Gebäude der Zukunft: IT-Infrastruktur für die digitalisierte Raumdecke

03.02.20 / Hartmut Kell

aus dem Netzwerk Insider Februar 2020

Die zunehmende Digitalisierung moderner und vor allem neuer Gebäude geht damit einher, dass insbesondere die Verkabelungsinfrastruktur den derzeit nur schwer absehbaren Anforderungen gerecht wird und demzufolge frühzeitig geplant werden muss. Eine einfache Erweiterung der klassischen Arbeitsplatzverkabelung um eine kleine oder große Anzahl von zusätzlichen Datenanschlüssen, basierend auf denselben Planungskonzepten und denselben Technologien, greift mit Sicherheit zu kurz. Die Mehrzahl der Anbieter von Verkabelungslösungen hält sich bei einem neuen Einsatzumfeld, nämlich der Vernetzung von Raumdeckenbereichen, sehr zurück, statt offensives Marketing zu betreiben. Aber bedeutet das, dass die Raumdeckenverkabelung für IT-Anwender und Fachplaner uninteressant oder gar unbedeutend ist? Dies ist aus Sicht des Autors zu verneinen.

Der nachfolgende Artikel widmet sich diesem, vermutlich in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnenden Thema.

Klassische IT-Verkabelung: Historische Entwicklung und Grundanforderungen

Bevor man sich mit der Grundidee einer Kommunikationsverkabelung im Deckenbereich auseinandersetzt, ist es aus Sicht des Autors zwingend notwendig, die historische Entwicklung der bisherigen, traditionellen Verkabelungstechniken ausgehend von den sich ändernden Anforderungen an diese zu kennen.

Kommunikationsanschlüsse gibt es seit Einführung der Netzwerktechnik, diese Welt war zu Anfang (Beginn der 90er-Jahre) noch relativ klar getrennt in Anschlüsse für Sprachkommunikation (= Telefonie) und Anschlüsse für Informationstechnik. Die Trennung wurde Mitte dieses Jahrzehnts nominell mit der ersten Verabschiedung von Normen wie z.B. der ISO/IEC 11801 und der EN 50173 aufgehoben, es sollte in neuen Gebäuden nur noch eine einzige „anwendungsneutrale Kommunikationsverkabelung“ geben. Danach sollte jeder Kommunikationsanschluss unabhängig von der Nutzung gleich aussehen. Die dafür vorgesehenen Planungsregelwerke und Produkte sahen ein sehr beschränktes Einsatzumfeld vor: Kommunikationsanschlüsse für Geräte am Büroarbeitsplatz, die im Wesentlichen aus Datenein- und -ausgaberäten bestanden wie z.B. PCs, Telefone, Drucker. Zu diesem Zeitpunkt war noch keine Rede von Kommunikationsanschlüssen

  • im Produktionsumfeld,
  • zur Energieversorgung von elektronischen Geräte
  • zur Vernetzung von Überwachungskameras,
  • für IT-Geräte der Gebäudeleittechnik.

Der Hauptanteil der passiven Kommunikationsanschlüsse wurde unmittelbar in der Nähe von (Büro-)Arbeitsplätzen platziert. Erste, wenige Anschlüsse platzierte man ab Mitte der 90er-Jahre unterhalb von Decken, um WLAN-Access-Points zu versorgen. Diese Einsatzumgebung prägte massiv die technischen Anforderungen an die Gestaltung der Anschlüsse, wichtige zu nennende Anforderungen sind:

Universalität: An jedem Kommunikationsanschluss soll jede Form von Kommunikationstechnik durch einfaches Umrangieren möglich sein. Die Art und Weise, wie verschiedene Kommunikationsanwendungen gewechselt werden, hat sich durch die massive Durchdringung von framebasierenden Kommunikationstechniken in den letzten 20 Jahren verändert. Bei leitungsgebundener Kommunikation überwiegt deutlich das Ethernet-Zugangsverfahren. Der unumschränkte Einsatz von Ethernet-Techniken bis zum Arbeitsplatz stellt derzeit „das“ Maß der Universalität dar. Es bestimmt die übertragungstechnischen Qualitäten des Kommunikationsanschlusses.

Nutzungszeitraum: Bei der Bewertung des mittel- und insbesondere langfristigen Nutzbarkeitszeitraumes einer Verkabelung ist eine spekulative Betrachtung nicht vermeidbar. Natürlich garantiert eine „universelle Verkabelung“ eine hohe Vielseitigkeit und damit einen großen Nutzbarkeitszeitraum. Die Nutzungseigenschaften und damit der Nutzungszeitraum eines Übertragungsmediums orientieren sich nicht nur an den elektrotechnischen Eigenschaften des Mediums (Datenübertragung und Stromübertragung). Vielmehr spielt – und dies wird ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung der digitalisierten Decke werden – auch die ausreichende Anzahl an Anschlüssen bei der Nachhaltigkeitsbewertung einer Kommunikationsverkabelung eine Rolle (siehe Erläuterung dazu später).

Installationsfreundlichkeit: Die Installationsfreundlichkeit hat aus der Sichtweise des Nutzers der Verkabelung zunächst eine untergeordnete Rolle, sie ist relevant für den Planer bei der Erstinstallation, dort verursacht sie höhere Investitionskosten. Ein System darf in einem vereinfachten Ansatz als „installationsfreundlich“ bezeichnet werden, wenn es „günstig“ ist.

Betriebsfreundlichkeit: Bei der Betrachtung einer „betriebsfreundlichen“ Kommunikationsverkabelung sind Anforderungen zu nennen, die primär in Zusammenhang mit der Fehleranfälligkeit und der Fehlerbehebbarkeit sowie den Erweiterungsmöglichkeiten zu sehen sind. Beispielsweise ist eine Anschlussschnur (bestehend aus Anschlusskabel und Stecker) zwar nicht Gegenstand der festen Verkabelung, hat aber erfahrungsgemäß einen großen Einfluss auf die Übertragungsqualität der zu nutzenden Strecke. Weitere Vorteile im Betrieb entstehen durch Nutzbarkeit von elektronischen Komponenten, die eine lange Lebensdauer haben. Werden beispielsweise Switches o.ä. unter ungünstigen thermischen Rahmenbedingungen montiert, so ist mit einer höheren Ausfallrate zu rechnen; dies war viele Jahre der Nachteil von Kanaleinbau-Switches zum Aufbau einer Fiber-to-the-Office-Verkabelung.

Ausreichende Anzahl: Mit den ersten Normierungen wurde neben den technischen Spezifikationen die Idee einer „flächendeckenden, strukturierten Verkabelung“ als Planungsansatz für alle modernen (Büro-)Gebäude eingeführt. Dies bedeutet, dass bei der Planung unter Berücksichtigung der oben genannten Anforderungen eine Verkabelung in einem Gebäude vorgesehen wird, die in einem Nutzungszeitraum von mindestens 10 Jahren weder in größerem Maße verändert noch erweitert werden muss. Konkret wären also alle Räume mit potenziell möglichen Office-Arbeitsplätzen oder Geräten ausreichend „vorzuverkabeln“.

Lösungen der klassischen Verkabelung im Detail

Nachdem nun die Grundanforderungen genannt sind, ist es im nächsten Schritt notwendig, anhand von Beispielen konkrete technische Lösungen für klassische Verkabelungen zu beschreiben, die aus diesen Grundanforderungen resultieren bzw. sich in den letzten Jahren so entwickelt haben.

Tabelle 1: Übersicht der im Tertiärbereich relevanten, kupferbasierenden Ethernet-Techniken

Die Grundanforderung der „Universalität“ und „Nachhaltigkeit“ führt durch die mögliche Steigerung der Datenraten und des Bedarfs nach Stromübertragung im Office-Umfeld dazu, dass sich technische Lösungen für die Tertiärverkabelung (Verkabelung zwischen Etagenverteiler und Endgerät) mit Übertragungsqualitäten der Klasse EA etabliert haben. Ferner werden bei der Planung weitestgehend Maximallängen von 90 m bis 110 m für den Permanent-Link eingehalten. Damit bleibt aktuell die maximal mögliche Datenrate für derartige Distanzen auf 10 Gbit/s beschränkt. Da aus Sicht des Autors kein Bedarf nach einer höheren, flächendeckend benötigten Datenrate auch nur ansatzweise absehbar ist, können die Anforderungen, die sich bei einer Nutzbarkeit der normierten Datenrate von 25 oder 40 Gbit/s ergeben würden, ignoriert werden. Es wäre ohnehin kaum vorstellbar, wie mit den deutlich verkürzten Maximallängen von weniger als 50 m eine wirtschaftliche Kommunikationsverkabelung in einem Gebäude realisiert werden könnte. (siehe Tabelle 1)

Eine Selbstverständlichkeit ist der Abschluss der Tertiärstrecke mit einem RJ45-Anschluss (auf Glasfaser basierende Lösungen werden in diesem Artikel nicht betrachtet), montiert in einer Datendose. Diese Selbstverständlichkeit hat folgende Gründe:

  1. Es wird davon ausgegangen, dass an diesen Port Geräte angeschlossen werden, die ebenfalls einen RJ45-Port haben und damit durch Verwendung von Anschlussschnüren mit RJ45 an beiden Enden den Betrieb vereinfachen.
  2. Unter der Annahme, dass dieser Anschluss mehr oder weniger häufig gewechselt wird, bedingt durch Umzüge, Austausch von IT-Geräten o.ä. wird der Betrieb einfacher, wenn die RJ45-Buchse in einem festen Gehäuse fixiert wird. Das lose Ende eines Twisted-Pair-Kabels mit angeschlossener RJ45-Buchse wäre unpraktisch; würde aber übertragungstechnisch denselben Zweck erfüllen.

Selbst bei einem Anschluss für einen Access-Point, bei dem vermutlich kaum der zweite genannte Grund von Bedeutung ist, erfolgt die technische Lösung exakt wie am Arbeitsplatz; eine Dose wird verwendet.

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass

  • die bisherigen technischen Lösungen weitestgehend etabliert und ähnlich sind,
  • die technischen Lösungen wenig innovativ sind (trotz der intensiven Diskussionen zum Thema Power over Ethernet gab es auch hier keinen nennenswerten Einfluss auf die Lösungen),
  • die Anforderungen beim Neubau von Bürogebäuden berücksichtigt und ähnlich umgesetzt werden.

Deutlich komplexer sind die Lösungen, mit denen man für eine ausreichende Anzahl an Anschlüssen sorgen muss. Folgende „Probleme“ müssen gelöst werden:

  • Es muss eine Prognose getroffen werden, wie viele LAN-Anschlüsse im Nutzungszeitraum leitungs-(draht-)gebunden sein werden und wie viele WLAN-basierend. Aktuell ist eine klare Tendenz zur „bequemeren“, funkbasierenden Technik zu erkennen, damit nimmt theoretisch die Anzahl der Leitungen ab. Sehr viele Planungen sehen „nur noch“ maximal 2 Anschlüsse pro Arbeitsplatz vor, erste „mutige“ Planungen gar nur einen Anschluss, um wenigstens PoE sicherstellen zu können.
  • Starre Arbeitsplatzlösungen sind nicht immer der Standard, viel mehr häufen sich Konzepte, bei denen die Mitarbeiter nur temporär in einem Flächenbereich oder gar an einem Platz sitzen werden. Häufige Umzüge im Gebäude oder zumindest im Raum dürfen zu keinen aufwendigen Nachverkabelungen führen, man muss frühzeitig in der Planung voraussehen, wo welche Dichte an Leitungen benötigt wird. Das ist im Prinzip nur mit einer „Überversorgung“ von Anschlüssen sicher abzudecken.

Abbildung 1: Teilelemente bei Einsatz eines Sammelpunktes nach EN 50173

Ein immer häufiger eingesetztes Element ist der Sammelpunkt, auch unter dem Begriff „Consolidation Point“ bekannt: Der Einsatz von Sammelpunkten (nachfolgend mit SP abgekürzt) bzw. Consolidation Points soll gemäß EN 50173-1 dem Nutzer die Möglichkeit geben, längere Anschlussschnüre vorzusehen, diese sind ohne SP auf üblicherweise maximal 5 Meter begrenzt. Der SP stellt einen Verteilerpunkt dar, der keine aktiven Komponenten beinhaltet, sondern lediglich Buchsen, welche die dauerhaft festinstallierten Tertiärkabel (nach EN „Stammkabel“ genannt) abschließen. In die Buchsen werden Stecker gesteckt, die an nicht dauerhaft verlegte Kabel angeschlossen werden (Sammelpunkt-Kabel). Diese Kabel werden zu einer Anschlussdose bzw. der darin befindlichen Anschlussbuchse (Teilnehmeranschlusseinheit TA) geführt. (siehe Abbildung 1)

Achtung, es gibt bei sehr vielen Planungen ein Missverständnis bzw. eine Fehldeutung: Das Teilelement oder der Begriff Sammelpunkt wird dort auch dann verwendet, wenn zwischen Sammelpunkt und Endgerät keine Buchse/Dose mehr geplant wird. Dies ist im Sinne der Norm falsch!

Für den Nutzer sind die SPe „unsichtbare“ Teile der IT-Verkabelung, die für den Betrieb im Regelfall nicht zugänglich sein müssen; erst bei größeren Umzügen mit Veränderungen der TA ist eine Zugänglichkeit erforderlich. (siehe Abbildung 2)

Abbildung 2: Sammelpunkt
(Beispiel Leoni Kerpen GmbH)

Grundidee einer digitalen Decke

Mit dem Aufbau einer „traditionellen“ Kommunikationsverkabelung wird die deutliche Mehrzahl der Dosen auf einer Höhe von 0 bis ca. 120 cm montiert werden, also im Prinzip unterhalb der Kopfhöhe. Warum benötigt man zusätzlich zu den Anschlüssen für Access Points weitere Kommunikationsanschlüsse in Deckenhöhe, warum benötigt man ein Netzwerk dort?

Grund dafür ist die zunehmende Digitalisierung des Gebäudes, denn moderne Gebäude stecken heute voller Elektronik, Sensoren/Aktoren und verschiedenster Steuerungen. Um sie intelligent steuern und nutzen zu können, müssen diese Elemente miteinander vernetzt und in ein digitalisiertes Gebäudeleitsystem eingebunden werden. Die meisten Sensoren/Aktoren befinden sich in den Büroflächen im Deckenbereich. Zum einen liegt das daran, dass sie genau dort Ihren Einsatzzweck haben (klassisch: Beleuchtung, Belüftung, Kühlung) oder auch dort am elegantesten „versteckt“ werden können. Bisher war/ist es so, dass die Komponenten der Gebäudeleittechnik in der Regel über eigenständige Bussysteme und Protokolle vernetzt (KNX, DALI, SMI Bus o.ä.) und lediglich Gesamtanlagen oder größere Teile der Anlage als Ganzes an das Netzwerk angeschlossen werden. Dies wird sich ändern, die einzelnen IT-Elemente der Gebäudeautomation werden zunehmend über eine WLAN- oder Ethernet-Schnittstelle miteinander kommunizieren. (siehe Abbildung 3)

Abbildung 3: Netzwerk-Endgeräte und Verkabelung im Deckenbereich (Bild nach CommScope)

Anforderungen an eine Kommunikationsverkabelung Im Deckenbereich

Zur Vereinfachung der Begrifflichkeiten beziehen wir uns im Artikel auf die Norm EN 50173-6, die Teilelemente zum Aufbau einer Verkabelung für allgemeine Anschlüsse der Gebäudeleittechnik definiert, anschaulich dargestellt im Bild Übertragungsstrecke nach EN 50173-6:

Kurze Erläuterung zum Bild: Die Verteilerkomponenten (Rangierfelder, Switches etc.) befinden sich in Räumen mit der Funktion Diensteverteiler DV. Die aktiven Geräte werden bezeichnet als ASG („anwendungsspezifische Übertragungseinrichtung“ = Switches) und EE (= Endgeräte). Ein optionaler Sammelpunkt heißt in der Norm „Dienstekonzentrationspunkt“ DKP und jede Steckverbindung wird mit „V“ abgekürzt. Im Bild ist die maximal mögliche Anzahl an Steckverbindungen dargestellt. Im Falle von Twisted-Pair mit RJ45 wäre das

  • Steckverbindung am Switch,
  • Steckverbindung an einem Zwischenverteiler im 19“-Schrank (in Deutschland selten eingesetzt, kann aber bei physischer Trennung der Gewerke sinnvoll sein),
  • Steckverbindung am Rangierfeld, auf den das Installationskabel aufgelegt wird,
  • Steckverbindung im optionalen Sammelpunkt DKP,
  • Steckverbindung in der Dose,
  • Steckverbindung im Endgerät.

Von den aufgelisteten Steckverbindungen sind 4 rein passiver Art, deshalb beziehen sich alle Qualitätsanforderungen an Strecken (z.B. Klasse EA) immer auf ein 4-Connector-Model. Die sogenannte „Übertragungsstrecke“ beinhaltet alle passiven Komponenten zwischen dem RJ45-Anschluss des Switches und dem RJ45-Anschluss des Endgerätes, allgemein als Channel-Link bekannt. Die Norm macht keinerlei Vorschriften zur Fixierung der Steckverbindungen, eine Dose ist nicht zwingend notwendig.

Abbildung 4: Übertragungsstrecke nach EN 50173-6

Es gilt, Lösungen zu den verschiedenen Teilelementen zu finden, insbesondere zu denen, die sich in der Nähe des Endgerätes befinden. Zunächst die möglicherweise neuen Anforderungen:

Beginnen wir mit der Datenrate: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sensoren oder Aktoren (welche die große Masse an Ports in einer digitalisierten Decke ausmachen würden) eine hohe Datenrate erfordern, z.B. mehr als 1 Gbit/s? Diese Wahrscheinlichkeit ist sehr klein. Vermutlich würden auch Datenraten von 100 Mbit/s ausreichen. Das hätte den Vorteil, dass auch 2-paarige Lösungen in Betracht gezogen werden könnten, dazu später mehr.

Die Forderung nach PoE nimmt Einfluss auf die Qualität der Kabel und des Steckverbinders, zu diesbezüglichen Details wird auf den Artikel im Insider vom Februar 2018 hingewiesen. Zusammengefasst: Kabel mit AWG22 sowie entsprechende Steckerqualitäten sind zu empfehlen, sie sind marktüblich und somit problemlos einsetzbar. Von weiterer Bedeutung ist in jedem Falle, dass bei PoE mindestens 4 Adern erforderlich sind und bei hoher elektrischer Leistung sogar 8 Adern. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob die Mehrheit der Sensor/Aktor-Anschlüsse 60 Watt und mehr benötigen wird.

Der Nutzbarkeitszeitraum einer Deckenverkabelung sollte groß sein, eine größere Nach- oder Neuverkabelung, insbesondere in geschlossenen Decken, wäre sehr ungünstig und kann nicht akzeptiert werden. Der genau zu kalkulierende Nutzbarkeitszeitraum hängt natürlich von den Nutzungsmöglichkeiten ab, die eine Verkabelung bereitstellt, und damit stark von der benötigten bzw. machbaren Datenrate und Stromübertragung. Doch wie soll man Stand heute eine Prognose erstellen können, in welche Richtung sich beide technischen Anforderungen entwickeln werden?

Ein Rückblick auf die letzten 25 Jahre zeigt, dass man selbst für die IT-Ausstattung des Arbeitsplatzes eher eine konservative Prognose treffen darf:

  • Wer benötigt wirklich und zwingend und flächendeckend 1 Gbit/s und mehr?
  • Wie kann eine Forderung nach noch höheren Datenraten einhergehen mit der zunehmenden Nutzung von WLAN mit deutlich niedrigeren Nettodatenraten?

Es wird prognostiziert, dass in einem Bereich, in dem überwiegend Sensoren und Aktoren vernetzt werden müssen, die übertragungstechnischen Anforderungen ggf. geringer sein werden als am Arbeitsplatz selber. Interessant ist eine bei dem Systemanbieter CommScope zitierte Untersuchung von „John Brehm & Associates“, nach der 86% der Internet-of-Things-Ports pro Monat weniger als 3 MByte an Daten generieren werden. Wie wir später sehen werden, wird diese angenommene niedrige Datenrate einen großen Einfluss auf die „beste“ Lösungsvariante nehmen.

Unter der Annahme, dass kein häufiger und erst recht kein täglicher Anschlusswechsel am Endgerät (im Deckenbereich) gefordert wird, ist eine Dose für jedes Endgerät nicht notwendig (warum sollte nach einer Erstinstallation eine angeschlossene PoE-Leuchte umgesteckt werden?). Der Abschluss der Strecke in einer einfachen Buchse (bei Twisted Pair z.B. eines Keystones) würde völlig reichen. Dies erspart Platz und ermöglicht die Montage von Buchsen in engsten Bereichen.

Die Buchse selber könnte theoretisch auch in Frage gestellt werden, so geschieht das sehr häufig im industriellen Netzwerk-Umfeld: nicht jeder Netzwerk-Port einer Maschine wird über eine Buchsensteckverbindung und über ein Installationskabel mit dem Switch verbunden. Gerade bei sehr kurzen Strecken verwendet man zur Verbindung nur leicht zu verlegende Patchkabel.

Der Nutzbarkeitszeitraum der Verkabelung – betrachtet als Gesamtanlage – wird nicht nur geprägt von den Materialeigenschaften, sondern auch von der ausreichenden Anzahl von Anschlüssen. Auch hier muss zum aktuellen Stand leider wieder die Glaskugel her, um die folgende Frage zu beantworten: Wie viele leitungsgebundene Netzwerkanschlüssen können in einem Nutzungszeitraum von 10-15 Jahren in einer Decke benötigt werden, die man mit einer flächendeckenden, strukturierten Kommunikationsverkabelung bei Neubau des Gebäudes vorsehen muss? Um eine Antwort zu finden bietet es sich an, einen Blick auf die aktuellen Empfehlungen entsprechender Normen zu werfen, konkret die EN 50173-6 in der letzten Überarbeitung. Die beschriebenen Anschlussarten wurden vom Autor in Form einer Tabelle zusammengefasst. Anschlussarten, die nur selten im Deckenbereich eines Raumes zu erwarten sind, wurden nicht erfasst. Es ergibt sich Tabelle 2.

Tabelle 2: Übersicht von GLT/TGA-Ports im Deckenbereich in Anlehnung an EN 51073-6

Schaut man sich die Tabelle 2 an, so wird man sich der hohen Anzahl an potenziellen Kommunikationsanschlüssen bewusst, die in einem typischen Raum gefordert bzw. sinnvoll sein könnten. Sehr schnell kommt man zum Ergebnis, dass eine Kommunikationsverkabelung im Deckenbereich eines modernen, zukunftsorientierten Gebäudes 4 bis 8 Anschlüsse pro Raum haben muss. Das wären dann zusätzliche Anschlüsse zur normalen Arbeitsplatzausstattung, und diese würden grob abgeschätzt mindestens zu einer Verdopplung der Kommunikationsanschlüsse in einem Gebäude führen.

Damit erreichen wir den Punkt, an dem man sich die Frage stellen muss, ob man zur Planung einer solchen Infrastruktur die alten Konzepte beibehalten kann und lediglich eine höhere Menge an Datenkabeln vom Etagenverteiler bis in die Räume vorsehen muss.

Lösungsvarianten

Aus Sicht des Autors wären grundsätzlich 3 Varianten denkbar:

  • Das bisherige Prinzip der Verkabelung von Arbeitsplätzen wird 1:1 übernommen und auf die Decke übertragen: Jeder benötigte Anschluss wird mit einem Tertiärkabel direkt mit einem Etagenverteiler verbunden.
  • Das Sammelpunkt-Prinzip wird angewendet, Sammelpunkte werden in einer ausreichenden Anzahl im Deckenbereich montiert.
  • Es gibt viele aktiven Unterverteiler im Deckenbereich, in denen befindet sich eine Netzwerk-Elektronik (Switch), und daran werden die Sensoren/Aktoren etc. angeschlossen.

Bei allen nachfolgenden Betrachtungen gilt die Annahme, dass Nachverkabelungen im Laufe der nächsten 10-15 Jahre vermieden werden müssen und gleichzeitig eine hohe Anzahl an Netzwerk-Ports im Deckenbereich benötigt wird; ggf. nicht kurzfristig aber mittel- oder langfristig.

Details zu Lösung 1

Zunächst einmal eine Begriffsklarstellung: nach DIN EN 50173 heißt die für TGA/GLT genutzte Verbindung zwischen der Dose und dem Etagenverteiler nicht mehr Tertiärstrecke, sondern Versorgungsbereichstrecke, der dort geplante Anschluss heißt nicht mehr TA (Teilnehmeranschluss), sondern DA (Diensteanschluss); siehe auch ausführlichen Artikel zur EN 51073-6 im Netzwerk-Insider Oktober 2016.

Bei der Lösung 1 werden im Deckenbereich einfach nur zusätzliche Verbindungen in klassischer Technologie vorgesehen: pro Anschluss ein Installationskabel, Dose, RJ45-Buchse, Anschlussschnur. (siehe Abbildung 5)

Abbildung 5: Grundprinzip Lösung 1

Die Lösung 1 würde bedeuten, dass

  • bei Annahme einer hohen Anzahl von benötigten DA im Deckenbereich eine große Menge an Datenkabeln mit großem Kabelvolumen installiert werden muss; mit allen Konsequenzen wie Bau von Schwerlasttrassen, Brandlast, Kabelerwärmung im Bündel etc.,
  • Etagenverteiler EV (bzw. Diensteverteiler nach EN 50173-6) deutlich größer ausfallen müssen, um die benötigte Anzahl an Rangierfeldern unterbringen zu können,
  • mit dem Ziel, PoE auf diese Art zu nutzen, das favorisierte Medium Twisted-Pair sein muss,
  • eine flächendeckende PoE-Versorgung mit maximaler Leistung ausgehend vom IT-Verteiler sehr komfortabel aufgebaut werden kann (USV-Versorgung, Kühlung etc.),
  • zur Realisierung von mindestens 1 Gbit/s jedes Kabel 8-adrig sein muss (Qualität min. Kategorie 5),
  • grundsätzlich eine räumliche Trennung der Netzwerkinfrastruktur von verschiedenen Organisationseinheiten möglich wäre (Büroanschlüsse der IT-Abteilung enden im EV und GLT/TGA-Anschlüsse enden im DV und somit in einem anderen Schrank oder einem anderen Raum).

In Anbetracht der langjährigen Erfahrung des Autors bei der Planung von IT-Verkabelungen ist nur sehr schwer vorstellbar, ein Gebäude für die anstehenden Digitalisierungen so vorzubereiten. Insbesondere, wenn die Aktivierung dieser Zusatzanschlüsse erst mittel- oder langfristig erfolgen würde, fällt die Begründung der zunächst viele Jahre ungenutzte, Anschlüsse und Kabelmengen schwer.

Details zu Lösung 2

Die Grundidee sieht vor, dass bevorzugt Twisted-Pair als Medium des Stammkabels (siehe Abbildung 5) genutzt wird. Dabei würde der Einsatz von Stammkabeln, die im Gesamtvolumen gleich oder ähnlich wären wie die vergleichbare Anzahl von Einzelkabeln, keinen wirklichen Vorteil zu Lösung 1 bringen. Es muss abgewogen werden, ob eine grundsätzliche Forderung nach einer minimalen Datenrate von 1 Gbit/s am Sensor/Aktor sinnvoll ist. Falls „nein“ besteht die Möglichkeit, eine geringere Anzahl von Adern zu jedem Anschluss zu bringen.

Grundsätzlich werden alle Anschlüsse der 8-adrigen Stammkabel in Sammelpunkten montiert. Vom Sammelpunkt aus können dann flexible, dünnere Twisted-Pair-Kabel (nach Norm „Sammelpunktschnur“) zum Endgerät verlegt werden, entweder

  • mit einem Abschluss in einer Buchse bzw. Dose, an welches wiederum eine Anschlussschnur gesteckt werden würde (dies ist die normgerechte Funktion des Sammelpunktprinzips),
  • oder mit einem Abschluss in einem Stecker, der direkt in das Endgerät gesteckt werden könnte (das wäre dann kein Sammelpunktprinzip mehr!).

Technisch sinnvoll wäre nur die 2. Abschlussvariante (welchen Sinn würde die zusätzliche Dose machen?). Damit wäre der Konzentrationspunkt gemäß der Norm kein Sammelpunkt mehr, sondern lediglich eine Mehrfachdose. Da es in der Norm keine begriffliche Differenzierung gibt, behalten wir bei unseren weiteren Betrachtungen den (nicht korrekten) Begriff des Sammelpunktes bei.

Abbildung 6: Grundprinzip Lösung 2

Diese Idee würde das in den 90er-Jahren sehr verbreitete Cable-Sharing zurückbringen und bezüglich der Anschlusstechnik klare Vorteile für Mehrkammersysteme wie z.B. den Tera-Stecker oder ähnliche. Gehäuse mit der Funktion eines Sammelpunktes gibt es in vielen unterschiedlichen Formen auf dem Markt, viele davon sind gut geeignet zur Montage im Deckenbereich.

Beispielszenario: Unter der Annahme, dass in einem Standard-Raum 8 Netzwerkelemente (Sensoren/Aktoren) über jeweils nur 4 Adern im Deckenbereich angeschlossen werden sollen, würde es ausreichen, 4 Stammkabel mit je 8 Adern zu verlegen. Es ergibt sich eine Reduzierung der Menge und des Volumens um 50%. Geht man noch weiter und reduziert die benötigte Anzahl auf 2 Adern pro Netzwerkanschluss, würde im selben Raum 2 Stammkabel mit 8 Adern ausreichen, eine weitere Reduzierung um 50% (siehe Abbildung 6).

Natürlich hätte die Beschränkung auf maximal 2 Adern pro Anschluss gravierenden Einfluss auf die Nutzbarkeit. Stand heute wäre Ethernet nicht möglich; darauf gehen wir bei der Betrachtung von Single Pair Ethernet später im Artikel noch ein.

Grundsätzlich setzt aber jede Sammelpunktlösung voraus, dass eine sehr gute Zugänglichkeit zum Sammelpunktgehäuse sichergestellt wird. Bezogen auf den Einsatz im Deckenbereich hätte eine offene Decke einen klaren Vorteil, bei geschlossenen Decken muss ein Revisionszugang vorhanden sein (Klappe oder abnehmbare Paneele). Ist das nicht gegeben, kommt Lösung 2 nicht in Frage.

Details zu Lösung 3

Bei dieser Lösung wird in jedem Raum bzw. in jeder Raumgruppe ein aktiver, kleiner Verteiler geplant, bei dem

  • ein Netzwerk-Switch montiert und an 230-Volt-Stromversorgung angeschlossen wird,
  • ein Uplink-Kabel zum nächstgelegenen Etagenverteiler verlegt wird, dies kann LWL oder Twisted-Pair sein (ggf. kann aus Redundanzgründen ein 2. Uplink vorgesehen werden),
  • mehrere Twisted-Pair-Kabel zwischen Switch und Sensoren/Aktoren verlegt und in beide eingesteckt werden (bevorzugt werden es Patchkabel sein, keine Installationskabel).

Abbildung 7: Grundprinzip Lösung 3

Der Switch muss spezielle Eigenschaften haben um sinnvoll eingesetzt werden zu können:

  • Lüfterlos (leise) und somit ausgestattet mit Kühltechniken wie z.B. Kühlrippen
  • Montierbar ohne 19“-Technik
  • PoE-Ports (je nach Anwendung ggf. mit hoher Sendeleistung)

Dieser Typ von Switch ist nicht neu, häufig werden diese im Produktionsumfeld eingesetzt. Bekannte Hersteller für den industriellen Einsatz sind z.B. Hirschmann, Harting, Phoenix, Siemens, microsens, aber auch Cisco. Letztere bietet sogar einen speziellen Switch für die Umgebung von digitalisierten Decken bzw. Umgebungen der Gebäudeleittechnik. Im Prinzip denkbar wäre auch der Einsatz von Kanaleinbau-Switches, wie sie bei Fiber-to-the-Office-Lösungen in Frage kommen. (siehe Abbildung 8)

Da zum aktiven Verteiler keine Stromübertragung über die Datenleitung erfolgt (der Switch wird über 230 V versorgt) ist Twisted-Pair nicht notwendig. Glasfaser als Alternative bringt viele Vorteile mit sich:

  • LWL-Kabel können auch auf Trassen mit Starkstrom verlegt werden,
  • Größere Kabellängen sind möglich (z.B. 10 Gbit/s über OM4 bis max. 400 m),
  • Redundante Anbindungen z.B. an verschiedene Etagenverteiler lassen sich bei größeren Kabellängen deutlich einfacher realisieren,
  • deutlich geringeres Kabelvolumen als Twisted-Pair.

Es darf aber nicht vergessen werden, dass die Glasfaser-Ethernet-Ports der Switches im Etagenverteiler deutlich teurer sind als RJ45-Ports, dies war und ist ein entscheidender Nachteil von Glasfaserlösungen und hat z.B. die Akzeptanz von Fiber-to-the-Office bisher in Grenzen gehalten.

Abbildung 8: Cisco-Switch CDP

Die Verbindungen zwischen Switch und Endgeräten könnten sehr einfach mit Anschlussschnüren, bestehend aus Twisted-Pair-Kabeln (flexible Litzenader, AWG26) und RJ45 an beiden Enden realisiert werden. Die Verlegung eines dickeren Installationskabels würde gerade bei kurzen Strecken (unter 25 m) keinen Sinn ergeben. Diese Anschlussschnüre hätten zusätzlich den Vorteil, dass man bei einem Defekt sehr schnell und einfach Ersatz finden würde. Ein Einmessen wäre nicht zwingend notwendig. Einige Anbieter von Verkabelungslösungen setzen weiterhin darauf, ein Flex-Kabel von der Kabelrolle mit genau passender Länge zu verlegen und im Feld (= vor Ort) dann beide RJ45-Stecker zu montieren. Begründet wird dies damit, dass die Verwendung von Standard-Patchkabellängen (z.B. 1m/2m/5m/10m etc.) zumeist nicht den gewünschten Erfolg bringt, entweder sind sie bei der Verlegung zu kurz oder zu lang. Legt man Wert auf höhere mechanische Qualitäten, können robustere Kabel mit PUR-Mantel in die Auswahl genommen werden. Auch diese Typen sind im industriellen Umfeld keine Seltenheit (z.B. Schleppkettenkabel).

Auch bei der Lösung 3 ist wie bei Lösung 2 eine gute Zugänglichkeit zum „Unterverteiler“ Voraussetzung. Dieser sollte sogar besser zugänglich sein, da aktive Komponenten in der Regel wartungsintensiver sind als reine passive Sammelpunkte.

Single Pair Ethernet

Wie gesehen würde durch eine Reduzierung der Aderanzahl pro aktiven Kommunikationsanschluss die Verkabelung für alle zu vernetzenden Geräte im Umfeld der Gebäudeleitechnik erheblich vereinfacht. Gelänge es zusätzlich, die bei Kupfer sehr „hinderliche“ Längenrestriktion von ca. 100 m deutlich zu verlängern, könnte die Einführung von „vernetzter Gebäudeleittechnik“ wesentlich beschleunigt werden. Viele Probleme bei der Planung der Verkabelung würden entfallen.

Tabelle 3: Entwicklungen der IEEE zu SPE

Genau hier setzen Normierungsbestrebungen an, die zu neuen Technologien mit den oben genannten Vorteilen führen: weniger Adern und längere Kabel. Aktuell sind folgende Ideen zur Realisierung von 2-Draht-Lösungen Gegenstand der IEEE 802.3. (siehe Tabelle 3)

Direkt erkennbar: Eine Renaissance der klassischen, in jedem Gebäude vorhandenen 2-Draht-Verkabelung (auch als I(ST)Y-Verkabelung bekannt), kann ausgeschlossen werden. Die Anforderungen an die Bandbreite der Kabel sind zu hoch. Deshalb gibt es zu allen Normierungstätigkeiten der IEEE parallel die Ausarbeitung von neuen Kabelstandards im IEC-Komitee SC 46C. Konkret sollen 4 neue Standards für SPE-Leitungen in der IEC 61156-11/-12/-13/-14 für feste und flexible Verlegung erarbeitet werden. Die Veröffentlichungen sind für Mitte und Ende 2020 geplant.

Eine reine Betrachtung der Datenübertragung ergibt wenig Sinn, denn nur mit einer Ferneinspeisung analog zu PoE kann eine Akzeptanz von SPE sichergestellt werden. Bestrebungen des IEEE endeten 2016 im Standard IEEE 802.3bu (andere Bezeichnung: PoDL bzw. Power over Dataline). PoDL und PoE sind nicht kompatibel zueinander. Bei PoDL wird mit einem noch höheren Strom pro Paar gerechnet, bis zu 1,36 Ampere. Eine Spannung von bis zu 60 Volt soll bis zu 50 Watt Empfangsleistung (ca. 60 Watt Sendeleistung) möglich machen. Damit wären Kat.-7-Kabel in einer Cable-Sharing-Nutzung nicht mehr universell geeignet, und der Aderdurchmesser muss bei den neuen Typen deutlich dicker sein, aktuelle Normierung:

  • Installationskabel nach IEC 61156-11 (600 MHz): AWG22
  • Installationskabel nach IEC 61156-13 (20 MHz): AWG16
  • Patchkabel nach IEC 61156-12 (600 MHz): AWG26
  • Patchkabel nach IEC 61156-14 (20 MHz): AWG20

Das IEC-Gremium IEC 63171-1 hat zwei 2-Paar-Steckverbinder normiert. Einer kommt vom Hersteller CommScope (IEC 63171-1) und der andere vom Hersteller Harting (IEC 63171-6). Diese sind nicht kompatibel zueinander. Beide sind nach IEEE zulässig. Der Harting-Stecker soll das bevorzugte System in einer „rauen“ Einsatzumgebung sein (sogenannte MICE2- oder MICE3-Umgebung), der LC-ähnliche CommScope-Stecker eher in Standard-Umgebungen (MICE1-Umgebung). (siehe Abbildung 9)

Abbildung 9: Single Point Ethernet-Stecker (links Harting, rechts Commscope)

Bei all den Überlegungen ist festzuhalten, dass die Vorgaben an die erforderliche Messtechnik aufgrund der fehlenden Standards natürlich noch nicht spezifiziert werden können. Selbst bei Verfügbarkeit von standardisierten Produkten wäre heute eine messtechnische Überprüfung der Verkabelung nicht möglich.

Fazit

Alle aktuell verfügbaren Technologien sowie die in den Startlöchern stehenden neuen technischen Möglichkeiten lassen die Prognose zu, dass die Digitalisierung der Gebäude, insbesondere die Digitalisierung der Decken in Büroräumen nicht dazu führen wird, dieselbe Technik wie am Arbeitsplatz zu verwenden. Für die Digitalisierung werden wohl keine zentral in Etagenverteilern stehenden Switches eingesetzt, an welche alle IoT-Endgeräte mit langen, extrem hochperformanten Tertiärkabeln angeschlossen werden. Zur Einsparung dieser langen und dicken Kabel ist eine Dezentralisierung der aktiven Netzwerktechnik zu erwarten. Immer dann, wenn eine hohe Portdichte auf einer kleinen Fläche wie z.B. in einem Büro benötigt wird, „wandert“ die elektronische Komponente in diesen Bereich. Sie muss entsprechend montiert werden können, wird dort mit 230-Volt-Strom versorgt und schließt über kurze, einfach zu verlegende Kabeltypen die Endgeräte an das Netzwerk an. Demzufolge ist bei einem Gebäude der Zukunft eine strukturierte, flächendeckende Deckenvorverkabelung mit wenigen Leitungen zwischen Etagenverteiler und Raum zusätzlich zur „WLAN-Verkabelung“ empfehlenswert. Die letzten Meter zum IoT-Gerät können zunächst vernachlässigt bzw. müssen nicht verlegt werden. Erst bei konkretem Einsatz von dort benötigten Sensor/Aktor- oder anderen IoT-Geräten erfolgt eine bedarfsorientierte Verkabelung, je nach Lösung vom Sammelpunkt oder Decken-Switch aus. Die diesbezüglich sich weiterentwickelnden Standards sind abzuwarten. Vermutlich wird es zu Normierungen von Übertragungstechniken mit geringeren Datenraten aber höheren Kabellängen kommen, die eine „sanfte“ Migration deutlich vereinfachen werden.

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