Stirbt der Docker-Container?

25.11.2019 / Markus Schaub

Markus Schaub

Docker wurde zerschlagen. Der Enterprise-Bereich wurde von Mirantis gekauft. Mancher Kommentator sieht damit das Ende der Docker-Ära gekommen. Können Unternehmen weiterhin auf Docker setzen oder müssen sie sich nach Alternativen umschauen?

Die hausgemachte Krise 

Auch wenn es für einige überraschend kam, so zeichnete sich das Ende von Docker Inc. in der bisherigen Form schon lange ab. Wer sich auch nur rudimentär mit dem Produkt-Portfolio beschäftigt hat, musste sich schon immer fragen, womit das Unternehmen eigentlich Geld verdient. Das bestätigen auch die Zahlen, die jetzt in den Veröffentlichungen genannt werden: durch den Aufkauf von Docker Enterprise wechseln rund 1.000 Kunden und 300 Mitarbeiter zu Mirantis. Das steht in keinem Verhältnis, wenn man bedenkt, dass neben den Gehältern und der Pflege der angebotenen Lösungen weitere Kosten entstehen. Irgendwann wollen die Financiers von erfolgsversprechenden Start-Ups eben auch den finanziellen Erfolg sehen. 

Die Anwender 

Von dem Wechsel von Docker zu Mirantis sind nicht nur die 1.000 Kunden betroffen, sondern auch alle anderen Nutzer des Container-Dienstes. Neben der Docker Enterprise-Engine wechseln nämlich auch weitere wesentliche Teile den Besitzer: 

  • Teil Docker Trusted Registry,  
  • Docker Unified Control Plane, 
  • Docker CLI, 
  • Docker Swarm.

Insbesondere die letzten beiden sind interessant. Swarm wird innerhalb der nächsten beiden Jahre eingestellt. Soviel hat Mirantis bereits bekannt gegeben. Da Mirantis auf Kubernetes setzt, ist ein zweites Orchestrierungstool auch überflüssig. Das CLI wiederum ist integraler Bestandteil der Entwicklungsumgebung. 

Docker Hub und Docker Desktop wechseln nicht zu Mirantis. Damit adressiert man die Zielgruppe, mit der man schon zu Anfang schnell gewachsen ist: DevOps-Entwickler und Site Reliability Engineers (SRE). Ob und wann auf diesem Wege das verbleibende Angebot in Unternehmen einzieht und somit finanziell erfolgreich wird, bleibt völlig offen. 

Die Rolle der Cloud-Provider 

Schaut man sich die großen Cloud-Provider an, so hat jeder eine Umgebung für den Betrieb von Containern im Angebot. Diese wird auch kontinuierlich weiterentwickelt. Container sind bei vielen Anwendungen das Bindeglied zwischen eigener Entwicklung und der Nutzung der Cloud-Dienste der Anbieter. Der Standardcontainer ist aktuell Plattform-übergreifend Docker. 

Die Cloud-Provider haben somit ein Interesse daran, dass Docker-Container weiterhin für ihre Kunden verfügbar sind. Langfristig könnten sie jedoch auf die Idee kommen, eigene Container zu entwickeln, um sich aus der Abhängigkeit zu lösen. Die Entwicklung eigener Datenbanken wie AWS Aurora als kompatible MySQL-Alternative ist nur ein Beispiel dafür. 

Fazit und Empfehlung 

Wie oft bei der Zerschlagung von Unternehmen mag es sein, dass der Name „Docker“ und auch das Maskottchen, der Wal, sterben werden. Der Docker-Container jedoch wird noch geraume Zeit weiterleben. Zu viele Anwendungen basieren mittlerweile auf der Technologie. Diese Anwendungen laufen nicht nur in den Rechenzentren der Unternehmen, sondern auch auf den Plattformen der Cloud-Provider. Anders als Docker verdienen diese Cloud-Anbieter viel Geld mit dem Betrieb von Containern. Geld für die Weiterentwicklung dieser Technik ist somit vorhanden. Unklar ist allein, wie die zukünftige Finanzierung aussieht. Es gibt Kommentatoren, die sich weit aus dem Fenster lehnen, wenn sie die Reste von Docker bereits bei Microsoft sehen. Als Grund führen sie an, dass Microsoft unter Satya Nadella reges Interesse an Open Source entwickelt habe. Da würde Docker doch gut ins Portfolio passen. Ob sie damit recht behalten, muss man abwarten.  

Neben dem Aufkauf der Reste durch einen großen Konzern gibt es durchaus andere Modelle. So werden viele populäre Open-Source-Projekte durch Spenden finanziert. Voraussetzung ist, dass es Interessenten für die Produkte des Open-Source-Projektes gibt, und das ist bei Docker definitiv der Fall. Aber auch andere Container-Techniken rücken zunehmend in den Fokus der Entwicklergemeinde. Wie schnell diese Gemeinde neue Technologien und Technologieänderungen akzeptiert, zeigt die rasante Entwicklung der Container-Service-Meshes. 

Für Nutzer der Docker-Container-Technologie gibt es keinen Grund zur Panik. Man sollte den Markt weiter beobachten. Kurzfristig besteht jedoch kein HandlungsbedarfNicht nur die Entwicklung der eigenen Microservice-Architekturen ist sehr agilAuch die dazugehörigen Umgebungen werden rasant weiterentwickelt. Ein Schwenk auf andere Container-Techniken ist somit vergleichsweise einfach möglich, sollte sich die Notwendigkeit abzeichnen. 

Anders sieht es für die Nutzer des Orchestrierungs-Tools Docker Swarm aus. Diese sollten möglichst zügig auf andere Plattformen wechseln. 

Container-Orchestrierung mit Kubernetes on-premises und in der Cloud
06.03.2020 in Bonn

Dieses Seminar behandelt mit Kubernetes und Container-Technologien die aktuelle Entwicklungsumgebung für Cloud-Anwendungen. Der Schwerpunkt der Veranstaltung ist der Vergleich von On-Premises- mit dem Cloud-Betrieb. Dazu werden die grundlegenden Funktionen von Containern und Kubernetes vorgestellt. An einem praxisnahen Beispiel wird demonstriert, wie sich Cloud- und Eigenbetrieb voneinander unterscheiden. Dabei wird auch die Frage behandelt, ob und unter welchen Bedingungen sich Microservice-Anwendungen entwickeln lassen, die vergleichsweise einfach in die Cloud migriert oder zwischen Cloud-Anbietern verschoben werden können.

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