Aktuell liegt der bekannte deutsche Router-Hersteller Fritz! im Clinch mit der Telekom. Fritz! fordert, dass Router für Privathaushalte als kritische Infrastruktur eingestuft werden und damit unter die europäische Regulatorik fallen. Droht ein Verbot chinesischer Produkte wie für Huawei-Komponenten bei der öffentlichen 5G-Infrastruktur?
Fritz! vs. Telekom
Fritz! ist bekanntlich ein deutscher Hersteller, der seine Router in Berlin zusammenschraubt. Natürlich werden auch in diesen Routern Bauteile aus Asien verbaut. Im Unterschied zu Routern anderer Hersteller kommen die aktiven Komponenten (insb. die verbauten Chips) aber nur aus Taiwan und den USA. China dagegen ist außen vor und darf lediglich passive Bauteile wie Kondensatoren beisteuern. Fritz! gibt an, dass die eigenen Router im Vergleich zum Bau der Router in China um etwa 5 € pro Stück verteuert werden. Souveränität hat also ihren Preis.
Die Telekom dagegen lässt viele ihrer Router in China bauen und versorgt damit Millionen Privathaushalte in Deutschland. Ein generelles Verbot chinesischer Hardware in Privathaushalten käme der Telekom natürlich teuer zu stehen.
Analogie 5G
Huawei-Komponenten haben eine starke Durchdringung der europäischen Mobilfunkinfrastruktur. Europäischen Sicherheitsbehörden ist dies schon länger ein Dorn im Auge. Sie fürchten, dass der Staat Einfluss auf den Einbau von Hintertüren in Netzwerktechnik nimmt, die einen zentralen Bestandteil kritischer Infrastrukturen bildet.
Insbesondere die 5G-Infrastruktur steht hier im Fokus: Die Bundesnetzagentur stuft inzwischen auch Mobilfunkantennen entsprechend kritisch ein. Der zwischen Bundesinnenministerium und Netzbetreibern 2024 ausgehandelte Kompromiss, der nur das Kernnetz der Mobilfunkbetreiber einschloss und die Mobilfunkantennen ausgenommen hatte, ist damit nichtig. Künftig soll in kritischer Infrastruktur der EU-Staaten komplett auf Netzwerktechnik der chinesischen Hersteller Huawei und ZTE verzichtet werden. Neben 5G sind auch weitere Sektoren wie Cloud-Computing-Dienste, medizinische Geräte oder Drohnen und Drohnenabwehrsysteme betroffen.
Eine Verbannung von Huawei und Co. könnte allerdings mehrere Milliarden Euro kosten. Allein in Deutschland sind mehr als 45.000 Mobilfunkantennen betroffen. Noch ist diesbezüglich nichts entschieden; im Januar 2027 soll die Sicherheitsliste final veröffentlicht werden. Erst anschließend kann es zum möglichen Umbau der Netzinfrastruktur kommen.
Fazit: Was sind wir bereit für digitale Souveränität zu zahlen?
Natürlich sind die Bemühungen von Fritz! auch Lobbyarbeit mit Selbstzweck. Grundsätzlich ist die Stärkung der digitalen Souveränität jedoch zu begrüßen. Die Verringerung der Abhängigkeiten braucht daher ebenfalls Investitionen europäischer Hersteller in Fertigungskapazitäten.
Souveränität setzt allerdings keine Produktion in Deutschland oder Europa voraus. Entscheidend ist vielmehr die Kontrolle über Lieferketten, Hardware und Software. Die von der Telekom ins Feld geführten Argumente der eigenen Softwareentwicklung und Prüfung der Hardware auf Schwachstellen sind Schritte in die richtige Richtung. Noch sinnvoller wäre eine unabhängige Prüfung, denn die grundsätzliche Lieferkettenproblematik wird schließlich auch bei Produktion vor Ort nicht verschwinden: Rund 90 % der für die IT wichtigen seltenen Erden stammen einschließlich ihrer Verarbeitung aus China.
Welchen Preis uns die digitale Souveränität wert ist, wird uns noch länger beschäftigen. Ganz ohne Investitionen wird es kaum gehen – ob in die eigene Produktion, die Softwareentwicklung oder Zertifizierungen, bleibt offen.
Weitere Informationen
- Frankfurter Allgemeine, Deutscher Routerhersteller Fritz! fordert Verbot chinesischer Geräte, 09.10.2026, abrufbar unter: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutscher-routerhersteller-fritz-fordert-verbot-chinesischer-geraete-201302438.html
- Tagesschau, Huawei und ZTE sollen raus aus dem Netz, 20.01.2026, abrufbar unter: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-huawei-cybersicherheit-100.html
- Tagesschau, So groß ist Chinas Macht bei seltenen Erden, 23.06.2025, abrufbar unter: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/seltene-erden-china-abhaengigkeit-100.html





