
Im Netzwerk Insider vor 20 Jahren: Zentral bereitgestellte Anwendungen, die sich im Browser nutzen lassen
03.09.26 / Dr. Markus Ermes
Vor 20 Jahren wurde im Netzwerk Insider auf zentral bereitgestellte, per Internet erreichbare Unternehmensanwendungen eingegangen. Haben solche Anwendungen ihren Durchbruch gehabt?
Die Situation vor 20 Jahren
Für alle Bereiche eines Unternehmens zentral bereitgestellte, per Internet erreichbare Anwendungen, die sich im Browser bedienen lassen – genau das war vor 20 Jahren eine Vision, die zwar vielfach wünschenswert schien, aber in vielen Bereichen wiederum der Realität der damaligen Business-Anwendungen nicht gerecht wurde. Großrechner, aka Mainframes, waren weit verbreitet, viele Anwendungen nutzten spezielle Protokolle oder benötigten besondere Client-Software. Die Vision war da, es wurde auch davon ausgegangen, dass diese Vision irgendwann erfüllt wird, doch der Zeithorizont war damals nicht absehbar.
Die Situation heute
Per Internet nutzbare Anwendungen sind heute eher die Regel als die Ausnahme. Das Zauberwort heißt „Cloud“. Kaum eine weit verbreitete Anwendung, die nicht per Browser als Software-as-a-Service (SaaS) bezogen werden kann. Ob Wikis wie Confluence, Projektmanagement-Tools wie Trello für agile Projekte oder – als vielleicht verbreitetste Anwendung – Kommunikationslösungen wie Zoom, Teams und WebEx. Auch Open-Source-Lösungen wie Jitsi oder Big Blue Button sind verfügbar. Anwendungen sind damit über das Internet nutzbar und per Browser bedienbar. Selbst bei Anwendungen, die einen eigenen „Client“ bereitstellen, handelt es sich häufig im Grunde um einen Browser ohne Adresszeile.
Interne Anwendungen nutzen ebenfalls zunehmend Web-Frontends für die Bedienung oder bieten diese zumindest optional an. Hat sich die Prophezeiung von damals also vollumfänglich erfüllt – im Guten (einfache Nutzbarkeit, schnelle Bereitstellung, wenig Betriebsaufwand) wie im Schlechten (IT-Sicherheit, Kostenintransparenz, Vendor Lock-In, Abhängigkeit von der Internet-Anbindung)?
Nicht ganz. Die damals angesprochenen Großrechner spielen immer noch in bestimmten Bereichen, z.B. im Bankensektor, eine Rolle. Hier sind Mainframes und COBOL-Programme weiterhin im Einsatz und bilden das Rückgrat heutiger Zahlungssysteme. Wird sich daran bald etwas ändern? Aufgrund der Komplexität und Kritikalität des Umfelds wird eine Modernisierung meiner Meinung nach noch einige Zeit dauern.
Fazit
Wir sind der Vision von vor 20 Jahren heute ein gutes Stückt nähergekommen, aber noch nicht am Ziel. Ob wir dieses Ziel in den nächsten 20 Jahren erreichen werden und ob das in allen Bereichen überhaupt wünschenswert ist, wird sich zeigen.
Der Netzwerk Insider gehört mit seinen Produkt- und Markt-Bewertungen rund um IT-Infrastrukturen zu den führenden deutschen Technologie-Magazinen. Der Bezug des Netzwerk Insiders ist kostenlos.
Kontakt
ComConsult GmbH
Burtscheider Markt 24
52066 Aachen
Telefon: 0241/887446-0
Fax: 0241/887446-200
E-Mail: info@comconsult.com
![]()



