ-1-Verkabelung überzeugen konnten nutzen diese noch heute bis 100 Mbit/s, ohne Einschränkungen. Es wurde ein Neuverkabelungszyklus übersprungen.
Wenn im Rahmen eines Audits festgestellt wird, dass eine hochqualitative Verkabelung der Klasse D (EN-Standard jünger 2000) flächendeckend vorhanden ist, dann gibt es keinerlei Grund kurzfristig eine Neuverkabelung anzustreben. Diese Verkabelung ist Gigabit-tauglich und es ist keine – entgegen einem häufig verbreiteten Irrtum – Klasse E-Verkabelung notwendig.
Im Rahmen von Netzwerk-Audits lässt sich gleichzeitig eine weitere Chance ergreifen: die Aktualisierung einer möglicherweise vernachlässigten Dokumentation. Eine Betrachtung des Netzes und der Dokumentation „von außen“ deckt sehr häufig Missstände in einer vorhandenen Dokumentation auf, die aufgrund der Vertrautheit mit dem Netz durch den alltäglichen Betrieb und damit nach sich ziehenden Verzichtes auf Nutzung der Dokumentation von den eigenen Mitarbeitern nicht mehr erkannt werden.
Um einen hohen Abdeckungsgrad zwischen den geforderten Maßnahmen und den tatsächlich realisierten Leistungen sicherstellen zu können, ist eine Erfassung der Umgebung vor den Realisierungsmaßnahmen äußerst hilfreich bzw. sogar notwendig. In diesem Zusammenhang sind insbesondere folgende Maßnahmen notwendig:
CAD-Erfassung der übergebenen Grundrisse für den Fall, dass keine digitalen Grundrisse verfügbar sind
CAD-Erfassung aller vorhandenen Kabelwege, Lage der Anschlussdosen, Verteilerrauminfrastrukturen, Lage der verlegten Kabel
Photografische Erfassung (digital) und dazugehörende Beschreibung von vorhandenen Verteilerpunkten und Besonderheiten im Bereich der Kabelführungssysteme
Aufnahme von vorhandenen Rangierungen und aktuellen Hardware-Konfigurationen
|