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Wenn Excel zur Schatzkarte wird – warum gute IT-Dokumentation mehr wert ist als jede Hardware

02.09.26 / Ben Grünbauer

aus dem Netzwerk Insider September 2026

Ich glaube, jeder Arbeitnehmer in der IT kennt diese Situation. Egal, ob in einer beratenden Rolle oder als ausführende Kraft: Irgendwann steht man vor einer Excel-Tabelle, die vermutlich schon mehrere Generationen an Administratoren überlebt hat. Oder man bekommt einen prall gefüllten Aktenordner in die Hand gedrückt, aus dem man nun herausfinden soll, welches Kabel eigentlich wohin führt. Im besten Fall sind die Pläne noch lesbar, im schlechtesten hilft nur noch die Hoffnung, dass sich jemand daran erinnert.

Nicht selten fällt dann im Nachgang der Satz: „Frag am besten den Kollegen XY, der weiß das alles.“ Und genau das beschreibt das eigentliche Problem ziemlich gut. Die Dokumentation liegt nicht auf dem Server, sondern befindet sich im Kopf eines einzelnen Mitarbeiters.

Auch ich durfte in vergangenen Projekten einige dieser Dokumentationen kennenlernen, oder besser gesagt: ihre Nachfolger erstellen. Gerade bei Rechenzentrumsprojekten oder Infrastrukturumzügen merkt man sehr schnell, wie wertvoll eine saubere Dokumentation ist. Fehlt sie oder ist sie über Jahre hinweg nicht gepflegt worden, wird aus einer einfachen Planungsaufgabe schnell Detektivarbeit. Plötzlich muss nachvollzogen werden, welches Kabel noch aktiv ist, welche Systeme tatsächlich produktiv genutzt werden und welche Anwendungen voneinander abhängig sind. Dinge, die mit einer gepflegten Dokumentation innerhalb weniger Minuten beantwortet wären, kosten dann mehrere Gespräche, Vor-Ort-Begehungen und nicht selten auch einige Schweißperlen.

Dabei wünscht man sich als Berater zu Beginn eines Projektes nur eins: eine vollständige und aktuelle Dokumentation der vorhandenen IT-Infrastruktur. Bonuspunkte gibt es, wenn neben den Systemen selbst auch deren gegenseitige Abhängigkeiten sauber dargestellt sind. Welche Anwendung kommuniziert mit welcher Datenbank? Welcher Server hängt an welchem Storage? Welche Switch-Ports versorgen welche Systeme? Genau diese Informationen entscheiden später darüber, ob ein Projekt strukturiert geplant werden kann oder ob zunächst einmal die gesamte Infrastruktur neu aufgenommen werden muss.

Die Realität sieht allerdings häufig anders aus. Dokumentationen sind unvollständig, über Jahre hinweg gewachsen oder auf die verschiedensten Werkzeuge verteilt. Hier eine Excel-Datei, dort ein Visio-Plan, irgendwo ein Wiki-Eintrag und zusätzlich noch ein paar Informationen in Microsoft Teams oder auf einem Netzlaufwerk. Natürlich existieren manche Dokumente auch mehrfach, allerdings mit unterschiedlichen Versionsständen. Wer schon einmal versucht hat herauszufinden, welche Version aktuell ist, kennt das Ergebnis meistens schon vorher: Am Ende kontrolliert man alles lieber noch einmal selbst.

Besonders spannend wird es, wenn jede Fachabteilung ihre eigene Dokumentation pflegt. Das Netzwerkteam dokumentiert die Switches, die Serveradministration führt ihre Inventarliste, das Storage-Team hat wiederum eine eigene Übersicht und irgendwo existiert noch eine Patchliste aus einem früheren Projekt. Alle Dokumentationen für sich genommen mögen sogar korrekt sein, gemeinsam ergeben sie jedoch häufig kein vollständiges Gesamtbild. Hinzu kommen unterschiedliche Namenskonventionen oder kreative Bezeichnungen, sodass ein und dasselbe System an mehreren Stellen unterschiedliche Namen trägt. Spätestens dann beginnt das große Rätselraten darüber, ob überhaupt vom gleichen Server gesprochen wird.

Noch problematischer wird es, wenn Wissen ausschließlich in den Köpfen einzelner Mitarbeiter existiert. Solange diese Kollegen im Unternehmen sind, funktioniert das erstaunlich gut. Verlässt jedoch jemand das Unternehmen, wechselt die Abteilung oder fällt kurzfristig aus, merkt man plötzlich, wie abhängig die eigene Infrastruktur von einzelnen Personen geworden ist. Aussagen wie „Das weiß der Kollege auswendig“ oder „Das brauchen wir nicht aufzuschreiben“ hört man erstaunlich häufig. Meistens bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Rechenzentrumsumzug ansteht oder eine größere Modernisierung geplant wird. Dann wird schnell klar, dass fehlende Dokumentation nicht nur Zeit kostet, sondern auch Risiken erzeugt.

Und genau an dieser Stelle stellt sich die entscheidende Frage: Wie sieht eine gute Dokumentation überhaupt aus? Reicht eine Excel-Tabelle aus oder braucht es mittlerweile spezialisierte Werkzeuge? Und welche Informationen sollten dokumentiert werden, damit eine IT-Infrastruktur nicht nur heute, sondern auch in einigen Jahren noch nachvollziehbar bleibt?

Wer sich diese Frage stellt, merkt schnell, dass eine gute IT-Dokumentation deutlich mehr umfasst als eine einfache Server- oder Inventarliste. Sie bildet im Idealfall die komplette Infrastruktur eines Unternehmens ab, sowohl die physische als auch die logische Ebene. Dokumentiert werden dabei nicht nur Server, Switches oder Storage-Systeme, sondern ebenso Racks, Patchfelder, die Verkabelung, Stromversorgungen oder sogar Kabeltrassen. Gerade in Rechenzentren reicht es nicht aus zu wissen, dass ein Server existiert. Entscheidend ist auch, wo er eingebaut ist, wie er angeschlossen wurde und welche Systeme unmittelbar von ihm abhängig sind.

Auf der logischen Ebene kommen dann Netzwerke, VLANs, IP-Adressierungen, Routing, Firewall-Regeln oder virtuelle Umgebungen hinzu. Ebenso wichtig sind Informationen, die auf den ersten Blick häufig vergessen werden. Welche Anwendungen laufen auf welchem Server? Welche Datenbanken werden genutzt? Welche Systeme müssen rund um die Uhr verfügbar sein, und welche dürfen während eines Wartungsfensters abgeschaltet werden? Welche Dienste hängen voneinander ab? Gerade diese Abhängigkeiten entscheiden später darüber, ob eine Wartung reibungslos verläuft oder ob plötzlich deutlich mehr Systeme betroffen sind als ursprünglich geplant.

Mindestens genauso wichtig ist die organisatorische Seite der Dokumentation. Denn eine Infrastruktur besteht nicht nur aus Hardware und Kabeln, sondern auch aus Verantwortlichkeiten. Wer betreut welches System? Welche Fachabteilung ist Ansprechpartner? Wer darf Änderungen vornehmen, und wer muss vor einer Abschaltung informiert werden? Auch diese Informationen gehören zu einer vollständigen Dokumentation. Denn was bringt die beste Serverliste, wenn niemand weiß, wer den produktiven Datenbankserver betreut?

Die Erstellung einer solchen IST-Aufnahme ist deshalb selten die Aufgabe einer einzelnen Person. Vielmehr müssen fast alle beteiligten Fachbereiche zusammenarbeiten. Netzwerk, Server, Storage, Security, Virtualisierung, Backup oder auch die Gebäude- und Elektrotechnik verfügen jeweils über einen Teil der Informationen. Erst wenn diese einzelnen Puzzleteile zusammengeführt werden, entsteht ein vollständiges Bild der Infrastruktur. Genau an diesem Punkt zeigt sich eine der größten Herausforderungen. Jede Abteilung hat ihre eigene Sicht auf die Systeme und häufig auch ihre eigene Art zu dokumentieren. Während die Netzwerkabteilung ihre Ports und VLANs sauber pflegt, konzentriert sich die Serveradministration auf Betriebssysteme und virtuelle Maschinen. Die Storage-Abteilung dokumentiert SAN-Verbindungen, während sich das Facility Management eher für die Stromversorgung oder Klimatisierung interessiert. Alle Informationen sind für sich genommen richtig, sie befinden sich jedoch oftmals in unterschiedlichen Werkzeugen und folgen unterschiedlichen Standards.

Abbildung 1

Abbildung 1: Rack-Planung über Excel

Das muss nicht zwangsläufig falsch sein. Problematisch wird es dann, wenn diese Informationen später wieder zusammengeführt werden sollen. Besonders bei größeren Projekten oder Rechenzentrumsumzügen verbringen Projektteams häufig einen erheblichen Teil ihrer Zeit damit, bestehende Dokumentationen miteinander abzugleichen. Unterschiedliche Namenskonventionen, doppelt gepflegte Informationen oder veraltete Versionsstände erschweren diese Arbeit zusätzlich. Nicht selten entsteht dabei mehr Aufwand, als wenn die Infrastruktur von Anfang an einheitlich dokumentiert worden wäre.

Die Frage lautet also nicht nur, was dokumentiert werden sollte, sondern auch womit. Und genau hier beginnt die spannende Diskussion. Denn Werkzeuge für die Dokumentation gibt es mittlerweile mehr als genug. Angefangen bei klassischen Excel-Tabellen über grafische Netzwerkpläne bis hin zu professionellen DCIM-Systemen bietet der Markt für nahezu jede Unternehmensgröße eine passende Lösung. Die entscheidende Erkenntnis dabei ist allerdings: Es gibt nicht das eine perfekte Werkzeug für jeden Anwendungsfall. Vielmehr besitzt jede Lösung ihre eigenen Stärken und eben auch ihre Schwächen.

Excel dürfte dabei wahrscheinlich der unangefochtene Klassiker sein. Fast jeder kennt das Programm, nahezu jedes Unternehmen verfügt bereits über entsprechende Lizenzen, und die Einstiegshürde ist verschwindend gering. Genau deshalb findet man Excel auch heute noch in nahezu jedem Infrastrukturprojekt wieder. Für Inventarlisten, Patchübersichten oder die Erfassung von Seriennummern eignet sich das Programm nach wie vor hervorragend. Auch während der frühen Projektphasen entstehen viele erste Übersichten oder Arbeitslisten zunächst in einer Tabellenkalkulation. Das geht schnell, ist flexibel, und jeder weiß grundsätzlich, wie damit gearbeitet wird. Gerade deshalb sollte Excel nicht schlechtgeredet werden. Im Gegenteil. Richtig eingesetzt ist es ein äußerst hilfreiches Werkzeug. Problematisch wird es dann, wenn versucht wird, komplette IT-Infrastrukturen ausschließlich mit Tabellen abzubilden. Abhängigkeiten zwischen Systemen lassen sich nur schwer nachvollziehen, physische Verkabelungen werden schnell unübersichtlich und bei mehreren Bearbeitern stellt sich irgendwann wieder die bekannte Frage: „Welche Version ist die aktuelle?“ Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt hat. Anfangs besteht eine Excel-Datei vielleicht aus zehn oder zwanzig Zeilen. Ein Jahr später sind daraus mehrere hundert geworden. Drei weitere Tabellenblätter kommen hinzu, anschließend noch farbliche Markierungen, Kommentare, Filter, und irgendwann findet sich nur noch die Person zurecht, die die Datei ursprünglich erstellt hat. Spätestens an diesem Punkt merkt man, dass Excel zwar unglaublich flexibel ist, aber nie dafür entwickelt wurde, komplexe Infrastrukturen dauerhaft abzubilden.

Neben Tabellenkalkulationen findet man in vielen Unternehmen auch eine zweite Form der Dokumentation: Grafische Darstellungen. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal mit Microsoft Visio, Draw.io oder ähnlichen Programmen gearbeitet. Während Excel hervorragend darin ist, Informationen tabellarisch abzubilden, spielen diese Werkzeuge ihre Stärken vor allem dann aus, wenn Zusammenhänge auf einen Blick erkennbar sein sollen. Schließlich sagt eine Liste mit zwanzig Switches noch lange nichts darüber aus, wie diese tatsächlich miteinander verbunden sind.

Netzwerkübersichten, Rechenzentrumslayouts oder Verkabelungspläne profitieren von einer grafischen Darstellung. Auf einen Blick wird sichtbar, wo sich einzelne Racks befinden, wie Warm- und Kaltgänge aufgebaut sind oder welchen Weg eine Glasfasertrasse durch das Gebäude nimmt. Auch für Kunden oder externe Projektbeteiligte sind solche Pläne deutlich verständlicher als eine mehrseitige Excel-Tabelle. Niemand möchte sich durch hunderte Zeilen klicken, wenn ein Blick auf einen übersichtlichen Netzwerkplan dieselbe Information innerhalb weniger Sekunden liefert.

Abbildung 2

Abbildung 2: Patchpanel-Verbindungen über Excel

Ebenso haben grafische Dokumentationen ihre Grenzen. Jeder, der schon einmal einen größeren Netzwerkplan gepflegt hat, weiß, wie schnell dieser nach einigen Änderungen wieder veraltet sein kann. Ein zusätzlicher Switch hier, ein neuer Server dort oder ein paar geänderte Patchverbindungen, schon stimmt der Plan an mehreren Stellen nicht mehr. Je größer und dynamischer eine Infrastruktur wird, desto aufwendiger wird die Pflege solcher Zeichnungen. Hinzu kommt, dass technische Details wie Seriennummern, Gerätehistorien oder Wartungsinformationen dort nur schwer sinnvoll dargestellt werden können. Für eine langfristige und vollständige Dokumentation eignen sich reine Zeichnungen deshalb nur bedingt.

Genau an diesem Punkt stößt man irgendwann auf einen Begriff, der in den vergangenen Jahren immer häufiger fällt: DCIM – Data Center Infrastructure Management.

Klingt im ersten Moment nach einer weiteren Abkürzung der IT-Welt, beschreibt aber im Grunde genau das, was viele Unternehmen seit Jahren versuchen zu erreichen: Eine zentrale Plattform, in der die gesamte Infrastruktur verwaltet, dokumentiert und im Idealfall sogar überwacht werden kann.

Ein DCIM-System verfolgt dabei einen umfassenderen Ansatz als Excel oder Visio. Es geht nicht mehr nur darum, Informationen irgendwo festzuhalten, sondern sämtliche Bestandteile eines Rechenzentrums miteinander in Beziehung zu setzen. Racks, Server, Switches, Patchfelder, Stromversorgung, Verkabelung, Kühlung und sogar die vorhandenen Flächenkapazitäten werden gemeinsam verwaltet. Dadurch entsteht ein digitales Abbild der realen Infrastruktur. Häufig spricht man dabei auch von einem Digital Twin des Rechenzentrums.

Der eigentliche Mehrwert entsteht erst durch die Verknüpfung dieser Informationen. Statt einzelne Dokumente durchsuchen zu müssen, lässt sich beispielsweise nachvollziehen, welcher Server in welchem Rack verbaut ist, an welchem Patchpanel er angeschlossen wurde, über welche Switch-Ports die Netzwerkanbindung erfolgt und welche Anwendungen auf diesem System betrieben werden. Änderungen an einem Gerät wirken sich automatisch auf die gesamte Dokumentation aus. Genau diese Zusammenhänge fehlen bei klassischen Dokumentationsmethoden häufig.

Abbildung 3

Abbildung 3: Netzwerkstrukturen in Visio visualisiert

Darüber hinaus unterstützen viele DCIM-Systeme nicht nur die Dokumentation, sondern auch den laufenden Betrieb. Freie Höheneinheiten in Racks lassen sich ebenso ermitteln wie verfügbare Stromreserven oder noch nutzbare Netzwerkanschlüsse. Kapazitätsplanungen, die früher auf mehrere Tabellen verteilt waren, können dadurch wesentlich schneller und zuverlässiger durchgeführt werden. Gerade bei Erweiterungen oder Rechenzentrumsumzügen spart das nicht nur Zeit, sondern reduziert auch das Risiko von Fehlplanungen erheblich.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ein DCIM-System jedes Problem löst. Wie bei nahezu jeder Software gilt auch hier: Die Qualität der Ergebnisse hängt unmittelbar von der Qualität der eingegebenen Daten ab. Ein modernes DCIM mit veralteten Informationen ist am Ende genauso wenig hilfreich wie eine Excel-Tabelle aus dem Jahr 2015. Der größte Unterschied besteht allerdings darin, dass professionelle Systeme Werkzeuge bereitstellen, um diese Informationen dauerhaft konsistent zu halten. Einheitliche Namenskonventionen, definierte Gerätetypen, feste Beziehungen zwischen Komponenten oder automatische Plausibilitätsprüfungen sorgen dafür, dass die Dokumentation nicht nach wenigen Monaten wieder auseinanderläuft.

Wer sich mit dem Markt beschäftigt, stellt fest, dass die Auswahl an DCIM-Systemen groß ist. Von schlanken Open-Source-Lösungen bis hin zu hochintegrierten Enterprise-Plattformen ist nahezu alles vertreten. Je nach Unternehmensgröße, Budget und Anforderungen unterscheiden sich die Systeme teilweise erheblich. Manche konzentrieren sich hauptsächlich auf die Dokumentation der IT-Infrastruktur, andere integrieren zusätzlich Gebäudeleittechnik, Energieversorgung, Klimatisierung oder sogar Wartungs- und Ticketprozesse. Genau deshalb sollte die Auswahl niemals ausschließlich anhand von Funktionslisten erfolgen, sondern immer auf Grundlage der tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens.

Denn eines zeigt die Praxis immer wieder: Nicht das teuerste oder umfangreichste Werkzeug ist automatisch die beste Lösung. Entscheidend ist vielmehr, dass das gewählte System von den Mitarbeitenden akzeptiert und konsequent genutzt wird. Die beste Dokumentation bringt schließlich nichts, wenn sie nach wenigen Monaten niemand mehr pflegt oder parallel wieder neue Excel-Listen entstehen.

Ein besonders spannender Bereich im DCIM-Markt sind Open-Source-Lösungen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Während früher häufig nur große Unternehmen mit entsprechendem Budget auf professionelle Infrastrukturmanagement-Systeme gesetzt haben, stehen heute Lösungen zur Verfügung, die bereits ohne Lizenzkosten einen beeindruckenden Funktionsumfang bieten. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist NetBox.

NetBox hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Standard in der Open-Source-Community entwickelt und wird mittlerweile von Unternehmen jeder Größe eingesetzt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Software konzentriert sich genau auf das, was in der täglichen Praxis benötigt wird. Statt mit unzähligen Zusatzfunktionen überladen zu sein, ermöglicht NetBox eine strukturierte und nachvollziehbare Dokumentation nahezu der gesamten IT-Infrastruktur.

So lassen sich Standorte, Gebäude, Räume und einzelne Racks abbilden. Innerhalb dieser Racks können Geräte inklusive Höheneinheiten, Hersteller, Modellvarianten und Schnittstellen dokumentiert werden. Auch Patchfelder, Switch-Ports, Glasfaser- oder Kupferverbindungen sowie deren komplette Verkabelungsketten lassen sich sauber erfassen. Wer schon einmal versucht hat, den Verlauf einer Patchverbindung ausschließlich über mehrere Excel-Tabellen nachzuvollziehen, weiß schnell zu schätzen, welchen Mehrwert eine solche Darstellung bietet.

Abbildung 4

Abbildung 4: NetBox Interfaces-Ansicht

Doch NetBox endet nicht bei der physischen Infrastruktur. Auch die logische Ebene wird konsequent mitgedacht. VLANs, VRFs, IP-Adressbereiche, Präfixe, virtuelle Maschinen oder Cluster können genauso dokumentiert werden wie physische Geräte. Dadurch entsteht nach und nach ein digitales Gesamtbild der gesamten Infrastruktur. Dabei fällt positiv auf, dass viele Informationen miteinander verknüpft werden. Ändert sich beispielsweise ein Gerät oder dessen Standort, müssen die Informationen nicht an mehreren Stellen gepflegt werden, sondern bleiben innerhalb des Systems konsistent.

Ein weiterer Vorteil besteht in der hohen Erweiterbarkeit. Durch Skripte, Plug-ins oder Schnittstellen lässt sich NetBox problemlos an individuelle Anforderungen anpassen. Viele Unternehmen nutzen automatisierte Importe aus bestehenden Inventarsystemen oder gleichen Informationen direkt mit ihrer Netzwerkumgebung ab. Dadurch reduziert sich der Pflegeaufwand erheblich, und gleichzeitig steigt die Aktualität der Dokumentation.

Natürlich hat auch NetBox Grenzen. Wer umfangreiche Gebäudeleittechnik, Energieüberwachung oder komplexe Betriebsprozesse integrieren möchte, stößt irgendwann an den Punkt, an dem spezialisierte Enterprise-Lösungen ihre Stärken ausspielen. Genau dort kommen Systeme wie VM.7 von ATC ins Spiel.

Während NetBox seinen Fokus sehr stark auf die strukturierte Dokumentation der IT legt, verfolgt VM.7 einen deutlich umfassenderen Ansatz. Neben klassischen IT-Komponenten können dort auch Gebäude, technische Anlagen, Stromversorgung, Brandmeldeanlagen oder weitere Gewerke gemeinsam verwaltet werden. Gerade in größeren Rechenzentren oder hochkritischen Infrastrukturen entsteht dadurch ein erheblicher Mehrwert, da sämtliche Informationen zentral zusammenlaufen.

Abbildung 5

Abbildung 5: NetBox Rack-Ansicht

Besonders interessant ist dabei der integrierte Planungsmodus. Änderungen an einer bestehenden Infrastruktur können zunächst als Soll-Zustand geplant werden, ohne die aktuelle Dokumentation zu verändern. Erst wenn die Planung abgeschlossen ist, lassen sich daraus konkrete Arbeitsaufträge oder Umsetzungsmaßnahmen ableiten. So reduziert dieses Vorgehen das Risiko von Missverständnissen bei Rechenzentrumsumzügen oder größeren Modernisierungsprojekten erheblich.

Auch die grafische Darstellung gehört zu den großen Stärken solcher Enterprise-Systeme. Rückansichten, Gerätepositionen oder komplette Verbindungsketten lassen sich nicht nur tabellarisch, sondern auch grafisch nachvollziehen. Muss beispielsweise nachvollzogen werden, über welche Patchfelder und Kabel ein bestimmter Server mit dem Core-Switch verbunden ist, genügt häufig ein Mausklick. Informationen, für deren Recherche früher mehrere Dokumente geöffnet werden mussten, stehen dadurch unmittelbar zur Verfügung.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, welches System nun das bessere ist. Die ehrliche Antwort lautet: keins von beiden.

Denn die Wahl des richtigen Werkzeugs hängt immer von den eigenen Anforderungen ab. Nicht jedes Unternehmen benötigt sämtliche Funktionen einer umfangreichen Enterprise-Lösung. Genauso wenig reicht eine schlanke Open-Source-Lösung aus, wenn neben der IT-Infrastruktur auch Gebäudeautomation, Energieversorgung oder Betriebsprozesse zentral verwaltet werden sollen.

Viel entscheidender als die eigentliche Software ist letztendlich etwas ganz anderes, und zwar der Tatbestand, dass überhaupt ein zentrales System genutzt wird.

Denn genau hier entstehen in der Praxis häufig die größten Probleme. Nicht weil die eingesetzte Software ungeeignet wäre, sondern weil parallel weiterhin mehrere Dokumentationen gepflegt werden. Ein Teil der Informationen landet im DCIM-System, ein anderer Teil bleibt in Excel, einige Netzwerkpläne liegen weiterhin als Visio-Dateien auf dem Fileserver, und zusätzliche Informationen finden sich irgendwo im Wiki. Am Ende existieren zwar zahlreiche Dokumentationen – allerdings keine, die das vollständige Bild liefert.

Daher lautet eine der wichtigsten Empfehlungen aus unserer Projekterfahrung: Lieber ein System konsequent pflegen als fünf Systeme halbherzig. Selbst wenn dieses System nicht jede denkbare Funktion bietet, entsteht dadurch eine deutlich höhere Transparenz als durch mehrere voneinander getrennte Informationsquellen. Schließlich nützt die beste Dokumentation wenig, wenn niemand weiß, wo die aktuelle Version abgelegt wurde.

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Abbildung 6: VM.7 3D Ansicht

An dieser Stelle könnte man meinen, dass mit der Auswahl eines geeigneten Werkzeugs das größte Problem gelöst sei. Die Erfahrung aus Projekten zeigt allerdings ein anderes Bild. Tatsächlich scheitert die Einführung einer zentralen Dokumentation nur selten an der Software selbst. Viel öfter liegt die Ursache in der Art und Weise, wie ein solches Projekt umgesetzt wird.

Ein häufiger Fehler besteht darin, dass ein neues Dokumentationssystem von einer einzelnen Abteilung eingeführt wird, ohne die späteren Nutzer frühzeitig einzubinden. Das Ziel ist dabei meist nachvollziehbar: Endlich Ordnung schaffen und die bestehende Infrastruktur sauber dokumentieren. Problematisch wird es jedoch dann, wenn unterschiedliche Anforderungen gar nicht erst berücksichtigt werden.

Während sich das Netzwerkteam beispielsweise detaillierte Portinformationen wünscht, interessiert sich die Serveradministration deutlich stärker für Virtualisierung, Cluster oder Betriebssysteme. Die Storage-Abteilung legt ihren Fokus wiederum auf SAN-Verbindungen und Speichersysteme, während das Facility Management vor allem Stromversorgung, Klimatisierung oder Rackkapazitäten betrachtet. Alle verfolgen letztendlich dasselbe Ziel – allerdings aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln.

Wer versucht, ein DCIM-System ausschließlich aus Sicht einer einzelnen Fachabteilung aufzubauen, wird früher oder später auf Widerstand stoßen. Nicht, weil die Kollegen grundsätzlich gegen Veränderungen sind, sondern weil sie ihre tägliche Arbeit darin nicht wiederfinden. Deshalb ist die frühe Einbindung aller Beteiligten einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Schließlich soll das System nicht einer einzelnen Abteilung, sondern dem gesamten Unternehmen helfen.

Auch die Erwartungshaltung spielt eine große Rolle. Häufig entsteht der Eindruck, dass mit der Einführung eines DCIM-Systems sämtliche Dokumentationsprobleme automatisch verschwinden. So verlockend dieser Gedanke auch ist – ganz so einfach funktioniert es leider nicht. Ein DCIM ist kein Zauberstab, der eine unvollständige Infrastruktur über Nacht in ein perfekt dokumentiertes Rechenzentrum verwandelt. Es ist vielmehr ein Werkzeug, das von guten Daten lebt. Diese Daten müssen zunächst einmal erfasst, geprüft und gepflegt werden.

Abbildung 7

Abbildung 7: VM.7 Rackverbindungs-Ansicht

Bei bestehenden Umgebungen bedeutet das einen erheblichen Aufwand. Viele Unternehmen verfügen über IT-Infrastrukturen, die über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen sind. Systeme wurden erweitert, ersetzt oder umgebaut. Manche Dokumentationen wurden gepflegt, andere nicht. Teilweise existieren Informationen nur noch auf Papier oder in alten Projektunterlagen. Bevor diese Daten in ein neues System übernommen werden können, müssen sie erst einmal bewertet und vereinheitlicht werden. Genau dieser Schritt wird in Projekten häufig unterschätzt.

Dabei lohnt sich die investierte Zeit fast immer. Denn spätestens, wenn alle Komponenten einheitlich benannt, sauber dokumentiert und miteinander verknüpft sind, entstehen Vorteile, die weit über den eigentlichen Dokumentationszweck hinausgehen. Planungen werden deutlich einfacher, Abstimmungen reduzieren sich und viele Fragen lassen sich direkt beantworten, ohne mehrere Kollegen oder verschiedene Dokumentationen konsultieren zu müssen.

Aus unserer Projekterfahrung hat sich außerdem gezeigt, dass gerade Rechenzentrumsumzüge der ideale Zeitpunkt sind, um bestehende Dokumentationen grundsätzlich zu überdenken. Schließlich wird die Infrastruktur im Rahmen eines Umzugs ohnehin vollständig betrachtet. Fast jedes Rack wird geöffnet, nahezu jede Verbindung überprüft und jedes System bewertet. Kaum ein anderes Projekt bietet daher eine vergleichbare Gelegenheit, die vorhandene Dokumentation gleichzeitig zu bereinigen und zu vereinheitlichen.

Allerdings sollte man nicht den Fehler machen, alles gleichzeitig verändern zu wollen. Wer mitten in einem zeitkritischen Umzug versucht, parallel eine völlig neue Dokumentationsplattform einzuführen, erhöht die Komplexität des Projekts erheblich. Manchmal ist es sinnvoller, zunächst mit den vorhandenen Werkzeugen weiterzuarbeiten und diese konsequent zu standardisieren, bevor anschließend ein geplanter Wechsel auf ein DCIM-System erfolgt. Gerade wenn Excel bereits sauber gepflegt wird und alle Beteiligten damit sicher arbeiten können, kann ein übereilter Systemwechsel sogar kontraproduktiv sein.

Letztendlich ist nicht entscheidend, ob die Informationen in Excel, NetBox oder einem Enterprise-DCIM gespeichert werden. Entscheidend ist vielmehr, dass sie vollständig, aktuell und für alle Beteiligten nachvollziehbar sind.

Denn eine Dokumentation erfüllt ihren Zweck nur dann, wenn sie auch tatsächlich genutzt wird.

Ein Punkt, der häufig übersehen wird, ist die Zugänglichkeit. Gerade bei größeren Projekten arbeiten neben internen Mitarbeitenden auch externe Dienstleister, Planungsbüros oder Hersteller mit. Diese benötigen ebenfalls Zugriff auf die relevanten Informationen – natürlich nicht uneingeschränkt, aber zumindest in dem Umfang, der für ihre Aufgaben erforderlich ist. Eine Dokumentation, auf die ausschließlich ein kleiner Personenkreis zugreifen kann, verliert schnell ihren Mehrwert. Überspitzt formuliert könnte man sogar sagen: Eine Dokumentation, die niemand findet oder öffnen kann, ist fast genauso hilfreich wie gar keine.

Ebenso wichtig ist die Verständlichkeit. Wer täglich mit einer Dokumentation arbeitet, kennt ihre Struktur irgendwann auswendig. Neue Kollegen oder externe Projektbeteiligte sehen diese Informationen jedoch zum ersten Mal. Abkürzungen, interne Bezeichnungen oder historisch gewachsene Namenskonzepte wirken dann schnell wie eine Fremdsprache. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die Infrastruktur selbst zu dokumentieren, sondern auch die Dokumentation zu dokumentieren. Eine kurze Erläuterung der verwendeten Kennzeichnungen oder ein übersichtliches Namenskonzept spart später deutlich mehr Zeit, als seine Erstellung gekostet hat.

Am Ende lässt sich eine gute Dokumentation auf wenige einfache Fragen reduzieren:

Sind alle relevanten Komponenten vorhanden? Sind die Informationen aktuell? Sind sie vollständig? Und kann auch jemand, der das Projekt nicht seit Jahren begleitet, die Dokumentation ohne große Erklärung verstehen?

Wenn eine dieser Fragen mit einem Nein beantwortet werden muss, besteht meistens noch Verbesserungspotenzial. Das klingt zunächst banal, entscheidet in der Praxis jedoch darüber, ob ein Projekt reibungslos verläuft oder unnötig kompliziert wird.

Und das wird bei Rechenzentrumsumzügen deutlich. Während sich Hardware austauschen oder neue Racks aufbauen lassen, bleibt eines unverändert: Ohne eine verlässliche Dokumentation wird jede noch so sorgfältige Planung früher oder später zur Improvisation. Nicht, weil die Technik versagt, sondern weil die Informationen fehlen, die für fundierte Entscheidungen notwendig gewesen wären.

Wer einmal einen Rechenzentrumsumzug begleitet hat, weiß sehr schnell, dass die eigentliche Herausforderung nur selten der physische Transport der Hardware ist. Server lassen sich abschalten, Racks abbauen und an einem neuen Standort wieder montieren. Auch Netzwerke können geplant und neue Verkabelungen installiert werden. Die größte Herausforderung besteht meistens darin, den Überblick zu behalten. Welche Systeme dürfen wann abgeschaltet werden? Welche Anwendungen hängen voneinander ab? Welche Kabel müssen zwingend wieder an genau derselben Stelle angeschlossen werden? Und welche Komponenten existieren eigentlich noch, obwohl sie seit Jahren niemand mehr angefasst hat?

Genau hier entscheidet sich häufig der Erfolg eines Projekts. Nicht durch die modernste Hardware oder die schnellsten Switches, sondern durch verlässliche Informationen – und eine Dokumentation, der man vertrauen kann.

Aus unserer Erfahrung zeigt sich : Eine gute Dokumentation ist weit mehr ist als nur eine Pflichtaufgabe. Sie schafft Transparenz, unterstützt die tägliche Arbeit und hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Eine perfekte Dokumentation muss nicht von Anfang an existieren. Viel wichtiger ist, überhaupt zu beginnen und klare Standards zu definieren. Einheitliche Namenskonventionen, nachvollziehbare Kennzeichnungen und ein zentraler Ablageort schaffen bereits einen enormen Mehrwert. Wird die Dokumentation anschließend konsequent gepflegt, wächst sie mit der Infrastruktur und bleibt langfristig nutzbar.

Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass Dokumentation keine einmalige Aufgabe ist. Sie endet nicht mit dem Projektabschluss und sollte nicht erst bei einem Umzug oder einer größeren Modernisierung aktualisiert werden. Jede Änderung an der Infrastruktur sollte gleichzeitig auch eine Änderung der Dokumentation nach sich ziehen. Nur so bleibt sie aktuell und erfüllt ihren Zweck.

Früher oder später stellt sich die Frage nach dem richtigen Werkzeug. Die Antwort fällt weniger spektakulär aus, als viele erwarten: Es gibt nicht die eine Software, die für jedes Unternehmen geeignet ist. Excel, grafische Netzwerkpläne oder professionelle DCIM-Systeme haben alle ihre Berechtigung. Entscheidend ist, dass das Werkzeug zu den Anforderungen des Unternehmens passt und von den Beteiligten akzeptiert wird. Denn auch  das leistungsfähigste DCIM-System schafft keinen Mehrwert, wenn parallel weiterhin mehrere Excel-Listen gepflegt werden oder Informationen nur in den Köpfen einzelner Mitarbeitender existieren.

Die wichtigste Erkenntnis aus den vergangenen Projekten ist: Gute Dokumentation entsteht nicht durch Software, sondern durch Prozesse und Menschen. Ein DCIM-System kann dabei unterstützen, Verantwortung kann es jedoch nicht übernehmen. Erst wenn alle Beteiligten die Dokumentation als festen Bestandteil ihrer täglichen Arbeit verstehen, entsteht langfristig ein zuverlässiges Abbild der eigenen IT-Infrastruktur.

Deshalb lohnt sich die investierte Zeit. Nicht nur für den nächsten Rechenzentrumsumzug oder die kommende Modernisierung, sondern auch für Störungen, Erweiterungen und Veränderungen, die in den kommenden Jahren auf die Infrastruktur zukommt. Wer seine Systeme kennt und sauber dokumentiert, plant sicherer, arbeitet effizienter und vermeidet viele Probleme, bevor sie überhaupt entstehen.

Eine einfache Frage sollte man sich daher bei jedem Problem stellen: Würde die Dokumentation ausreichen, damit ein anderer die Aufgaben übernehmen kann, wenn ein zentraler Ansprechpartner morgen nicht verfügbar ist?

Wenn die Antwort darauf ohne Zögern Ja lautet, ist man auf einem sehr guten Weg. Wenn nicht, ist vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt, damit zu beginnen.

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