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Wie Agentic AI und Quantencomputer die Rechenzentren der Zukunft prägen

16.07.2026 / Dr. Philipp Rüßmann

Ende Juni hat die ISC-HPC-Konferenz in Hamburg stattgefunden. Inzwischen bin ich zurück an unserem Standort in Aachen und habe Einblicke in die aktuellen Trends mitgebracht. Hier ist die Zusammenfassung. Mit im Gepäck: (Agentic) AI und Quantencomputer.

Der schnellste Supercomputer braucht keine GPUs

Zweimal im Jahr werden die Top500- und Green500-Listen der HPC-Community (High Performance Computing Community) aktualisiert. Im August 2025 habe ich hierüber bereits in einem Blog-Beitrag berichtet und ein paar Grundlagen dazu erklärt [1].

Einige Zeit lang war es ruhig um China in der Top500-Liste, das Einreichen von Benchmarkdaten ist schließlich freiwillig. In der aktuellen Ausgabe ist China zum ersten Mal seit 2017 zurück – und setzt sich an die Spitze der weltweit schnellsten Supercomputer [2].

Die große Überraschung ist dabei nicht, dass China zurück ist – mit dem Platz in der Sonne schmückt sich jeder gern. Die eigentliche Überraschung ist, dass es ein System ohne GPU-Beschleuniger an die Spitze schafft. Der LineShine-Supercomputer ist ein CPU-only-System und erreicht im HPL-Benchmark 2.198 Exaflop/s. Hier kommen 304-Core-LX2-Prozessoren, die auf ARMv9-Architektur basieren und mit 1.55 GHz laufen, proprietäre LingQi-Interconnects  sowie das Kylin OS zum Einsatz. Von vorne bis hinten ein chinesisches Produkt. Damit ist LineShine das erste System, das die prestigeträchtige Marke von zwei Trillionen Rechenoperationen pro Sekunde durchbricht.

Die zweite Überraschung: Ebenso in der Green500-Liste [3] taucht LineShine relativ weit oben auf, nämlich auf Platz 50. Das ist für Performance-optimierte Systeme nicht üblich. Zum Vergleich: Der Green500-Spitzenreiter KAIROS aus Frankreich erreicht in der Top500 gerade einmal Platz 445.

Traditionell ist Europa aber stark in der Green500-Liste vertreten. Die ersten drei Plätze (KAIROS in Toulouse, ROMEO-2025 in Champagne-Ardenne und die „Levante GPU extension“ am Deutschen Klimarechenzentrum in Hamburg) stehen allesamt in Frankreich oder Deutschland. Und noch etwas fällt auf: Alle drei wurden von Bull gebaut. Auch darin kann man ein Zeichen für europäische Souveränität sehen – Bull ist ein französisches Unternehmen. Die Rechenpower dieser drei Systeme baut trotzdem auf NVIDIA-GPUs. Zur Unabhängigkeit fehlt damit noch ein ganz wesentliches Element.

Sovereign AI everywhere

Jeder Hersteller, der etwas auf sich hält und Hardware für KI bereitstellt, wirbt auch auf der ISC für seine Produkte. Ein großes Thema dabei: Sovereign AI – die souveräne KI mit den eigenen Daten, in der eigenen Infrastruktur und unter der eigenen Kontrolle. Das Souveränitätsversprechen dabei ist also der OnPrem-KI-Cluster für die private Cloud.

Trotzdem soll (nach Vorstellung der Hersteller) auf die üblichen Verdächtigen aus den USA gesetzt werden. Wie souverän der gesamte Stack ist, bleibt weiterhin die Gretchenfrage.

Verschiebungen durch Agentic AI

Aktuelle große Large Language Models sind inzwischen so leistungsfähig, dass sich ihre Nutzung verschiebt – nicht zuletzt durch Agentic AI.

Agentic AI braucht nicht nur immens viele Token, sondern verschiebt die Last stärker in Richtung Inferenz. Und die verstärkte Last für Orchestrierung und Verwaltung der unterschiedlichen Aufgaben, die der Agent durchführen soll, lässt sich nicht mehr so gut auf den traditionellen KI-GPUs allein machen. Damit verschiebt sich auch, welches Verhältnis von CPU zu GPU in Inferenz-Clustern eingesetzt wird.

Wohin geht die Reise?

Schon in der Opening Keynote wurde die heterogene Zukunft für den HPC-Bereich prognostiziert. Dieser Eindruck hat sich im Laufe der Woche weiter bestätigt.

Moore’s Law kommt bekanntlich an seine Grenzen. Daher werden die Computing-Architekturen diverser und spezialisierter. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neben CPU und GPU auch die QPU, also der Quantenprozessor Einzug in die IT-Landschaft hält. Das wird auf der ISC deutlich, überall werden die Fortschritte bei Quantencomputern und die Integrationsmöglichkeiten mit klassischer Hardware vorangetrieben.

Quantencomputer sollen dabei nicht nur schwere Probleme wie Kryptographie lösen, sondern könnten ebenso energieeffizienter für bestimmte Aufgaben sein als klassisches Hochleistungsrechnen (mit CPU und GPU) – ein Augenöffner und ein bisher wenig beachteter Aspekt des Quantenvorteils.

Fazit

Traditionell sieht man im HPC-Bereich die Dinge, die früher oder später ihren Weg in die Rechenzentren der Unternehmen finden. So war es bei den flüssiggekühlten Systemen und so wird es wohl auch mit den neuesten Trends sein.

Die Zukunft der Rechenzentren ist dabei heterogen und vernetzt. Quantencomputer werden über kurz oder lang ihren Weg in die IT-Landschaft finden. Nach KI und dem noch aktuellerem Hype um KI-Agenten steht die nächste Revolution schon vor der Tür.

Quellen und Verweise

[1] Dr. Philipp Rüßmann, ComConsult Blog, August 2025, https://www.comconsult.com/europas-annaeherung-ans-exascale-computing/

[2] Top500-Liste, Juli 2026, https://top500.org/lists/top500/2026/06/

[3] Green500-Liste, Juli 2026, https://top500.org/lists/green500/green500-june-2026/

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