Wie dem Fachkräftemangel durch zielgerichtete Ausbildung begegnet werden kann
10.02.2026 / Ben Grünbauer
Studium oder Ausbildung – vor dieser Entscheidung stehen heute viele Schulabgänger. Oft entsteht der Eindruck, dass ein Studium der einzig „richtige“ Weg sei, während eine Ausbildung schnell als zweite Wahl wahrgenommen wird. Genau darin liegt ein Problem, denn diese Sichtweise trägt maßgeblich zum Fachkräftemangel bei, den viele Branchen – z.B. die IT und andere MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie Handwerks- und Pflegeberufe – deutlich spüren.
Gerade im IT-Umfeld fehlen qualifizierte Fachkräfte in nahezu allen Bereichen: von der Systemintegration über die Netzwerktechnik bis hin zur IT-Beratung. Gleichzeitig entscheiden sich immer weniger junge Menschen für eine duale Ausbildung. Diese Entwicklung wird zusätzlich durch den demografischen Wandel verstärkt. In den kommenden Jahren werden deutlich mehr Fachkräfte benötigt als nachkommen können. Allein durch den Renteneintritt der geburtenstarken Generation schrumpft die Erwerbsbevölkerung in vielen Branchen spürbar [1][2].
Ich habe mich bewusst gegen ein Studium direkt nach der Schule und für eine Ausbildung entschieden – und rückblickend war das für mich die richtige Entscheidung.
Warum Ausbildung wieder mehr Aufmerksamkeit verdient
In den letzten Jahren ist die Zahl der Auszubildenden kontinuierlich gesunken, während der Bedarf an Fachkräften weiter steigt. Aktuelle Zahlen zeigen, dass trotz Fachkräftemangels weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden und viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, obwohl Unternehmen ausbilden möchten [3][4]. Parallel dazu beginnen viele Schulabgänger ein Studium, ohne genau zu wissen, ob der gewählte Studiengang wirklich zu ihnen passt [5]. Dadurch verpassen Betriebe eine wichtige Chance, ihre eigenen Fachkräfte frühzeitig auszubilden und langfristig zu binden.
Ich vermute, jeder kennt Beispiele aus dem eigenen Umfeld: Viele wissen nach einem erfolgreichen Abitur nicht, wie es weitergehen soll, und entscheiden sich erst einmal für einen beliebten Studiengang wie BWL, weil dieser viele Möglichkeiten verspricht. Eine Ausbildung bietet hier einen entscheidenden Vorteil: Studien zeigen, dass insbesondere in technischen Berufsfeldern – darunter auch in der IT – ein signifikanter Bedarf an qualifizierten Fachkräften besteht. Gerade hier ist praktische Erfahrung enorm wichtig. Netzwerke, IT-Infrastrukturen und Sicherheitskonzepte lassen sich nicht allein theoretisch verstehen – sie müssen geplant, umgesetzt, betrieben und im Alltag erlebt werden. Ausbildung kann diesen Bedarf direkt adressieren, weil sie Theorie von Beginn an mit Praxis verbindet und gezielt auf reale Berufsanforderungen vorbereitet [5].
Warum ein Studium für mich nicht der richtige Start war
Ich habe früh gemerkt, dass ein klassisches Studium direkt nach der Schule für mich nicht das Richtige gewesen wäre. Große Hörsäle, viel Theorie und wenig Praxis – nach zwölf Jahren Schulbankdrücken wollte ich etwas anderes. Ich wollte erfahren, wie der spätere Berufsalltag tatsächlich aussieht und ob der IT-Bereich wirklich zu mir passt. Mir war wichtig, direkt mitzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und technische Zusammenhänge nicht nur theoretisch, sondern praktisch zu verstehen. Genau das hat mir die Ausbildung bei der ComConsult ermöglicht.
Dabei möchte ich betonen: Ein Studium ist keineswegs falsch. Für mich war es jedoch sinnvoller, zunächst eine Ausbildung zu absolvieren, um sicherzugehen, dass mir der IT-Bereich langfristig Freude macht. Ein Studium im Anschluss kann eine sehr gute Entscheidung sein – insbesondere dann, wenn man sich fachlich weiterentwickeln oder stärker in konzeptionelle und strategische Themen einsteigen möchte. Für mich ist ein Studium ebenfalls nicht ausgeschlossen, doch für den Einstieg war die Ausbildung der absolut richtige Weg.
Die Ausbildung bei der ComConsult – lernen durch Praxis
Im Januar 2026 habe ich meine verkürzte 2½-jährige Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bei der ComConsult abgeschlossen. Die Ausbildung war von Anfang an sehr praxisnah und klar auf die spätere Tätigkeit im IT-Consulting ausgerichtet.
In der Berufsschule lag der Schwerpunkt im ersten Ausbildungsjahr auf den technischen Grundlagen. Dazu gehörten unter anderem die Netzwerktechnik sowie gängige Netzwerkprotokolle. Auch Schichtenmodelle wie das OSI- und das TCP/IP-Modell wurden ausführlich behandelt, da sie essenziell für das Verständnis moderner IT-Infrastrukturen sind. Ergänzend dazu lernten wir die Grundlagen der Python-Programmierung und beschäftigten uns mit Themen wie IT-Sicherheit und Hardware-Grundlagen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil war die strukturierte Prozessdokumentation, die im späteren Projekt- und Beratungsalltag eine zentrale Rolle spielt. Abgerundet wurde der Unterricht durch Fächer wie Englisch und Deutsch, insbesondere mit Blick auf technische Kommunikation und Dokumentation.
Parallel zur Berufsschule arbeitete ich im Unternehmen beim internen IT-Service-Desk. Dort unterstützte ich Mitarbeitende bei technischen Problemen, betreute Systeme und lernte die bestehende IT-Infrastruktur aus erster Hand kennen. Theorie und Praxis griffen dabei direkt ineinander.
Im zweiten Ausbildungsjahr wurden die Aufgaben deutlich anspruchsvoller. Ab Mitte des zweiten Jahres wurde ich aktiv in Projekte eingebunden – für mich das Highlight der Ausbildung. Kundenberatung, Planung von IT-Lösungen, konzeptionelles Arbeiten und Einblicke in das Projektgeschäft zeigten mir, wie vielseitig und anspruchsvoll IT-Beratung tatsächlich ist.
Da man nach der Ausbildung bei der ComConsult im Consulting tätig ist, ist auch die Ausbildung gezielt darauf ausgerichtet. Durch die verschiedenen Fachabteilungen konnte ich unterschiedliche technische Schwerpunkte kennenlernen und herausfinden, welcher Bereich am besten zu mir passt. So entstand ein breites technisches Fundament, das gleichzeitig praxisnah und berufsorientiert ist.
Der Einstieg ins Berufsleben
Die Ausbildungszeit war intensiv, abwechslungsreich und teilweise auch herausfordernd – aber genau das machte sie so wertvoll. Neue technische Themen, viele Fachbegriffe, Kundenkontakte und echte Verantwortung sorgten dafür, dass der Übergang ins Berufsleben sehr reibungslos verlief.
Nach der Ausbildung konnte ich direkt in das Projektgeschäft starten und mich schnell zurechtfinden. Das zeigt, wie gut eine zielgerichtete, technisch fundierte Ausbildung auf den späteren Beruf vorbereitet – insbesondere in einem anspruchsvollen IT-Umfeld.
Mein Fazit
Der Fachkräftemangel in IT-, MINT, Pflege- und Handwerksberufen wird nicht dadurch gelöst, dass alle studieren, sondern dadurch, dass Ausbildung wieder attraktiver, praxisnäher und sichtbarer wird. Aus meiner Perspektive ist eine gut strukturierte, technisch fundierte und praxisnahe Ausbildung einer der wichtigsten Schritte in diese Richtung.
Bei der ComConsult habe ich mich während meiner Ausbildung jederzeit ernst genommen und fachlich wie persönlich unterstützt gefühlt. So sollte Ausbildung aussehen – und auf diese Weise kann sie jungen Menschen einen starken, realistischen und nachhaltigen Einstieg in eine technische Karriere ermöglichen.
Verweise
[1] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) (2025) https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2025/2025-09-04-Dem-Fachkraeftemangel-begegnen-konkrete-Ansatzpunkte-fuer-den-Arbeitsmarkt.html
[2] Internationaler Bund (IB):https://www.internationaler-bund.de/news-details/article/internationaler-bund-so-koennte-deutschland-dem-fachkraeftemangel-begegnen-1
[3] Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen: https://www.ihk.de/nordwestfalen/ueber-uns/positionspapiere/impulse-fuer-neues-wachstum/dem-fachkraeftemangel-begegnen-6097388
[4] Kramer & Crew:https://www.kramerundcrew.de/de/herausforderungen/fachkraeftemangel-in-deutschland
[5] Zentrum für Lehrer*innenbildung (ZfL), Universität zu Köln (2023):https://zfl.uni-koeln.de/sites/zfl/Publikationen/discussion-papers/discussion-paper_2023_1.pdf





