
Der Segen eines API-fähigen Dokumentationssystems bei einem Rechenzentrumsumzug
01.07.26 / Dr. Markus Ermes
Aktuell betreue ich gemeinsam mit meinen Kollegen einen Rechenzentrumsumzug. Dazu gehört in diesem Fall eine sehr umfangreiche Planung inkl. Besiedelungsplanung, Verkabelungskonzept und Patchplanung. Alle diese Planungen müssen für den oder die Umzugstage sowie die entsprechende Vorbereitung fertiggestellt, verständlich und möglichst fehlerfrei sein. Doch wie kann man dies sicherstellen?
Welches Format für die Ausführungsdokumente?
Direkt vorweg: Die gängigen Formate, die die meisten Unternehmen und deren Mitarbeiter im Alltag gut nutzen können, sind Textdokumente oder Tabellen. Ob es nun unbedingt ein Microsoft-Format sein muss, oder auch PDF oder das Open-Document-Format, ist dabei zweitrangig.
Was man vielleicht ebenfalls anmerken sollte: Bei der Verkabelung eines Rechenzentrums ist man mit einem Ausdruck auf Papier, in dem die erledigten Arbeiten mit einem Stift abgehakt werden können, besser bedient, als fortlaufend ein Notebook oder Tablet zur Dokumentation verwenden zu müssen.
Halten wir fest: Das Dokumentenformat sollte so aussehen, dass man es gut ausdrucken kann.
Aber ist das auch wirklich mit den Planungstätigkeiten kompatibel?
Besiedelungsplanung
Die eigentliche Besiedelungsplanung ist wohl noch der harmloseste Punkt, und auch hier muss für jede Komponente schon einiges beachtet werden:
- die Größe der Racks,
- die benötigten Höheneinheiten,
- der voraussichtliche Stromverbrauch und
- eventuell „interessante“ Bauformen, wie z.B. bei Geräten, die eigentlich für eine Hutschienenmontage gedacht sind.
In Verbindung mit den Rahmenbedingungen im Rechenzentrum, speziell bei der Kühlung, ergibt sich so ein Optimierungsproblem, dass sich jedoch vergleichsweise gut mithilfe einer Tabelle handhaben lässt.
Hier zeigt sich allerdings bereits ein erster Punkt, an dem eine komfortablere Planung wünschenswert sein kann: Was geschieht, wenn man sich bei der Einbauhöhe einer Komponente vertippt oder versehentlich dieselbe Höheneinheit in einem Rack mehrfach vergibt? Auf diese potentiellen Fehlerquellen wird noch später eingegangen.
Verkabelungsplanung
Sei es eine strukturierte Verkabelung zwischen Racks oder das Patchen von Komponenten in einem Rack: Der erfolgreiche Umzug steht und fällt mit der richtigen Verkabelung. Ist ein Kabel anders gesteckt als eigentlich notwendig, so werden bei der Inbetriebnahme von Komponenten Fehler auftreten. Im besten Fall ist das einfach ein fehlender Link – dieser Fehler ist offensichtlich. Im schlimmsten Fall scheint alles zu laufen, doch ein Netzwerk-Port des Geräts landet in einem falschen VLAN und ist aus einem Netzbereich erreichbar, aus dem es nicht erreichbar sein soll.
Auch in diesem Fall ist die tabellarische Darstellung grundsätzlich hilfreich, beispielsweise indem für jeden Port einer Komponente eine Patchung dokumentiert wird, etwa in der Form „Gerät auf Patchfeld“ und “Patchfeld auf Switch“ in einer Zeile. Hier hängt das Format stark von der Wahl der Netzwerk-Topologie und der Platzierung der Access- oder Leaf-Switches ab.
In einem aktuellen Projekt habe ich dabei mit ca. 1.000 Kabeln zu kämpfen, bei denen jedes Ende genau an der richtigen Stelle landen muss. Das alles in einer einzigen Tabelle zu pflegen, ist aufwendig und fehleranfällig. Hier wünscht man sich ein Werkzeug, das einen vor den gröbsten Fehlern bewahrt. Doch wo kommen die Fehler her?
Mögliche Fehlerquellen
Diese Frage ist ganz einfach beantwortet: Wir sind alle nur Menschen!
Bei der Handhabung so großer Tabellen, egal ob bei Besiedelungsplanung oder Verkabelung, können immer wieder kleinere Fehler passieren. Das kann ein Tippfehler sein, sodass aus einem Switchport 11 auf einmal eine 22 wird. Oder man vergisst in Zeile 732, dass man einen Port bereits in Zeile 103 vergeben hat. Hier kann eine Tabellenkalkulation glücklicherweise noch mit Filtern und Suchfunktionen helfen. Vielleicht wurden auch aufgrund einer sehr ähnlichen Struktur Zeilen einfach kopiert und eingefügt und dann vergessen, eine der Größen anzupassen.
Die Fehlerquellen sind vielfältig. Und natürlich ließe sich sagen: Dann muss die Tabelle halt überprüft werden. Prinzipiell stimmt das auch. Doch wenn man 5 Stunden auf ein und dieselbe Tabelle gestarrt hat, sieht man seine eigenen Fehler manchmal nicht mehr. Eine Kontrolle durch ein zweites Paar Augen ist auf jeden Fall wünschenswert. Doch manchmal führen Last-Minute-Änderungen und knappe Deadlines dazu, dass das nicht klappt.
Was kann man tun?
Der Segen eines zentralen Planungstools
Meiner Erfahrung nach ist es sehr hilfreich, ein für den Use Case geeignetes Werkzeug einzusetzen. Für einen Rechenzentrumsumzug wäre das ein Data Center Infrastructure Management oder kurz DCIM. Diese Lösungen bieten Funktionen für die Planung von Racks sowie die Verkabelung von Komponenten und Patchpanels. Und wenn irgendwo schon etwas belegt ist, merkt man das spätestens bei dem Versuch, ein Kabel zu planen und anschließend die Rückmeldung vom Tool kommt: „Das geht nicht, da ist schon was!“ Damit lässt sich eine eindeutige, widerspruchsfreie Planung umsetzen. Hier muss man zwar ebenfalls an einigen Stellen aufpassen, z.B. bei der Kopplung von Patchpanels, doch reduzieren sich die Möglichkeiten für Fehler deutlich.
Wie macht man die Informationen zugänglich?
Aber das beste Planungstool nutzt relativ wenig, wenn man die Informationen nicht in einem sinnvollen Format (s.o.) an die ausführenden Mitarbeiter übergeben kann. Allen einfach Zugriff auf das DCIM zu geben, ist zwar häufig möglich, schließlich sind die meisten DCIM-Lösungen webbasiert, jedoch ist die Benutzung bei Weitem nicht so einfach wie bei einer ausgedruckten Tabelle!
Das haben DCIM-Hersteller erkannt und bieten weitreichende Export-Funktionen, eine umfangreiche API oder beides an. Gerade die Nutzung der API kann sehr vorteilhaft sein, wenn die Export-Funktionen eingeschränkt sind, man für die entsprechenden Tabellen aber zusätzliche Informationen benötigt.
Nicht jede Lösung lässt sich dabei gleich komfortabel automatisieren, und es steckt eine gewisse Entwicklungsarbeit dahinter. Auch wenn man 1-2 Tage damit verbringt, die notwendigen Tabellen automatisch generieren zu lassen, benötigt man doch insgesamt mehr Zeit für das manuelle Ausfüllen sowie die Fehlersuche und -korrektur, sodass sich dieser Aufwand schnell amortisiert.
Fazit
Gute und fehlerfreie Dokumente sind für die Vorbereitung und Durchführung eines Rechenzentrumsumzugs unerlässlich. Und hier schleichen sich gerne kleinere Fehler ein – da spreche ich aus eigener Erfahrung. Um solche Fehler zu vermeiden, benötigt man Werkzeuge. Zentrale Lösungen zur Dokumentation wie DCIM-Systeme sind hier von Vorteil. Aber um die Fähigkeiten dieser Lösungen bei einem Umzug allen Beteiligten ohne tagelange Schulung zur Verfügung stellen zu können, braucht es etwas mehr: Möglichkeiten, die für andere relevanten Informationen in einem entsprechenden Format zu extrahieren!
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