IT-Verkabelungsplanung mit BIM, alles wird einfacher und besser, tatsächlich?

30.08.2019 / Hartmut Kell / Referent

Hartmut Kell

Die Nutzung von BIM (Building Information Modeling) geht weit über eine reine Planung hinaus, sie wird bei einer nachhaltigen Anwendung auch in den Bereich des Facility-Managements überführt werden. Da man durchaus behaupten kann, dass BIM in Deutschland insgesamt und bei der IT-Planung noch ziemlich am Anfang steht, soll in diesem Beitrag zunächst der Fokus auf die Planung gelegt werden. Dabei wird ein Kernelement herausgegriffen: die bessere Abarbeitung von sich gegenseitig störenden bzw. beeinflussenden Planungen. 

Angestrebtes Ziel: Optimierung der Kollisionsplanung 

Welche Vereinfachungen verspricht man sich von BIM? Einer der Dreh- und Angelpunkte bei BIM ist eine angestrebte, deutlich effektivere Kollisionsplanung. Dies bedeutet vereinfacht: Ändern sich irgendwelche Planungsrahmenbedingungen, die Einfluss nehmen können auf die Verkabelungsplanung, so wird dies mit speziellen Software-Werkzeugen und auch Prozessabläufen den davon betroffenen Planern fast automatisch mitgeteilt (Idealvorstellung). 

  • Beispiel 1: Eine Wand wird im Nachgang in eine Steigtrasse für IT-Verkabelung verschoben. Der IT-Planer erkennt das und kann Änderungen abstimmen. 
  • Beispiel 2: Der IT-Planer legt die genaue Lage der Datendose fest, und der Elektro-Planer legt auf exakt derselben Position seine Schuko-Steckdose. 

Früher“ hätte man das nur mit Hilfe von umfangreichen Baubesprechungen und formalen Freigabeprozessen klären können (Unterschriften auf Änderungen im ausgedruckten CAD-Plan o.ä.). Mit BIM soll das alles digital und damit schneller ablaufen. 

Auch stellte früher die Abstimmung auf der Baustelle zwischen Bauherr, Planer und Installationsfirma ein wesentliches Kernelement zur Beseitigung von Kollisionen dar. Genau das soll bei der Idealvorstellung mittels BIM vermieden werden, denn durch den Einsatz von BIM wird der digitale Zwilling des realen Gebäudes bis zur exakten Lage der Dose modelliert. Das bedeutet implizit, dass Abstimmungen auf der Baustelle nicht notwendig sind. 

Erfahrungen 

Alleine die angestrebte Kollisionsplanung macht deutlich, dass nicht erst mit der Detailplanung (in der HOAI wäre das Leistungsphase 5) sehr genau geplant werden muss, sondern bereits bei der Entwurfsplanung (nach HOAI: Leistungsphase 3) oder gar noch früher. Damit beginnt in einer sehr frühen Phase ein intensiver und extrem zeitaufwendiger Abstimmungsprozess, der insbesondere dann noch intensiver wird, wenn die Räume in einem Gebäude nicht nach „Schema F“ geplant werden. Vielmehr sind hier viele Besonderheiten zu berücksichtigen. Als Beispiel sei hier der Neubau eines Krankenhauses mit einer sehr hohen Anzahl von unterschiedlichen Raum-Geometrien und Raumausstattungen genannt. 

Ja, ohne Zweifel ist bei einer funktionierenden Planung mit BIM davon auszugehen, dass 

  • der Planungsumfang im Vergleich zur traditionellen Planung fast gleich bleibt, 
  • sich die Planungsaufwendungen von den späteren Leistungsphasen nach vorne schieben werden (= höherer Aufwand in LP3 und geringerer Aufwand in LP5 oder gar in der Werk- und Montageplanung; siehe Abbildung), 
  • der Abstimmungsprozess auf der Baustelle minimiert wird, 
  • die Modellierung eines digitalen Zwillings viele Vorteile mit sich bringt, und 
  • die Übernahme der Planung in das Facility-Management erst ermöglicht bzw. vereinfacht  wird. 

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Fazit 

Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Erfahrungen von ComConsult in Zusammenhang mit der IT-Verkabelungsplanung mit BIM zeigen: 

  • Gerade die Leichtigkeit der Änderungen von Raumflächen oder auch Raumausstattungen führen dazu, dass ständig Änderungswünsche in das Modell einfließen und die IT-Planung, oftmals letztes Glied in der Planungskette, mit sehr vielen Anpassungen im Detail rechnen muss. Es ist so einfach, im digitalen Zwilling ohne Arbeitsmeetings einen Arbeitstisch von rechts nach links zu schieben (mit nur einem Klick) und davon auszugehen, dass die davon betroffenen Planer das schon berücksichtigen werden.
  • Die Festlegung von klaren und verbindlichen Freigabe-Prozessen ist sehr wichtig, erfolgt aber nicht wirklich. Ansonsten wird der digitale Zwilling nie fertig und man spekuliert doch wieder auf die Abstimmungsfähigkeiten während der Bauphase. 
  • Die Abstimmung auf der Baustelle wird auch weiterhin das A und O bleiben. Dies zu ignorieren wäre leichtsinnig. 
  • Die Anwendung von BIM ist bei den Installationsfirmen in Deutschland noch in keiner Weise ein Thema, das gilt selbst für größere Unternehmen. Damit liegen keine wirklichen Erfahrungen zur Anwendung des digitalen Zwillings auf der Baustelle vor. Wird der Monteur in Zukunft mit einem Tablet auf der Baustelle unterwegs sein statt mit einem ausgedruckten Papierplan? 
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