aus dem Netzwerk Insider März 2026
Weshalb ein Security Operations Center (SOC) heute eine entscheidende Rolle im Security Monitoring spielt
Cyberangriffe werden schneller, gezielter und zunehmend professionell orchestriert. Für Unternehmen bedeutet das: Sicherheitsvorfälle können jederzeit auftreten, unabhängig von Branche oder Größe. Gleichzeitig sind moderne IT-Landschaften hochdynamisch und verteilen sich über On-Premises-Systeme, Cloud-Services und mobile Arbeitsumgebungen. Dadurch steigt die Menge sicherheitsrelevanter Daten stetig, und die Anforderungen an eine zuverlässige Überwachung wachsen weiter.
Um potenzielle Angriffe rechtzeitig zu erkennen, braucht es ein kontinuierliches und strukturiertes Security Monitoring. Bereits in meinem zuletzt veröffentlichten Blog habe ich aufgezeigt, warum der Mensch und die Technik für ein Security Operations Center (SOC) und automatisiertes Security Monitoring zusammengehören. Doch der Betrieb eines SOC stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Neben technologischen Fragen stehen vor allem Ressourcen, Fachkräftemangel und die Verfügbarkeit von Spezialwissen im Fokus. Viele Organisationen merken schnell: Ein SOC „nebenbei“ aufzubauen und zu betreiben ist kaum möglich – es erfordert klare Verantwortlichkeiten, Prozesse, Expertise und 24/7-Überwachungskapazitäten.
Damit rückt die Frage nach dem passenden SOC-Modell in den Mittelpunkt. Soll das SOC intern aufgebaut werden, um Wissen und Kontrolle in der Organisation zu halten? Ist ein externes Managed SOC sinnvoll, das rund um die Uhr professionelle Überwachung bietet? Oder empfiehlt sich ein hybrider Ansatz, der die Stärken beider Modelle kombiniert? Jede Variante hat spezifische Vorteile, Risiken und organisatorische Implikationen. Die Wahl des richtigen Modells entscheidet letztlich darüber, wie effektiv Sicherheitsvorfälle erkannt, bewertet und bewältigt werden.
Was ein SOC leistet – Funktionen, Prozesse und Rollen
Kernaufgaben des SOC
Das SOC ist eine zentrale Instanz des Security Monitoring zur Überwachung, Analyse und Steuerung von sicherheitsrelevanten Ereignissen im Unternehmen. Hier laufen die Meldungen zusammen, die von Systemen zur Angriffserkennung sowie von anderen Monitoring-Tools erkannt wurden.
Das SOC-Team, bestehend aus spezialisierten Security-Analysten mit unterschiedlichen Erfahrungsstufen, steuert gemeinsam mit den unterstützenden Systemen die Erkennung und Behebung von Sicherheitsvorfällen. Es prüft die gemeldeten sicherheitsrelevanten Ereignisse, ordnet diese ein und leitet bei Bedarf Sofortmaßnahmen ein. Ein weiterer zentraler Aufgabenbereich ist die systematische Analyse wiederkehrender Muster und Schwachstellen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und präventive Maßnahmen umzusetzen.
Darüber hinaus dokumentiert das SOC Vorfälle und leitet daraus „Lessons Learned“ ab, um die Sicherheitsstrategie des Unternehmens kontinuierlich zu verbessern. Durch diese Kernaufgaben bildet das SOC die Brücke zwischen technischer Überwachung und strategischer Entscheidungsfindung und stellt zudem sicher, dass Bedrohungen rechtzeitig erkannt, bewertet und angemessen behandelt werden.
Technische Basis eines SOC
Die Effektivität eines SOC basiert maßgeblich auf leistungsfähigen technischen Systemen, die die Security-Analysten bei ihrer Arbeit unterstützen. Als zentrales System gilt das SIEM (Security Information and Event Management), das Ereignisse aus unterschiedlichen Quellen sammelt, korreliert und in Echtzeit analysiert. Ergänzend werden häufig Log-Management-Tools, Intrusion-Detection-/Prevention-Systeme (IDS/IPS) und weitere Monitoring-Tools eingesetzt, die Netzwerk-, Server- und Anwendungsaktivitäten kontinuierlich überwachen. Unterstützt durch KI- und Machine-Learning-gestützte Analysen lassen sich Muster schneller erkennen und Anomalien proaktiv identifizieren.
Ein weiteres wichtiges Werkzeug ist das Schwachstellen-Register, das systematisch bekannte Sicherheitslücken und Risikopotenziale in der IT-Infrastruktur des Unternehmens erfasst. Durch seine Integration in die SOC-Prozesse können Risiken frühzeitig erkannt, priorisiert und präventive Maßnahmen geplant werden.
Darüber hinaus gewinnen SOAR-Systeme (Security Orchestration, Automation and Response) zunehmend an Bedeutung, da sie automatisierte Reaktionen auf erkannte Sicherheitsvorfälle ermöglichen und wiederkehrende Aufgaben effizient unterstützen. Diese technische Basis bildet somit das Rückgrat des SOC: Sie liefert die Daten und Analysen, auf deren Grundlage die menschliche Expertise gezielt Entscheidungen treffen kann.
Menschen im SOC – Rollen und Skills
Die technische Basis allein reicht nicht aus, um ein SOC effektiv zu betreiben – entscheidend ist die Expertise der Security-Analysten innerhalb des SOC-Teams, die die gesammelten Daten interpretieren, priorisieren und in konkrete Maßnahmen überführen. Ein SOC-Team besteht in der Regel aus Analysten verschiedener Erfahrungsstufen, die gemeinsam die Überwachung, Analyse und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle steuern. Typischerweise gliedert sich das Team in drei Erfahrungsstufen:
- Security-Analyst Level 1
Kontrolle der Dashboards der Security-Monitoring-Tools, Analyse der aktuellen Bedrohungslage, Ersteinschätzung bei Vorfällen und Anomalien sowie Eskalation an Security-Analyst Level 2
- Security-Analyst Level 2
Analyse und Priorisierung von Vorfällen, zusätzliche Einschätzungen, Empfehlung zur Behandlung von wiederkehrenden Standard-Vorfällen, Anpassung des Regelwerks. Schwachstellenanalyse sowie Eskalation an Security-Analyst Level 3
- Security-Analyst Level 3
Analyse von komplexen Vorfällen, Durchführung von ggf. erforderlichen intensiven, tiefergehenden Analysen, Durchführung von ergänzenden und regelmäßigen proaktiven Analysen
Zu den zentralen Aufgaben der Security-Analysten gehören das Bewerten von Alarmeingängen, das Erkennen von Mustern und Angriffsmethoden, die Durchführung forensischer Analysen und die Ableitung präventiver Maßnahmen. Besonders wichtig ist die Fähigkeit, technische Informationen in den unternehmensspezifischen Kontext einzuordnen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Neben den klassischen Security-Analysten nehmen oft Incident-Responder, Threat-Hunter, Security-Architekten und SOC-Leiter spezialisierte Rollen innerhalb des Teams ein. Diese Rollen erfordern ein breites Skillset, das sowohl technische Kenntnisse in Netzen, Systemen und Sicherheits-Tools als auch analytisches Denken und Kommunikationsfähigkeit umfasst.
Die Kombination aus menschlicher Expertise und technischer Unterstützung macht das SOC zu einem zentralen Bestandteil der Unternehmenssicherheit. Während Security-Monitoring-Tools wie SIEM, SOAR oder KI-gestützte Analysewerkzeuge die Daten bereitstellen, sorgt das SOC-Team dafür, dass diese Informationen kontextualisiert, priorisiert und in handlungsrelevante Entscheidungen umgesetzt werden. Nur so lässt sich ein umfassendes Lagebild erstellen, das sowohl akute Bedrohungen adressiert als auch langfristige Sicherheitsstrategien unterstützt.
Internes SOC – volle Kontrolle, hoher Aufwand
Beim internen SOC liegt die operative Verantwortung für das Security Monitoring vollständig im eigenen Unternehmen. Die Überwachung, Analyse und Reaktion auf sicherheitsrelevante Ereignisse erfolgt durch ein internes SOC-Team, das eng mit den bestehenden IT- und Geschäftsstrukturen zusammenarbeitet.
Vorteile
Ein zentraler Vorteil eines internen SOC ist die tiefe Kenntnis der eigenen IT- und Prozesslandschaft. Das interne SOC-Team ist mit den eingesetzten Systemen, typischen Nutzungsmustern und geschäftlichen Abhängigkeiten vertraut und kann somit sicherheitsrelevante Ereignisse präziser einordnen.
Durch die direkten Kommunikationswege und die hohe Entscheidungsfreiheit innerhalb der Organisation lassen sich Vorfälle schnell bewerten und Maßnahmen ohne lange Abstimmungsprozesse einleiten. Dies ist insbesondere bei zeitkritischen Sicherheitsereignissen ein entscheidender Faktor.
Ein internes SOC erleichtert die enge Abstimmung bei der Entwicklung unternehmensspezifischer Regelwerke, die auf die individuellen Risiken und Anforderungen des Unternehmens zugeschnitten sind. Anpassungen an neue Bedrohungslagen oder technische Veränderungen können direkt priorisiert und zeitnah umgesetzt werden, ohne Rücksicht auf externe Vorgaben nehmen zu müssen.
Nicht zuletzt wird das sicherheitsrelevante Know-how dauerhaft im Unternehmen verankert. Erfahrungen aus Vorfällen, Schwachstellenanalysen und Lessons Learned fließen kontinuierlich in Prozesse, Architekturentscheidungen und die Weiterentwicklung der Sicherheitsstrategie ein.
Herausforderungen
Dem hohen Maß an Kontrolle und Individualisierung stehen erhebliche organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen gegenüber. Der Betrieb eines internen SOC ist personalintensiv und erfordert qualifizierte Fachkräfte mit unterschiedlichen Spezialisierungen – ein Bereich, der stark vom Fachkräftemangel betroffen ist.
Insbesondere ein 24/7-Betrieb verursacht hohe Kosten und stellt zusätzliche Anforderungen an das interne SOC-Team, etwa in Bezug auf Schichtmodelle, Rufbereitschaften, Vertretungsregelungen sowie die nachhaltige Wissenssicherung.
Auch die Komplexität der eingesetzten Tools ist eine Herausforderung: Betrieb und Integration von SIEM, SOAR, Endpoint Detection and Response (EDR) sowie weiteren Monitoring- und Analyseplattformen erfordern nicht nur technisches Know-how, sondern auch kontinuierliche Pflege und Optimierung.
Hinzu kommen Beschaffungs- und Betriebsaufwand für Infrastruktur, Lizenzen und Schulungen, der langfristig eingeplant und strategisch gesteuert werden muss.
Für wen geeignet?
Ein internes SOC kann besonders für Organisationen mit hohem Schutzbedarf und komplexer IT-Landschaft geeignet sein, bei denen Sicherheitsvorfälle erhebliche geschäftliche, rechtliche oder regulatorische Auswirkungen haben können. Wer sensible Daten verarbeitet oder geschäftskritische Systeme betreibt, profitiert davon, Sicherheitsereignisse vollständig unter eigener Kontrolle zu analysieren und zu steuern.
Darüber hinaus entscheiden sich stark regulierte Organisationen häufig für ein internes SOC, um Sicherheitsprozesse, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Vorgaben und Rahmenwerke wie ISO/IEC 27001, BSI-IT-Grundschutz, NIS-2 oder sektorspezifische Aufsichtsanforderungen schreiben zwar nicht explizit ein internes SOC vor, verlangen jedoch klare Zuständigkeiten, dokumentierte Prozesse und eine nachweisbare Fähigkeit zur Erkennung und Behandlung von sicherheitsrelevanten Ereignissen. Ein internes SOC unterstützt dabei, diese Anforderungen eng an die eigene Organisation anzupassen und gegenüber Prüfern im Rahmen von regelmäßig durchzuführenden Audits konsistent zu vertreten.
Auch große Unternehmen oder Konzerne mit ausreichenden personellen und finanziellen Ressourcen können von einem internen SOC profitieren, da sie damit Sicherheits-Know-how langfristig aufbauen und weiterentwickeln. Insbesondere dort, wo Sicherheit als strategische Kernkompetenz verstanden wird, ermöglicht ein internes SOC-Team eine tiefe Integration in bestehende Governance-, Risiko- und Compliance-Strukturen sowie kurze Entscheidungswege im Ernstfall.
Externes SOC – Expertise und 24/7-Betrieb als Managed Service
Beim externen SOC wird das Security Monitoring ganz oder weitgehend an einen spezialisierten Dienstleister ausgelagert. Dieser übernimmt den operativen Betrieb des SOC als Managed Service und stellt Überwachung, Analyse sowie Erstreaktion auf sicherheitsrelevante Ereignisse bereit. Grundlage bilden etablierte technische Plattformen wie SIEM, SOAR und ergänzende Detection-Tools, die in die IT-Landschaft der Organisation integriert werden. Das externe SOC agiert dabei als dauerhaft verfügbare Sicherheitsinstanz und arbeitet eng mit den definierten Ansprechpartnern im Unternehmen zusammen.
Vorteile
Ein zentraler Vorteil eines externen SOC liegt in der professionellen Rund-um-die-Uhr-Überwachung. Externe Dienstleister sind organisatorisch und personell darauf ausgelegt, sicherheitsrelevante Ereignisse 24/7 zu analysieren und zeitnah zu bewerten – unabhängig von Urlaubszeiten, Schichtmodellen oder internen Kapazitätsengpässen.
Darüber hinaus profitieren externe SOC-Teams vom Zugriff auf ein breites Expertenwissen. Sie bündeln Erfahrung aus zahlreichen Kundenumgebungen, Branchen und Angriffsszenarien. Dieses Wissen fließt in die kontinuierliche Weiterentwicklung der Regelwerke ein und erhöht die Qualität der Analysen.
Ein weiterer Vorteil ist die hohe Skalierbarkeit bei kurzer Einführungszeit. Da technische Plattformen, Prozesse und Personal bereits vorhanden sind, lässt sich ein externes SOC meist deutlich schneller in Betrieb nehmen als eine interne Lösung. Gleichzeitig kann der Leistungsumfang flexibel an veränderte Anforderungen angepasst werden, etwa bei Wachstum, neuen Geschäftsmodellen oder erhöhter Bedrohungslage.
Nicht zuletzt ermöglicht ein externes SOC die Nutzung bewährter Analysemethoden und standardisierter Reaktionsprozesse, die sich in der Praxis bewährt haben. Für Organisationen mit geringem eigenem Reifegrad im Security Monitoring gewährleistet dies einen schnellen und stabilen Einstieg.
Herausforderungen
Eine der zentralen Herausforderungen liegt im begrenzten Kontextwissen über die individuelle Architektur, Geschäftsprozesse und organisatorischen Besonderheiten des beauftragenden Unternehmens. Selbst bei guter Dokumentation und Übergabe kann externes Personal interne Abläufe, Prioritäten oder Abhängigkeiten nur eingeschränkt erfassen.
Eng damit verbunden ist eine gewisse Abhängigkeit vom externen Dienstleister. Qualität, Reaktionsgeschwindigkeit und Transparenz des Security Monitoring hängen maßgeblich von der Leistungsfähigkeit des Anbieters ab. Eine sorgfältige Auswahl sowie regelmäßige Überprüfung der Zusammenarbeit sind daher essenziell.
Zudem erfordert der Betrieb eines externen SOC klar definierte Schnittstellen, Rollen und Service Level Agreements (SLAs). Ohne eindeutige Verantwortlichkeiten, Eskalationswege und Entscheidungsbefugnisse besteht die Gefahr von Verzögerungen oder Unklarheiten im Incident-Fall.
Insbesondere im Falle von kritischen Sicherheitsvorfällen kann es zu zeitlichen Verzögerungen bei Entscheidungen kommen, wenn interne Ansprechpartner nicht erreichbar sind oder notwendige Freigaben fehlen. Aus diesem Grund bleiben eine enge Koordination und Einbindung des Unternehmens unverzichtbar.
Für wen geeignet?
Ein externes SOC kann für mittelständische und große Unternehmen mit begrenzten personellen Ressourcen geeignet sein, die ein professionelles Security Monitoring benötigen und über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen. Ebenso stellt es für Organisationen ohne eigenes ausreichend aufgestelltes Security-Team eine praktikable Möglichkeit dar, Sicherheitsanforderungen strukturiert abzudecken.
Darüber hinaus kann ein externes SOC für Unternehmen sinnvoll sein, die schnell ein belastbares Sicherheitsniveau aufbauen möchten, etwa im Zuge von Digitalisierungsvorhaben, Cloud-Migrationen oder wachsenden regulatorischen Anforderungen. Auch Organisationen, bei denen Security Monitoring nicht im operativen Kerngeschäft verankert ist, profitieren von der Auslagerung an spezialisierte Anbieter.
Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass ein externes SOC, insbesondere bei einer vollständigen 24/7-Überwachung, mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Unternehmen müssen daher prüfen, ob Umfang der gewünschten Services und Dauer der Überwachung in das Budget passen.
Hybrides SOC – das Beste aus beiden Welten
Ein hybrides SOC kombiniert interne Sicherheitskompetenz durch ein internes SOC-Team mit einem externen SOC-Team und Managed Service und verfolgt damit einen kooperativen Ansatz im Security Monitoring. Ziel ist es, die kontinuierliche Überwachung und Skalierbarkeit des externen SOC-Teams mit dem unternehmensspezifischen Wissen des internen SOC-Teams zu verbinden.
In der Praxis übernimmt das externe SOC-Team häufig die Rund-um-die-Uhr-Überwachung und Vorqualifizierung sicherheitsrelevanter Ereignisse, während das interne Team die weiterführende Analyse, Kontextbewertung und Entscheidungsfindung über durchzuführende Maßnahmen verantwortet. Automatisierte Systeme zur Angriffserkennung bilden dabei die gemeinsame technische Grundlage.
Vorteile
Ein hybrides SOC verbindet interne Sicherheitskompetenz mit der Leistungsfähigkeit externer SOC-Strukturen und schafft so ein ausgewogenes Betriebsmodell. Die geteilte Verantwortung führt zu hoher Effizienz, da das externe SOC die kontinuierliche Überwachung sowie die Vorqualifizierung sicherheitsrelevanter Ereignisse übernimmt, während das interne SOC die Kenntnisse über Systeme, Prozesse und Geschäftsabläufe einbringt. Kritische Ereignisse können durch die vorgelagerte Analyse des externen SOC schneller identifiziert und priorisiert werden, was kurze Reaktionszeiten ermöglicht. Gleichzeitig werden interne Teams spürbar entlastet und können sich stärker auf tiefergehende Analysen, strategische Verbesserungen und Präventionsmaßnahmen konzentrieren.
Ein zentraler Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Erhaltung und gezielten Weiterentwicklung der internen Expertise, anstatt sie vollständig auszulagern. Die Zusammenarbeit mit einem externen SOC ermöglicht es, von etablierten Analyseverfahren und Best Practices zu profitieren, während gleichzeitig internes Know-how aufgebaut und vertieft wird.
Darüber hinaus erlaubt das hybride Modell eine flexible Lastenverteilung, etwa bei erhöhtem Alert-Aufkommen oder in Phasen besonderer Bedrohungslagen. So wird sichergestellt, dass die Sicherheitsüberwachung auch bei schwankender Auslastung stabil und effizient bleibt.
Herausforderungen
Die erfolgreiche Umsetzung eines hybriden SOC erfordert eine enge Abstimmung zwischen internem und externem SOC-Team. Abgestimmte Prozesse und klar definierte Eskalationsregeln sind notwendig, um reibungslose Abläufe sicherzustellen. Ebenso spielt der strukturierte Informationsaustausch eine zentrale Rolle: Nur durch saubere Dokumentation, transparente Übergaben und gemeinsame Reviews entsteht ein konsistentes Lagebild.
Eine besondere Herausforderung liegt zudem in der klaren Rollenabgrenzung. Es muss eindeutig geregelt sein, wer zu welchem Zeitpunkt Entscheidungen trifft und welche Maßnahmen von welchem Team initiiert werden dürfen. Dies gilt insbesondere bei Major Incidents, bei denen klare Verantwortlichkeiten und kurze Entscheidungswege entscheidend für eine wirksame Reaktion sind.
Für wen geeignet?
Der hybride SOC-Ansatz eignet sich besonders für Unternehmen, die bereits über internes Security-Know-how verfügen, dieses jedoch nicht durchgängig oder in allen Spezialbereichen vorhalten können. Häufig betrifft dies die 24/7-Überwachung, den Umgang mit Lastspitzen oder die Analyse komplexer Angriffsszenarien. Durch die Kombination mit externem Managed-SOC-Service lassen sich bestehende Fähigkeiten gezielt ergänzen, ohne Verantwortung und Entscheidungsgewalt vollständig aus der Hand zu geben.
Für Organisationen mit wachsender IT-Landschaft, hybriden Infrastrukturen oder stark schwankender Auslastung bietet der hybride Ansatz ein hohes Maß an Flexibilität. Durch die Einbindung eines externen SOC-Anteils können Engpässe gezielt abgefedert werden, ohne die Kontrolle über sicherheitsrelevante Entscheidungen vollständig aus der Hand zu geben, während interne Teams sich auf spezifische Aufgaben konzentrieren. Dadurch lassen sich Sicherheitsprozesse besser an dynamische Geschäftsanforderungen anpassen, ohne dauerhaft interne Kapazitäten vorhalten zu müssen.
Auch für Unternehmen mit hohen Anforderungen an Governance, Risikomanagement und Compliance ist der hybride Ansatz attraktiv. Er ermöglicht, sicherheitskritische Entscheidungen und Kontextwissen intern zu verankern, während externe Spezialisten bei Überwachung, Analyse und operativer Unterstützung eingebunden werden. So lassen sich regulatorische Anforderungen strukturierter umsetzen und gleichzeitig Qualität und Reaktionsfähigkeit des Security Monitoring erhöhen.
Fazit: Das passende SOC ist eine Frage der Organisation – nicht des Modells
Die Betrachtung der unterschiedlichen SOC-Modelle zeigt deutlich: Ein „richtiges“ oder „falsches“ Betriebsmodell gibt es nicht. Ob intern, extern oder hybrid – jedes Modell bringt spezifische Stärken, doch auch klare Anforderungen und Grenzen mit sich. Entscheidend ist weniger die Wahl eines bestimmten Ansatzes als vielmehr, wie gut das Modell zur Organisation, ihren Prozessen, ihrem Risikoprofil und ihrer Sicherheitsstruktur passt.
Unabhängig vom gewählten Modell wird deutlich, dass wirksames Security Monitoring heute immer auf dem Zusammenspiel von Automatisierung und menschlicher Expertise beruht. Moderne Systeme zur Angriffserkennung liefern Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und eine belastbare Datenbasis. Erst durch die Einordnung, Priorisierung und Bewertung durch SOC-Analysten entsteht daraus ein verlässliches Lagebild, das fundierte Entscheidungen ermöglicht. Technik allein reicht ebenso wenig aus wie reine manuelle Analyse.
Mit Blick auf die Weiterentwicklung von SOC-Strukturen zeichnet sich ein klarer Trend ab: Viele Organisationen bewegen sich in Richtung hybrider Modelle. Sie kombinieren die kontinuierliche Überwachung und Skalierbarkeit externer Leistungen mit dem unternehmensspezifischen Wissen interner Teams. Dieser Ansatz ermöglicht es, Effizienz und Reaktionsfähigkeit zu steigern, ohne die eigene Sicherheitskompetenz aus der Hand zu geben – setzt jedoch klar definierte Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten voraus.
Langfristig sollte die Entscheidung für ein SOC-Modell daher nicht primär von kurzfristigen Kostenüberlegungen bestimmt sein. Wichtiger ist die Fähigkeit, Security Monitoring als dauerhafte, strategische Funktion zu etablieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Denn mit zunehmender Vernetzung, wachsender Angriffsfläche und steigenden regulatorischen Anforderungen wird die Wirksamkeit eines SOC weniger von seiner Organisationsform abhängen, sondern davon, wie konsequent Menschen, Prozesse und Technologie zusammengeführt werden.




