iOS 12 – Stabilität, Performance und vieles mehr

04.07.2018 / Mark Zimmermann /

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aus Netzwerk-Insider-Ausgabe Juli 2018

Unter der Haube viel Neues

Wie jedes Jahr stieg Anfang des Sommers Apples große Sause für Entwickler im und an Apples Ökokosmos. Die 29. zigste Worldwide Developers Conference (kurz WWDC) fand vom 4. bis zum 8. Juni im McEnery-Convention-Center in San José statt. Apple brachte eine sogar für Konsumenten langweilige Eröffnungsansprache (Keynote). Dabei hat iOS 12 enormes Potential, wie sich in dem restlichen Zeitraum auf der Konferenz herausgestellt hat.
Ich möchte im Folgenden einen Auszug zu den Neuigkeiten in iOS 12 geben. Dabei entspricht die Reihenfolge keiner Priorisierung. Vielmehr möchte ich auch Dinge erwähnen, die Sie nicht bereits mehrfach in der normalen Tagespresse gehört haben könnten.

Übersichtlichkeit der Benachrichtigungen

Benachrichtigungen lassen sich mit iOS 12 direkt im Notification-Center verwalten. Dabei lassen sich diese Benachrichtigungen nun mit oder ohne akustische Hinweise ausliefern bzw. komplett deaktivieren.

iOS 12 führt einen neuen Typ an Benachrichtigungen, die so genannten “kritischen Benachrichtigungen”, ein. Diese sollen für Informationen verwendet werden, die von dringlicher Natur sind und eine sofortige Reaktion durch den Anwender bedürfen.

Kritische Benachrichtigungen haben zusätzlich ein eigenes Layout und einen eigenen Sound. Diese kritischen Warnungen haben oberste Priorität auf dem Sperrbildschirm und in der Benachrichtigungs-Übersicht und werden sogar angezeigt, wenn die „Nicht stören“ Funktion des iOS-Gerätes aktiviert ist.

Aufgrund der Möglichkeit, die diesem Benachrichtigungstyp zur Verfügung steht, müssen Entwickler die Nutzung als spezielles Entitelment bei Apple beantragen. Hierfür steht die Webseite https://developer.apple.com/contact/request/notifications-critical-alerts-entitlement/ zur Verfügung.

Abgesehen von diesem Entitelment benötigt eine solche App auch die Zustimmung durch den Anwender.

Benachrichtigungen für diesen Typ sind vorgesehen für:

  • Medizinische / Gesundheitliche Warnmeldungen
  • Warnungen im Bereich der persönlichen / öffentlichen Sicherheit

Aber Apple ändert auch unter der Haube der Benachrichtigungen etwas Essentielles. Vor iOS 12 mussten Anwender der Zustellung von Benachrichtigungen durch eine App zustimmen. Mit iOS 12 können Entwickler Benachrichtigungen auf Bewährung anbieten. Diese müssen vom Anwender nicht explizit erlaubt werden. Derartige Benachrichtigungen werden “still” ausgeliefert und sind nur im Notification Center verfügbar. Anwender können im Notification Center sagen, dass sie diese Benachrichtigungen behalten oder abschalten möchten. Die bisher gewohnte klassische Abfrage und Präsentation von Benachrichtigungen ist weiterhin möglich und erlaubt es, auch Benachrichtigungen außerhalb des Notification Center bzw. mit Sound wiederzugeben.

Nachrichten lassen sich nun im Notification Center auch automatisch anhand ihrer zugrundeliegenden Apps gruppieren. Mithilfe des Thread Identifier (thread-id) kann das System eine alternative Gruppierungshilfe nutzen. Der Anwender behält dabei aber die Kontrolle. Er kann die automatische Gruppierung deaktivieren oder eine Gruppierung nur auf App-Basis einfordern. (siehe Abbildung 1)

Mit iOS 12 werden Benachrichtigungen aber auch interaktiver. Seit iOS 10 können Entwickler zwar bereits eine Aufbereitung des Inhaltes einer Benachrichtigung vornehmen und Auswahl-Buttons anbieten. Mit iOS 12 können Interaktionen (touches) in der Benachrichtigung selbst ausgewertet werden und die Werte der Auswahlbuttons lasen sich zur Laufzeit verändern.

Augemented Reality (ARKIT)

Apple erweitert den Funktionsumfang der eigenen Augmented-Reality-Technik. In der Version 2 des ARKit Framework können Entwickler nun mehr als nur horizontale/vertikale Flächen erkennen, um mit diesen zu interagieren.

ARKit bietet seit 11.3 bereits das Erkennen von statischen 2D Bildern (z.B. Bilder / Poster) an. Dabei erhält die zugrundeliegende App sowohl Position als auch die Ausrichtung des Bildes mitgeteilt. Mit iOS 12 können diese zu erkennenden Bilder aus Dateien oder dem Xcode Asset Catalog ergänzt werden. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit des Image Tracking. Dieses erlaubt es einer App, mit 60fps die Position und Ausrichtung von 2D Bilder zu verfolgen. Dabei können auch mehrere gleichzeitig erkannt werden.

Abbildung 1: Anwender stehen immer im Mittelpunkt, daher können diese die Art der Gruppierung von Benachrichtigungen auch selbst bestimmen.

ARKit erlaubt nun auch die Erkennung von 3D-Objekten, das „Teilen“ der Augmented-Erlebnisse mit mehreren Personen und das Persistieren von virtuellen Objekten in der realen Umwelt. Letzteres soll AR-Erfahrungen wieder erlebbar und teilbar machen.

Mithilfe von Enviromental Texturing erkennt ARKIT die Umgebung und kann auch korrekte Spiegelungen in virtuellen 3D Objekten erzeugen.

Bilder und Erinnerungen

Apples Foto-App bearbeitet unter iOS 12 nun erstmals auch direkt RAW-Bilder. Früher griff iOS dazu auf JPEG Versionen zurück. Der Foto-Import über ein „Lightning auf SD Kartenlesegerät” ist mit iOS 12 nicht nur schneller, es ist auch komfortabler. Bevor ein Anwender den Import anstößt, erhält dieser eine Übersicht darüber, wie viel Speicherplatz die importierten Fotos belegen werden. Obendrein lässt sich bestimmen, in welches Album der Import stattfinden soll.

Auch der Umgang mit der Foto-App selbst wurde optimiert. iOS 12 bietet unter anderem Empfehlungen für die Suche in den Fotos, bei der die App auf Basis der Angewohnheiten des Nutzers Begriffe vorschlägt.

Beim Teilen von Bildern mit anderen Personen hat sich Apple ebenfalls etwas Besonderes einfallen lassen. Dank der als “Share Back” bezeichneten Funktion schlägt die App direkt Menschen vor, die sich auf dem / den (ausgewählten) Foto(s) befinden.

Memoji und Videotelefonie

Mit iOS 11 führte Apple erstmals Animoji ein, die mithilfe des Face-Tracking des iPhone X mit dem Gesicht des Anwenders zum Leben erweckt wurden.

Die spielerisch anmutenden Animojis waren in iOS 11 noch auf 10 Sekunden begrenzt. Mit iOS 12 können sich Anwender diesen Spaß mit einer Aufnahmezeit von 30 Sekunden gönnen. Für Firmen dürfte dies eher nebensächlich sein.

Anwender können neben den Animojis nun auch eigene Avatare, so genannte Memojis, konfigurieren und nutzen. Dabei erstreckt sich die Nutzung nicht nur auf die Verwendung in iMessage. Auch Apple‘s eigener Videotelefonie-Dienst FaceTime kann diese Avatare nutzen und erlaubt nun erstmals Gruppentelefonate mit bis zu 32 Teilnehmern. Natürlich kann die Videotelefonie auch ohne die digitalen Avatare genutzt werden.

Passwortmanager

Zwei-Faktor-Authentifizierung kann unsere Daten sicherer machen, aber es be- deutet auch, dass wir mühsam Codes aus Nachrichten kopieren müssen, wenn wir uns auf einem neuen Gerät anmelden müssen. Das wird sich in iOS 12 ändern. Wenn Sie ein einmaliges SMS-Passwort erhalten, wird dieses automatisch als Vorschlag angezeigt, wodurch jedes Jahr Hunderte von Sekunden eingespart werden können.

Häufig nutzen Banken zur Freigabe von Überweisungen SMS-Nachrichten als zusätzliches Sicherheitsmerkmal. Auch Unternehmen verwenden derartige häufig zur entfernten Anmeldung an ihre Infrastruktur. Diese SMS-Nachrichten enthalten dann häufig einen Code, der zusätzlich zu einer Name- / Kennwort-Anmeldung genutzt werden muss.

Mit iOS 12 führt Apple ein neues Feature für derartige SMS-Nachrichten ein. Geht eine solche Nachricht ein, während der Anwender in Safari arbeitet, wird das betroffene „Sicherheitscode“ Feld direkt mit der Nummer aus der SMS ausgefüllt. Die virtuelle Tastatur bietet die Eingabe direkt an. Anwender müssen so nicht umständlich per Kopieren und Einfügen derartige Sicherheitscodes übernehmen.

Bestandschutz und Investitionssicherheit

Als Apple iOS 12 ankündigte, überraschte der Konzern mit der unterstützten Hardware: iOS 12 läuft auf allen Geräten, die derzeitig iOS 11 unterstützten.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man sich die Konkurrenten anschaut. Damit meine ich nicht nur die Android Plattform als solche, sondern die Hersteller, die dafür Geräte herstellen. Diese möchten natürlich so viele Geräte wie möglich verkaufen. Wenn ein Gerät nach zwei Jahren kein aktuelles Betriebssystem mehr bekommt, fördert das einen Neukauf und das ist das Einzige, mit dem diese Hersteller ihr Geld verdienen.

Natürlich will auch Apple möglichst viele iPhones und iPads verkaufen. Der Unterschied zu den Android-Smartphone-Herstellern ist es allerdings, dass bei Apple Hardware, Software und digitale Dienstleistungen aus einer Hand kommen. Günstige Geräte werden nicht extra entwickelt, es gibt eine einfache Produktpalette im Laden. Die Zielgruppen mit unterschiedlichen monetären Möglichkeiten werden also entweder mit den Flagship-Modellen beglückt oder, bei einem schmaleren Geldbeutel, mit 2-3 Jahre alter Technik, wie z.B. dem iPhone SE. Dieses hat, zum Zeitpunkt des Textes, noch iPhone 6s Technik verbaut und ist für den kleinen Geldbeutel erschwinglich.

Daher muss Apple auch diese Geräte “länger” unterstützen, wenn Apple die Kunden nicht verärgern will. So hat Apple bisher, in der Mehrheit der Fälle, bis zu 5 Jahre (nach Ersterscheinung eines Gerätes) noch Major-Betriebssystem-Updates mitgeliefert. Mit iOS 12 erweitert Apple das auf mindestens 6 Jahre.

Es gehört zwischenzeitlich zum guten Ton, dass mobile Betriebssysteme kostenlos verteilt werden. Apple verdient auf der kompletten Front sein Geld. Die Gewinnmargen sind bei dem iPhone Hersteller aus Cupertino am höchsten in der Branche und auch bei den Provisionen für App-Käufe und Abos für iCloud-Dienste verdient Apple ordentlich mit.

Die Android-Hersteller verdienen ihr Geld über Geräte und Google selbst (hauptsächlich) über den Verkauf von Werbung (und ein paar Lizenzgebühren für die Apps und eine im Vergleich geringe Stückzahl verkaufter Geräte). Um Werbung möglichst erfolgreich und zielführend einzusetzen, sind Datenerhebungen und -auswertungen wichtig, darum braucht Google die (Nutzungs-)Daten der Anwender. Apple braucht “nur” zufriedene Kunden. Alles dies erklärt, warum es sich für Apple langfristig lohnt, diese Mühen der Unterstützung zu tätigen.

Damit hörte Apple allerdings nicht auf, denn gerade auf älteren Geräten soll die gefühlte Geschwindigkeit merklich steigen.

Dies ist nicht nur für Privatpersonen ein löblicher Schritt. Auch für Firmen stellt dies eine sehr Interessante Aussage da, denn hier spielen auch Themen wie “Investitionsschutz” eine Rolle. Hardware, die somit über 5 Jahre mit aktueller Software und Patches ausgestattet wird, findet man selbst im hochpreisigen An-droid Lager nicht.

Abgesehen von der Frage, warum derartige Performanceoptimierungen nicht bereits früher angegangen wurden, stellt sich die Frage, wo Apple überall dreht, um die Performance nun dann doch noch herauszuholen.

Bereits mit iOS 10 führte Apple eine API (=Schnittstelle für Entwickler) ein, über die eine App bereits Visualisierungsinformationen in den Gerätespeicher laden kann, bevor diese auf dem Bildschirm tatsächlich dargestellt werden. Die Intention war es, den Entwicklern eine Möglichkeit zu bieten, dass die richtigen Daten zu dem Zeitpunkt, an dem sie tatsächlich gebraucht werden, im Speicher vorhanden sind und nicht erst noch berechnet oder aus einer (entfernten) Datenbank geladen werden müssen. Leider führen diese Optimierungen aber nicht automatisch zu einem “gefühlt” flüssigeren Arbeitsablauf. Gerade auf älteren Geräten erscheint bei der Interaktion durch den Anwender – z.B. durch schnelles Scrollen in Listen – immer noch ein merkliches Ruckeln.

Apple hat in iOS 12 die Animationen bereits mit “Aufruf” auf dem Home-Bildschirm so angepasst, dass der Anwender schon während einer Animation mit einer App interagieren kann. So kann dieser zum Beispiel das Schließen einer App nach einem versehentlichen Öffnen direkt, noch während die Animation abläuft, veranlassen. Ferner lässt sich bereits durch eine App scrollen, während die Öffnen-Animation abläuft.

Einen großen Beitrag leistet hier die CPU des Gerätes. Bei Geräten, die besonders energieeffizient arbeiten müssen, ist es außerordentlich wichtig, die Taktrate des Prozessors in Phasen geringer Last so gering wie möglich zu halten, aber in Hochlastphasen kurz aber stark zu erhöhen. Durch ein schnelleres Hoch- bzw. Herunter-Takten des Prozessors wird der Akku weiterhin geschont, aber die Performance optimiert.

Aber auch das vor einigen Jahren in der App Entwicklung eingeführte Auto-Layout ist als Teil des Problems identifiziert worden.

Mithilfe von Auto-Layout kann ein App-Entwickler verschiedene grafische Elemente anhand eines Regelwerkes am Bildschirm positionieren. Dabei passen sich die Elemente in ihrer Größe und Position den sich immer wieder verändernden Gerätebildschirmen an. Das Optimieren des dahinter liegenden Algorithmus hilft, gerade bei komplexeren Objekthierarchien, die CPU zu entlasten und das Ergebnis “schneller” und “effizienter” darzustellen.

Abbildung 2: Entwickler können nun Funktionen ihrer Apps dem Betriebssystem bekannt machen und dem Anwender erlauben, diese über eigene Sprachbefehle anzustarten.

Mit iOS 12 hält auch Swift in der Version 5 Einzug im iOS-System. Mit Swift 5 ist die Laufzeitumgebung (engl. Runtime) im Betriebssystem integriert und muss nicht mehr mit jeder App mitgeliefert werden. Dies spart Platz in Ablage und Download.

Siri versteht seinen Anwender besser

Seit iOS 10 können Entwickler Siri in eigene Apps integrieren. Dies war bisher jedoch an verschiedene, so genannte Domänen, wie z.B. Kurznachrichten-Dienste, Sportaktivitäten, VOIP Telefonate oder andere gebunden.

Apple ermöglicht nun individuelle Sprachbefehle in iOS 12. Diese Funktion wird als “Siri Shortcuts” bezeichnet und wertet den Sprachassistenten deutlich auf.

Entwickler können nun eigene Befehlsketten definieren oder den Anwender um die Definition eigener Befehlsphrasen bitten, um bestimmte Features ihrer Apps ausführen zu lassen. (siehe Abbildung 2)

Zusätzlich führt Apple eine spezielle Shortcuts-App ein. Inhaltlich erlaubt diese App das Ansprechen und Bündeln von Shortcut-Aktionen verschiedener Apps, man könnte sie auch als App-Microservices bezeichnen, die in einem „Workflow“ kombiniert werden. Es wäre denkbar, dass Anwender damit zukünftig in der Lage sind, Verkehrsmittel und Unterkünfte zu buchen und einen Wecker zur rechtzeitigen Abreise zu definieren.

Siri verfügt mit iOS 12 zusätzlich über Wissen zu Lebensmitteln. Auf Fragen zum möglichen Kaffee („Wie viel Koffein beinhaltet eine Tasse Kaffee?“) oder zum aktuellen Abendessen („Wie gesund ist Fisch?“) erhält der Anwender zukünftig eine Antwort. Siri bedient sich dabei der USDA Datenbank und kann Informationen zu Kaloriengehalt, Vitaminen und Nährwerten geben. Es ist allerdings (noch) nicht bekannt, ob diese Funktion auch in Deutsch unterstützt wird.

Bedienungshilfen

Mit iOS 12 lassen sich die hauseigenen AirPods als Hörhilfe einsetzen. Die als „Live Listen“ bezeichnete Funktion stand bis vor Kurzem nur „Made for iPhone“-zertifizierten Hörgeräten zur Verfügung. Anwender sind nun in der Lage, mithilfe des im iPhone integrierten Mikrofons Audiosignale in Echtzeit in den AirPods “verstärkt” zu hören. Es ist also eine Art “Richtmikrofon mit Verstärker”. Aber nicht nur Menschen mit beeinträchtigen Hörvermögen dürften dieses Feature lieben. So können Sie auch bei lauten Umgebungsgeräuschen oder bei weit entfernten Audioquellen besser verstehen. Vorträge können so beispielsweise auch in den hinteren Reihen besser mitverfolgt werden, wenn das iPhone sich “näher” am Referenten befindet.

Datenschutz

Seit längerem liefern sich Apple und Facebook einen Schlagabtausch über den Umgang des sozialen Netzwerks mit Nutzerdaten. Nun hat Apple auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2018 technische Maßnahmen angekündigt, um das Datensammeln für Dritte zu erschweren.

Abbildung 3: Die TestFlight-App zeigt dem potentiellen Beta-Tester, welche Apps für ihn bereit stehen. Er kann Updates machen und Feedback geben.

Im Gegensatz zu Google, Facebook und Co. ist es für Apple ein Leichtes, robuste Datenschutzvorkehrungen in ihre Betriebssysteme zu integrieren. Für Apple zahlt das in ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Kunden ein. Für Google, Facebook und Co stellt dies jedoch einen Angriff auf deren Geschäftsmodell dar, auch wenn iOS und macOS zusammen keine riesigen Marktanteile haben. Das Argument von „Privatsphäre und Datenschutz“ wird trotzdem stetig befeuert und Kunden des Konzerns aus Cupertino schützen sich zunehmend vor den diversen VermarktungenDanach wurde ein neues Installationsprofil erzeugt für Nutzungsdaten.

Testflight

Potentiellen Testern eine in der Entwicklung befindliche iOS-Apps zugänglich zu machen, war bis 2014 chaotisch. Entwickler mussten damals die Geräte-ID des Testers erfragen, die dieser nur über iTunes ermitteln konnte. Diese ID wurde im Entwicklerportal durch den Entwickler eingetragen. Hier waren 50 Einträge das maximale Limit und Geräte konnten nur in einem Jahresrhythmus entfernt/ersetzt werden. Der Aufwand für die Entwicklung wurde danach zusätzlich erschwert, dass manuell entsprechende Installationsprofile erzeugt werden mussten. Dies bedingte auch ein Neukompilieren der App und die manuelle Verteilung an die Tester. (siehe Abbildung 3)

Im Jahr 2014 wurde das Unternehmen “TestFlight” von Apple gekauft und die TestFlight App erblickte das Licht der Welt. Anfänglich erlaubte Apple, eine Beta-App so an 1.000 “externe” Tester herauszugeben. Ein externer Tester ist eine Person, die nicht aktiv in der Softwareentwicklung in ItunesConnect hinterlegt war/ist.
Auch wenn diese Lösung komfortabler war, brachte sie einige Herausforderungen beim Einladen von Beta-Testern. Die Apple-ID eines Testers musste manuell hinterlegt werden.

In der aktuellen Version können Entwickler sich diesen, gerne auch mal aufwändigeren Schritt einsparen. Apple führt nun öffentliche Test-Links ein. Diese erlauben es, dass Entwickler einen Link erstellen können, über den interessierte Tester automatisch in die Testgruppe aufgenommen werden.

Die maximale Anzahl der aufgenommenen Tester kann durch den Entwickler definiert werden. Die Obergrenze liegt bei 10.000 Teilnehmern.

Abbildung 4: CarPlay bringt das iPhone in das Car-Entertainment-System.

CarPlay

Ebenso wie bei iOS 12 sollen auch CarPlay-Apps wesentlich schneller starten und ein flüssigeres Erscheinungsbild abgeben. Diese Verbindungen mit den Apps auf dem iPhone sollen aber auch stabiler und zuverlässiger laufen. (siehe Abbildung 4)

Erstmals gestattet Apple nun auch den Zugang für App Anbieter mit eigenen Kartenlösungen. So lässt sich dann auch beispielsweise Google Maps anstatt Apple Maps verwenden. Andere App-Gattungen wurden nicht neu hinzugenommen. Angesichts der fortwährenden Debatten rund um das Ablenkungspotenzial für Autofahrer wäre es aber auch sicher nicht zielführend, könnte das Auto-Displays plötzlich jedwede App-Inhalte darstellen.

Entwickler, die nun eine Navigations-App für CarPlay entwickeln möchten, haben aber dennoch Auflagen zu erfüllen. Zwar können diese sich an der Funktionalität verkünsteln, nicht jedoch an dem Design der Oberfläche. Apple behält nämlich die Kontrolle über sämtliche UI-Elemente inkl. der Schriftgrößen.

Betreuungsprogramme und MDM

Auch wenn Apple auf seiner Keynote nichts direkt für Unternehmen erzählt hat, gab es doch einige spannende Neuerungen für die Enterprise Mobility.

Apple stellte kurz nach der WWDC in den USA eine Web-Lösung zur Verfügung, die es bislang nur für Schulen gab. Auf den Apple School Manager folgt nämlich der Apple Business Manager, um damit alle im Unternehmen eingesetzten Apple-Geräte einheitlich mit einer modern überarbeiteten UI zu verwalten. Praktisch für Administratoren sind Angebote wie schnelle Einrichtung von Devices, App- und Bücher-Kauf für alle verknüpften Geräte sowie Konfiguration globaler Zugriffsrechte. Die bis dato verteilten Bereitstellungsprogramme von DEP (Device Enrollment Program) und VPP (Volumen Purchase Program) werden damit vereinheitlicht.

Auch Einstellungen lassen sich darüber schnell übertragen. Wer bereits bei den Programmen zur Geräteregistrierung und Volumenkäufen angemeldet ist, kann die Funktionen nahtlos im neuen Business Manager weiterverwenden. (siehe Abbildung 5)

Abbildung 5: Apple Business Manager bringt unter anderem ein ausgefeiltes Rollenkonzept für verwaltete Apple IDs mit.

Zusätzlich bietet Apple Business Manager:

  • Verwalten von „managed Apple IDs“, Apps, Bücher und Geräte
  • Erstellen von „managed Apple IDs“ für Administratoren, Inhaltsmanager und ähnliche
  • Neue UI für Gerätezuweisung und Lizenzkauf (Apps und Bücher)
  • Flexibles Lizenzmanagement (z.B. Lizenztransfer)
  • Definition eines Standard-MDM Server für spezielle Geräte-Typen

Die internationale Einführung ist in zwei Schritten geplant. Am 20. Juni 2018 erhielten 31 Länder, darunter auch der deutschsprachige Raum, den Zugriff auf den Apple Business Manager.

Ohne ein genaues Datum zu nennen verspricht Apple für den „Sommer“ eine Ausweitung auf die Länder Mittelamerikas, Südamerikas, Osteuropas sowie des Nahen Ostens.

Eine weitere Ankündigung betrifft das Volumenprogramm. In Kanada und Deutschland sind fortan auch Buchkäufe möglich. Die „Volume Purchase Credit“-Funktion kann nun auch in weiteren Ländern genutzt werden. Es handelt sich dabei um eine Bezahlungsweise für Unternehmenskäufe.

Geräteverwaltung (MDM)

Aber auch im MDM Umfeld hat sich einiges getan. Die Änderungen in den Konfigurationsprofilen betreffen die Bereiche Exchange, Notifications sowie Restrictions. Die sogenannten Konfigurationsprofile werden als XML Datei (Payload) auf das jeweilige iOS Device übertragen. Dies geschieht kabelgebundenen mit dem hauseigenen Apple Configurator 2 (AC2) oder kabellos per Mobile-Device-Management (MDM) System.

Mit iOS 12 sind im Exchange Profil sind die Felder SMIMEEncryptionEnabled und SMIMEEnablePerMessageSwitch entfernt worden. Dafür wurden neue ergänzt:

  • OAuth für Exchange Kommunikation
  • SMIMESigningUserOverrideable
  • SMIMEEncryptByDefault
  • SMIMEEnableEncryptionPerMessageSwitch
  • SMIMEEncryptByDefaultUserOverrideable
  • SMIMEEncryptionCertificateUUIDUserOverrideable
  • SMIMESigningCertificateUUIDUserOverrideable

Durch die neuen Funktionen in iOS 12 haben auch neue Einrichtungsdialoge im Einrichtungsassistent Einzug gehalten. Um einen Anwender eines Unternehmensgerätes beim Einrichten schneller zu unterstützten, erlaubt iOS 12, diese neuen Einrichtungsdialoge auf DEP-Geräten zu überspringen. Hierzu gehören:

  • ScreenTime
  • Software Update
  • iMessage und FaceTime

Der Apple Push Notification Service (APNs, Entwicklung: api.development.push.apple.com:443 bzw. Produktiv: api.push.apple.com:443) wird in 2018 umgestellt. Mit den gebotenen APNs-Provider-API können Sie Remote-Benachrichtigungsanfragen an APNs senden. APNs übermittelt dann Benachrichtigungen an iOS / macOS Geräte bzw. an darauf in-stallierte Apps.

Nutzt ein MDM System die legacy binary provider API, muss dies umgestellt werden. Apple bietet seit einiger Zeit bereits eine modernere Provider-API an. Diese Provider-API basiert auf dem HTTP / 2-Netzwerkprotokoll, das unter anderem eine geringere Latenz bei der Kommunikation verspricht.

Jede Interaktion beginnt hier mit einer POST-Anforderung von ihrem (MDM-)Server, die eine JSON-Payload und einen Geräte-Token enthält. APNs leiten die Benachrichtigungs-Payloads an das bestimmte Gerät bzw. die angesprochene App auf dem bestimmten Gerät weiter, das durch das enthaltene Geräte-Token der Anfrage identifiziert wird.

ATS (App Transport Securty) wird nun auch für den Einsatz im MDM / Enterprise Umfeld benötigt. Dies hatte Apple bereits im letzten Jahr angekündigt und macht diese “Androhung” nun wahr. Beachten sie daher bei der Prüfung jeden bereitgestellten Dienst, wie z.B.

  • Check-In
  • SCEP Server
  • OTA Profile Auslieferung
  • Enterprise App Verteilung

Eine derartige Prüfung kann auf einem macOS Rechner mit der Kommandozeile „nscurl —ats-diagnostics “ erfolgen. Haben Sie keinen macOS Rechner zur Hand, können Sie auch mit Apps wie ATS Diagnostic (https://itunes.apple.com/de/app/ats-diagnostic/id1297164068?mt=8) prüfen. Es ist wichtig, dass keine Fehler auftreten, bevor iOS 12 ausgerollt wird.

Mit iOS 12 kommen aber auch neue Konfigurationen ins System. Hierzu gehören:

  • Blockieren der Ausfüllhilfe für Kennwörter (nur bei Geräten im Betreuungsmodus, beinhaltet auch Safari AutoFill)
  • Blockieren der Passwort Weitergabe (Password Sharing, nur auf Geräten im Betreuungsmodus)
  • Blockieren der Passwort Abfragen bei Geräten in der Nähe
  • Blockieren von USB Zubehör, wenn ein Gerät gesperrt ist
  • Automatische Zeit/Datums Konfiguration (nur bei Geräten im Betreuungsmodus)
  • Konfigurieren von Benachrichtigungen in CarPlay
  • Konfigurieren von “kritischen Benachrichtigungen”

Auch für die Kommunikation über ein VPN IKEv2 werden neue Einstellungen mit iOS 12 integriert:

  • DNS Server Adresse
  • Primary Domain für den aufgebauten Tunnel
  • DNS Search Domains
  • DNS supplemental match domains

Apple hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass es Einschränkungen (Restriktionen) im MDM gibt, die aus der Zeit ohne den Betreuungsmodus stammen und in Zukunft nur noch im Betreuungsmodus durchführbar sein sollen.

Hier bietet Apple aber auch eine Migrationsunterstützung. Geräte, die diese Einschränkungen nutzen, können dies auch weiterhin tun, auch wenn sie nicht im Betreuungsmodus sind. Allerdings gilt diese Regel nur so lange es sich nicht um ein neu aufgesetztes oder ein gelöschtes und wiederhergestelltes Gerät handelt. In diesem Fall muss das Gerät im Betreuungsmodus sein, um die Einschränkungen korrekt zu verarbeiten.

Zurückgesetzte Geräte können gehindert werden, sich mithilfe des “Auto Enrollements” durch in der Nähe befindliche andere Geräte zu konfigurieren. Account Payloads aus dem macOS Server werden mit iOS 12 ebenfalls ungültig.

Schutz vor Angreifern und Sicherheitsbehörden

Die Sicherheit von iOS-Geräten gilt seit längerem als eine der besten. Schon oft hörte man in den Nachrichten, dass sich auch Behörden über diese starke Absicherung beschwert haben. Nun scheint sich das Blatt (kurzzeitig) zu wenden. Es ist jedoch verwunderlich, warum dies keine Wellen in der Community schlägt.

Der Auslöser: Die US-amerikanische Forensik-Firma mit dem Namen Grayshift (https://graykey.grayshift.com) bietet seit März 2018 eine kleine Box im Internet an, die es (Sicherheitsbehörden) erlauben soll, Zugang zu iOS-Geräten zu erlangen.

Die mit dem Produktnamen GrayKey angebotene Box könnte nicht nur für die PR-Abteilung von Apple eine enorme Herausforderung darstellen. Das Gerät erlaubt es anscheinend, bis zu zwei iOS-Geräte parallel zu entsperren. Entsperren bedeutet in diesem Fall die Möglichkeit, sich den kompletten Zugang zu den Daten und dem Gerät selbst zu verschaffen, auch wenn das iOS-Gerät vorher ausgeschaltet wurde.

Hierzu bräuchten die iOS-Geräte Presseberichten zufolge nur kurz angeschlossen werden, um einen Prozess auf ihnen in Gang zu setzen. Ist die Box mit dem Gerät fertig, erscheint am Ende der ermittelte Entsperr-Code auf dem jeweiligen iOS-Gerät.

Mit Kenntnis des Entsperr-Codes kann der Anwender nicht nur Zugriff auf das iOS-Gerät erlangen. Er kann es auch auf die Box dumpen (herunterladen). Die Box mit einer Größe von 10 × 10 Zentimeter selbst bietet dafür ein eigenes Web-basiertes Interface an. Dieses offeriert dem Anwender nicht nur die gepumpten Daten, sondern auch den Inhalt des Schlüsselbundes (KeyChain).

Als erste Maßnahme zur Abwehr schränkte Apple mit iOS 11.4.1 bereits die zur Verfügung stehende Zeit ein. 168 Stunden nach dem letzten Nutzer-Login deaktiviert sich der Lightning-Anschluss und blockiert jegliche Kommunikation.

Mit iOS 12 zieht Apple die Schrauben zusätzlich an. Anwender müssen sich nun einmal pro Stunde authentifizieren, andernfalls funktioniert keine Lightning-/USB-Verbindung mehr. Dies ist für Codes, die länger als 4 Stellen sind, ein wirkungsvoller Schutz. Das Knacken eines sechsstelligen Codes dauert im Durchschnitt 11 Stunden. Bleibt der Anwender bei einem vierstelligen Code, wirkt der Schutz nur unzureichend, da dieser bereits nach maximal 13 Minuten ermittelt werden kann.

Ausschlaggebend ist die iOS Standardeinstellung (Einstellungen > Touch ID & Code bzw. Face ID & Code). Zum Zeitpunkt der Betas von iOS 11.4.1 und iOS 12 definiert die Standardkonfiguration, dass der USB-Port nach einer Stunde deaktiviert wird.

Apple hätte mit Sicherheit gerne komplett auf eine Einstellung verzichtet, die der Nutzer manuell ändern kann. „Entsperre das iPhone, damit USB-Zubehör eine Verbindung herstellen kann, wenn das iPhone vor mehr als einer Stunde gesperrt wurde.” klingt ohne das oben erwähnte Hintergrundwissen wie eine Nichtsaussage. Es ist sogar bedauerlich, dass die Ernsthaftigkeit nicht im Entferntesten deutlich wird.

Zubehör wie Mikrofone, Autoradios oder Tastaturen sollen am USB-Lightning-Anschluss allerdings ohne die stündliche Anmeldung des Anwenders per Code oder Touch/ID bzw. Face ID funktionieren. Massive Beschwerden und ein erhöhtes Support-Aufkommen wären sonst sicherlich die Folge.

…und das iPad?

iOS 11 war ja eigentlich ein iPad Release. Das neue iOS 12 wird hier nicht so tiefgreifende Änderungen bringen. Allerdings gibt iOS 12 einen interessanten Ausblick auf zukünftige iPad Generationen.

Der Homebutton – Apples bedeutsame Idee, die jedes Smartphone nach 2007 übernahm – hielt sich insgesamt 10 Jahre. Mit dem iPhone X erfolgte ein Wechsel in der Gestensteuerung, denn der HomeButton war weg. Dass der Homebutton garantiert nicht zurückkommt, wird mit Blick auf iOS 12 sehr deutlich. Die neuen Gesten des iPhone X werden vom iPad damit direkt adaptiert. Abgesehen von der bisher noch implementierten TouchID Funktionalität wird der HomeButton damit direkt überflüssig.

Touch Gesten halten aber auch sonst Einzug. So ist das Markieren von Texten mit der iPad OnScreen Tastatur sehr einfach möglich. Halten Sie zwei Finger auf der Tastatur um den Cursor zu bewegen. Nun können Sie mit Bewegen des zweiten Fingers die Selektion ausführen und verändern.

Fazit

Endkunden dürften den Mehrwert von iOS 12 kaum bemerken, außer in Sachen Performance und der wenigen neuen Features. Das “Reden mit Siri” wird sicherlich auch nicht im Einkaufsladen um die Ecke zunehmen. Trotzdem schreitet Apple weiter voran, erweitert seine Plattform kontinuierlich und macht diese jedes Jahr interessanter für Unternehmen.

Sicherheit, Zuverlässigkeit und Stabilität – und das Ganze mit vielen neuen Hintergrundfunktionen – machen iOS 12 zu einem der besten iOS Systeme.

Dieser Artikel konnte nur an der Oberfläche kratzen. Ich freue mich Ihnen mit Live-Demos und mehr Hintergrundwissen in meinem iOS Seminar die Neuigkeiten persönlich vorführen zu können.

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