Macht 5G uns krank?

02.09.2019 / Dr. Joachim Wetzlar / Senior-Berater

aus Netzwerk Insider Ausgabe September 2019

Sie erinnern sich, vor knapp drei Jahren habe ich schon einmal über dieses Thema geschrieben. Nein, nicht „5G“. Das war damals noch nicht akut. Akut waren die vielen neuen Arbeitswelten mit flächendeckender WLAN-Ausleuchtung und zahlreichen mobilen Endgeräten. So wie damals machen sich auch heute wieder viele Menschen Sorgen, dass Funkwellen sie krank machen könnten. Und wenn dieses Risiko besteht, wird es durch eine erhöhte Zahl von Sendern offensichtlich vergrößert. Die inzwischen sprichwörtliche Milchkanne mit Internetanschluss ist also nicht jedermanns Favorit.

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Steigen wir also in die Welt der Wellen und Strahlen ein. Da gibt es einmal die ionisierende Strahlung. Dazu zählen die Radioaktivität, kosmische Strahlung, Röntgen und sogar das Sonnenlicht. Ionisierende Strahlung ist dank ihrer hohen Energie dazu in der Lage, Körperzellen und insbesondere deren DNA zu verändern. Es droht Krebs. Jeder von uns weiß, dass intensive Sonnenbäder letztlich Hautkrebs begünstigen. Aber auch Piloten und Flugbegleiterinnen scheinen einem erhöhten Krebs-Risiko ausgesetzt zu sein. In 10 Kilometern Höhe ist weniger schützende Atmosphäre über uns, die uns vor kosmischer Strahlung schützt.

Zum Glück kann diesbezüglich bei 5G Entwarnung gegeben werden. Funkwellen zählen zu den nicht ionisierenden Strahlen. Die einzige unmittelbar messbare Wirkung von Funkwellen auf den Körper ist Erwärmung. Dieser Umstand führt zu der Empfehlung der International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) [1], den Kopf mit einer Spezifischen Absorptionsrate (SAR) von nicht mehr als 2 Watt pro Kilogramm zu belasten. Außerdem sollen sich Menschen keiner elektromagnetischen Leistungsflussdichte aussetzen, die (im Frequenzbereich oberhalb von 2000 MHz) einen Wert von 10 Watt pro Quadratmeter übersteigt.

Die letztgenannte Empfehlung wurde vom Gesetzgeber in die Sechsundzwanzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (26. BImSchV) [2] übernommen. Und in [3] pflegt das Bundesamt für Strahlenschutz eine Liste aktueller Mobiltelefone und deren SAR-Werte, denen Sie sich beim Telefonieren aussetzen, soweit Sie die jeweiligen Geräte an Ihr Ohr halten.

In der Praxis werden Sie diesen Wert wohl weder mit WLAN noch mit 5G erleben. Jeder Betreiber einer 5G-Basisstation muss im Rahmen der so genannten Standortbescheinigung nachweisen, dass der Grenzwert der Leistungsflussdichte außerhalb seines eigenen Standortes nicht überschritten wird. Tatsächlich sind die Werte in unseren Wohnungen und im Freien deutlich geringer. Selten lassen sich Werte über 10 Milliwatt pro Quadratmeter messen, oft liegen die Werte im Mikrowatt-Bereich.

Wie dem auch sei, die Sorge besteht, dass auch geringe Werte Einfluss auf unseren Organismus haben. Zu solchen nicht thermischen Wirkungen gibt es zahlreiche Studien. Das Portal [4] listet fast dreißigtausend auf. Fazit: Wirkungen ließen sich tatsächlich nachweisen. Nicht bewiesen ist jedoch, dass solche Wirkungen gesundheitsschädlich (oder auch der Gesundheit förderlich) wären. Mal ganz abgesehen davon, dass nicht alle Interessengruppen an einem solchen Nachweis interessiert sind.

Wie sieht es nun mit der konkreten Gefährdung durch den 5G-Mobilfunk aus? Hier sehe ich zwei Argumente:

  1. Andere Frequenzbereiche: Neben weiteren Frequenzen im Bereich 2 bis 4 GHz, die kürzlich erst versteigert wurden, sollen nun Frequenzen oberhalb von 22 GHz („Millimeterwellen“) erschlossen werden. Erst auf diesen Frequenzen lassen sich letztlich die von 5G versprochenen extremen Bitraten erzielen. Grundsätzlich dringen kürzere Wellen weniger weit in das Gewebe ein, eine Folge des so genannten Skin-Effekts. Allerdings gibt es auch zu Millimeterwellen bereits Studien, die Wirkungen auf den Organismus nachweisen.
  2. Mehr Basisstationen: Die Hoffnung der Mobilfunk-Nutzer ist, dass mit 5G die Flächendeckung besser wird, man also an mehr Orten als bisher hohe Bitraten nutzen kann. Mittelfristig werden Sie in dieser Hinsicht wahrscheinlich enttäuscht werden. Zu teuer müssen die Provider die neuen Frequenzen bezahlen. Da bleibt nicht viel für das Erschließen neuer Standorte übrig.

Mein Fazit ist: 5G wird keine zusätzlichen Gefahren für die Gesundheit bringen. Wenn der Mobilfunk, WLAN und andere Funkdienste tatsächlich eine Gesundheitsgefahr bergen, sind wir ihr ausgesetzt, ob 5G nun im großen Stil kommt oder nicht. Letztlich stellt, was die Exposition des Körpers durch Funkstrahlung angeht, das eigene Endgerät die stärkste Strahlungsquelle dar. Mein persönliches Fazit ist: Weniger telefonieren, jedenfalls mit dem Handy!

Verweise

[1] https://www.icnirp.org/cms/upload/publications/ICNIRPemfgdl.pdf

[2] https://www.gesetze-im-internet.de/bimschv_26/

[3] http://www.bfs.de/sar-werte-handy.html

[4] https://www.emf-portal.org/de

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