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Spine-Leaf-Architektur im Rechenzentrum – Aufbau, Vorteile und Einsatzbereiche

02.11.26 / Ben Grünbauer

aus dem Netzwerk Insider November 2026

Aktuell beschäftigen wir uns im Rahmen eines Kundenprojekts intensiv mit der Infrastruktur eines bestehenden Rechenzentrums. Ein Teil unserer Arbeiten findet dabei direkt an der vorhandenen Netzwerkinfrastruktur statt. Unter anderem werden ältere Access-Leaf-Switches zurückgebaut. Hintergrund dafür ist, dass Teile der bestehenden Hardware mittlerweile ihr End of Life (EoL) erreicht haben und deshalb ersetzt oder außer Betrieb genommen werden müssen.

Gerade bei solchen Arbeiten bekommt man einen interessanten Einblick in den Aufbau und die Zusammenhänge innerhalb eines Rechenzentrumsnetzwerks. Während ein Switch im laufenden Betrieb häufig als selbstverständlicher Bestandteil der Infrastruktur wahrgenommen wird, wird spätestens beim Austausch deutlich, wie viele Systeme, Verbindungen und Abhängigkeiten dahinterstecken. Bei der Arbeit im Rechenzentrum bin ich unweigerlich auch mit der Spine-Leaf-Architektur in Berührung gekommen. Begriffe wie Access-Leaf, Leaf oder Spine begegnen einem dort nicht nur auf Plänen und in Dokumentationen, sondern als tatsächliche Bestandteile der vorhandenen Infrastruktur. Dadurch habe ich angefangen, mich intensiver mit der Architektur dahinter zu beschäftigen: Welche Aufgabe übernehmen die einzelnen Switches eigentlich? Wie sind sie miteinander verbunden? Und warum wird gerade in Rechenzentren häufig auf eine solche Struktur gesetzt?

Hieraus ist die Idee für diesen Blog entstanden. Denn das grundlegende Prinzip einer Spine-Leaf-Architektur ist zunächst relativ einfach, bringt aber einige Eigenschaften mit sich, die besonders für moderne Rechenzentren interessant sind. Im Folgenden geht es deshalb darum, wie eine Spine-Leaf-Architektur aufgebaut ist, welche Vorteile sie bietet und in welchen Bereichen sie eingesetzt wird.

Aufbau einer Spine-Leaf-Architektur

Das grundlegende Prinzip hinter Spine-Leaf ist zunächst relativ einfach. Die Architektur besteht aus zwei Ebenen: der Spine- sowie der Leaf-Ebene.

Die Leaf-Switches bilden dabei die Ebene, an der beispielsweise Server, Storage-Systeme und weitere Komponenten des Rechenzentrums angebunden werden. Leaf-Switches stellen damit den Zugang zur eigentlichen Netzwerkstruktur bereit. Je nach Aufbau des Rechenzentrums können sich solche Switches direkt in oder in der Nähe der Server-Racks befinden.

Oberhalb der Leaf-Ebene befindet sich die Spine-Ebene. Die dort eingesetzten Spine-Switches bilden das leistungsfähige Rückgrat der Architektur und sorgen dafür, dass die verschiedenen Leaf-Switches miteinander kommunizieren können.

Der entscheidende Punkt liegt allerdings in der Verbindung dieser beiden Ebenen: Jeder Leaf-Switch wird mit jedem Spine-Switch verbunden. Ein Leaf besitzt somit nicht einen einzelnen Weg in das Netzwerk, sondern mehrere mögliche Verbindungen über die vorhandenen Spine-Switches.

Möchte ein Server an einem Leaf mit einem Server an einem anderen Leaf kommunizieren, führt der Weg über einen der Spine-Switches. Vereinfacht sieht der Datenweg damit folgendermaßen aus:

Server → Leaf → Spine → Leaf → Server

In einer klassischen Spine-Leaf-Architektur werden Leaf-Switches grundsätzlich nicht für den regulären Datenverkehr direkt untereinander verbunden. Auch zwischen den Spine-Switches sind innerhalb der eigentlichen Spine-Leaf-Fabric normalerweise keine direkten Verbindungen erforderlich. In der Praxis können jedoch zusätzliche Verbindungen eingesetzt werden, beispielsweise für MLAG. So können jeweils zwei Leaf-Switches sowie zwei Spine-Switches über solche MLAG-Verbindungen miteinander verbunden sein. Ein derart redundanter Aufbau kommt insbesondere in Infrastrukturen zum Einsatz, bei denen eine hohe Verfügbarkeit und die Vermeidung einzelner Ausfallpunkte von besonderer Bedeutung sind.

Genau dieser Punkt wird wichtig, wenn man betrachtet, wie der Datenverkehr in Rechenzentren aufgebaut ist. In klassischen Netzwerken spielt vor allem der sogenannte North-South-Traffic eine große Rolle. Damit ist vereinfacht der Datenverkehr gemeint, der in ein Netzwerk hinein oder aus diesem heraus übertragen wird.

In modernen Rechenzentren findet dagegen ein großer Teil der Kommunikation direkt zwischen den dort betriebenen Systemen statt. Server kommunizieren mit anderen Servern, Anwendungen greifen auf Datenbanken zu, virtuelle Systeme tauschen Daten aus und Storage-Systeme müssen große Datenmengen bereitstellen. Dieser interne Datenverkehr wird als East-West-Traffic bezeichnet.

Und genau für diese Kommunikation bietet die Spine-Leaf-Struktur einen entscheidenden Vorteil: Der Datenverkehr zwischen unterschiedlichen Leafs muss nicht mehrere hierarchische Netzwerkebenen durchlaufen, sondern verfügt über die Spine-Ebene über einen kurzen und einheitlichen Weg.

Warum wird Spine-Leaf im Rechenzentrum eingesetzt?

Aus diesem Aufbau ergeben sich gleich mehrere Vorteile, die insbesondere in größeren Rechenzentren relevant sind.

Einer davon ist die Redundanz. Da jeder Leaf mit jedem Spine verbunden ist, existiert normalerweise nicht nur ein einzelner möglicher Weg zwischen zwei Bereichen des Netzwerks. Bei zwei Spine-Switches stehen einem Leaf beispielsweise zwei unterschiedliche Verbindungen zur Spine-Ebene zur Verfügung. Fällt eine einzelne Verbindung oder einer der Spine-Switches aus, kann die Kommunikation grundsätzlich weiterhin über einen verbleibenden Pfad erfolgen.

Das ist für ein Rechenzentrum besonders wichtig. Viele dort betriebene Systeme müssen rund um die Uhr erreichbar sein. Der Ausfall einer einzelnen Netzwerkkomponente darf möglichst nicht dazu führen, dass komplette Bereiche der Infrastruktur nicht mehr miteinander kommunizieren können. Redundante Netzwerkpfade sind deshalb ein wesentlicher Bestandteil einer hochverfügbaren Infrastruktur.

Gleichzeitig können die vorhandenen Verbindungen nicht nur der Ausfallsicherheit dienen. Mehrere Pfade können auch genutzt werden, um Netzwerkverkehr parallel zu übertragen und auf verschiedene Verbindungen zu verteilen. Dadurch kann die vorhandene Übertragungskapazität effizienter genutzt werden und der Datenverkehr muss nicht über einen einzigen zentralen Netzwerkpfad laufen.

Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die Skalierbarkeit. Rechenzentren bleiben normalerweise nicht dauerhaft unverändert. Neue Server kommen hinzu, Systeme werden ausgetauscht und die benötigte Netzwerkbandbreite kann steigen. Bestehende Hardware erreicht irgendwann ihr End of Life und muss aus der Infrastruktur entfernt oder durch neue Systeme ersetzt werden.

Eine Spine-Leaf-Architektur bietet hierfür einen strukturierten Aufbau. Werden zusätzliche Serveranschlüsse benötigt, können weitere Leaf-Switches hinzugefügt werden. Diese werden wiederum mit den vorhandenen Spine-Switches verbunden und damit in die bestehende Struktur integriert. Die Architektur kann dadurch innerhalb ihrer technischen Grenzen mit den Anforderungen des Rechenzentrums wachsen.

Auch die vorhersehbaren Netzwerkwege sind ein Vorteil. Zwischen zwei unterschiedlichen Leafs befindet sich grundsätzlich die Spine-Ebene. Dadurch bleibt die Anzahl der zu durchlaufenden Netzwerkkomponenten weitgehend gleich, unabhängig davon, an welcher Stelle im Rechenzentrum sich ein Server befindet. Gerade bei Anwendungen, bei denen viele Systeme untereinander kommunizieren, kann eine solche Struktur bei der Planung hilfreich sein.

Wo ist eine Spine-Leaf-Architektur sinnvoll?

Damit wird ebenfalls deutlich, warum Spine-Leaf besonders häufig mit Rechenzentren in Verbindung gebracht wird. Die Architektur ist vor allem für Umgebungen interessant, in denen viele Systeme gleichzeitig miteinander kommunizieren und es entsprechend zum intensiven East-West-Traffic kommt.

Ein typisches Beispiel sind stark virtualisierte Rechenzentren. Auf einem einzelnen physischen Server können zahlreiche virtuelle Systeme betrieben werden, die wiederum mit virtuellen Maschinen auf anderen Hosts, Datenbanken, Storage-Systemen oder weiteren Diensten kommunizieren. Der Datenverkehr bleibt dabei zu einem großen Teil innerhalb des Rechenzentrums.

Ähnliche Anforderungen entstehen bei Cloud-Infrastrukturen. Dort müssen Ressourcen flexibel bereitgestellt und erweitert werden können. Die zugrunde liegende Netzwerkinfrastruktur muss entsprechend mitwachsen können, ohne dass bei jeder Erweiterung die komplette Architektur verändert werden muss.

Auch Umgebungen mit besonders großen internen Datenmengen können von diesem Aufbau profitieren. Dazu gehören beispielsweise Storage-intensive Anwendungen oder High-Performance-Computing-Umgebungen, in denen zahlreiche Systeme gemeinsam Daten verarbeiten und entsprechend schnell untereinander kommunizieren müssen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Netzwerk automatisch als Spine-Leaf aufgebaut werden sollte. Für kleinere Unternehmensnetzwerke mit wenigen Switches und überschaubarem internem Datenverkehr kann eine klassische Netzwerkstruktur vollkommen ausreichend sein. Mit Spine-Leaf steigt schließlich auch der Bedarf an Switchports und physischen Verbindungen, da jeder Leaf mit jedem Spine verbunden werden muss.

Seine Stärken spielt das Konzept deshalb besonders dort aus, wo Skalierbarkeit, hohe Bitraten, Redundanz und viel interne Kommunikation zusammenkommen – Anforderungen, die auch in modernen Rechenzentren häufig anzutreffen sind.

Fazit

Durch unsere aktuellen Arbeiten im Rechenzentrum und insbesondere den Rückbau von Access-Leaf-Switches, die mittlerweile ihr End of Life erreicht haben, bin ich selbst stärker mit dem Thema Spine-Leaf in Berührung gekommen. Aus dem zunächst praktischen Kontakt mit der vorhandenen Infrastruktur entstand für mich die Frage, wie die Architektur dahinter funktioniert und warum sie gerade in Rechenzentren eingesetzt wird.

Das grundlegende Konzept hinter Spine-Leaf ist dabei schnell erklärt: Die Architektur besteht aus einer Leaf- und einer Spine-Ebene, wobei jeder Leaf mit jedem Spine verbunden wird. Aus diesem einfachen Prinzip entsteht eine Netzwerkstruktur mit kurzen und vorhersehbaren Wegen, mehreren möglichen Netzwerkpfaden und guten Möglichkeiten zur Erweiterung.

Der aktuelle Rückbau der EoL-Hardware zeigt ebenfalls, dass die eingesetzten Komponenten einen endlichen Lebenszyklus haben. Systeme müssen irgendwann ersetzt oder außer Betrieb genommen werden, während die grundlegende Infrastruktur weiterhin zuverlässig funktionieren muss. Eine strukturierte und skalierbare Netzwerkarchitektur schafft hierfür eine wichtige Grundlage. Genau hier zeigt sich, warum Spine-Leaf heute eine wichtige Rolle in modernen Rechenzentren spielt.

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