
Im Netzwerk Insider vor 20 Jahren: Instant Messaging, VoIP und Kommunikation
06.08.26 / Dr. Markus Ermes
Vor 20 Jahren wurde im Netzwerk Insider auf Instant Messaging sowie die möglichen Auswirkungen auf die Telefonie eingegangen. Haben sich die damaligen Ansätze durchgesetzt?
Die Situation vor 20 Jahren
Vor 20 Jahren gab es, v.a. im privaten Bereich, eine Boomzeit der Instant-Messaging-Anwendungen. Wer erinnert sich noch an ICQ und das sehr charakteristische Geräusch bei einer neuen Nachricht? Die jeweiligen Anwendungen erhielten immer mehr Zusatzfunktionen, darunter auch Internet-Telefonie und (teilweise) Video-Anrufe. Und im Unternehmensbereich verbreitete sich Skype for Business zunehmend.
Damals wurde die Frage gestellt, ob die klassische (VoIP-)Telefonie über SIP in Anbetracht der Vielzahl verfügbarer Dienste noch eine Zukunft hat und wie mit der Fragmentierung durch die unterschiedlichen Anbieter umgegangen werden kann. Man hoffte, dass sich ein offenes Protokoll für Instant Messaging etablieren würde, an das sich verschiedene Clients halten könnten.
Was ist aus dieser Hoffnung geworden?
Die Situation heute
Leider hat sich die Hoffnung auf einen gemeinsamen Standard nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil: Es gibt eine Reihe großer Hersteller, die den Markt der Kommunikationslösungen mit Zusatzfunktionen unter sich aufteilen. Bekannte Namen sind hier Microsoft mit Teams, Cisco WebEx, Zoom oder Slack. Die damalige Fragmentierung ist also heute umso größer, da die einzelnen Lösungen nicht miteinander kompatibel sind. So gesehen ist die seinerzeit im Titel des Artikels provokant als „Abfallprodukt des Instant Messaging“ bezeichnete Telefonie heute auch weiterhin enorm wichtig, um firmen- und lösungsübergreifend zu kommunizieren. Viele der UCC-Apps bieten eine Möglichkeit, „normale“ Anrufe zu tätigen, da alle Hersteller den kleinsten gemeinsamen Nenner identifiziert haben.
Auf der anderen Seite sind alle gängigen Lösungen vollständig oder mit minimalen Einschränkungen auch aus dem Browser bedienbar und bieten die Möglichkeit, externe Teilnehmer in spezifische Bereiche einzuladen. Hier ist die Verbreitung von Web-Anwendungen durchaus von Vorteil.
Sofern man nur mit einer oder wenigen Lösungen arbeiten muss, ist das auch mit einem relativ geringem Komfortverlust möglich. Wenn es allerdings zu viele Lösungen werden – und für einen Berater kommt dieser Fall leider häufig vor – wird es schnell unübersichtlich. Zwar lassen sich alle Lösungen ähnlich bedienen, doch unterscheiden sie sich gerade so weit, dass man immer wieder überlegen muss, wie sich eine bestimmte Funktion in der jeweiligen Lösung umsetzen lässt. Da ist der gute alte Telefonanruf doch häufig die einfachste Möglichkeit, einen Kunden oder Partner zu erreichen!
Fazit
VoIP ist nach 20 Jahren immer noch nicht verschwunden. Gerade durch die Einfachheit und Kompatibilität ist der „klassische“ Anruf auch heute in der Welt von umfangreichen UCC-Lösungen mit vielen Komfort-Funktionen immer noch weit verbreitet.
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