Verteilte, parallele Dateisysteme

03.12.2018 / Dr. Markus Ermes / IT-Berater

aus Netzwerk-Insider-Ausgabe Dezember 2018

In den meisten Unternehmen haben Daten einen enormen Wert. Seien es Pläne für neue Produkte, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherstellen sollen oder Daten, die aufgrund rechtlicher Vorgaben verfügbar sein müssen. Diese Daten befinden sich im Allgemeinen auf einem zentralen Speicher, der ausfallsicher und ausreichend performant dimensioniert ist. In manchen Bereichen, z.B. Medienbearbeitung oder Big Data, kann die Skalierbarkeit eines zentralen Systems allerdings an seine Grenzen stoßen. Auch bei einem Zugriff vieler verschiedener Clients auf ein einzelnes Storage-System kann das Storage-Netzwerk einen Flaschenhals bilden. In diesem Fall bietet sich an, die Daten auf viele „kleinere“ Server zu verteilen, die dann ein großes Dateisystem bilden und zusammen die Anfragen von Clients beantworten und so eine bessere Auslastung des Netzwerks erreichen. Dies kann mit verteilten, parallelen Dateisystemen erreicht werden.

In diesem Artikel sollen die Geschichte dieser Technologie sowie die technischen Grundlagen erläutert werden. Dabei werden sowohl Vor- als auch Nachteile beschrieben und aktuelle Beispiele für deren Einsatz aufgeführt.

1. Motivation

Aktuelle, zentrale Storage-Lösungen bieten eine Vielzahl von Funktionen für die Datenhaltung. Diese umfassen Ausfallsicherheit auf vielen Ebenen, aber auch spezielle Techniken zur Reduktion der „real“ gespeicherten Daten. Darunter fallen Deduplizierung sowie Thin Provisioning für Virtualisierungslösungen.

Trotz all dieser sinnvollen Funktionen ergibt sich bei zentralen Storage-Systemen aber eine Herausforderung bei der Skalierung. Die Kosten für eine entsprechend skalierbare Lösung können sehr hoch ausfallen. Außerdem ist ein gleichzeitiger Zugriff vieler Systeme auf die Daten häufig durch die Bandbreite der Netzanbindung des zentralen Systems begrenzt. Hier hat sich auch gezeigt, dass Netzwerk-Technologien jenseits von Fibre Channel (FC), z.B. Ethernet und Infiniband, ihre Bandbreiten wesentlich schneller erhöht haben als FC, so dass auch die Nutzung einer anderen Netzwerktechnologie sinnvoll sein kann.

Speziell bei hochgradig parallelen Berechnungen – Beispiele sind hier Big Data und High Performance Computing (HPC) – bei denen Tausende bis zu Millionen von Prozessen gleichzeitig auf Daten zugreifen müssen, wünscht man sich daher eine Storage-Technologie, die besser skaliert.

Zusätzlich gewinnen hyper-konvergente Systeme, die sogenannte Hyper-Converged Infrastructure (HCI), immer mehr an Bedeutung. Diese Systeme sollen per Design ein abgeschlossenes System bilden, das nicht auf zentrale Komponenten angewiesen ist, sondern „nur noch“ eine Netzwerk-Infrastruktur benötigt. Der Storage befindet sich dabei in den einzelnen Knoten einer HCI und muss auf irgendeine Art und Weise sowohl ausfallsicher als auch zusammengefasst und performant sein.

All diese Anforderungen können verteilte, parallele Dateisysteme (Distributed Parallel Filesystems – DPFS) erfüllen. Die beiden Hauptszenarien für den Einsatz sind dabei parallele Berechnungen und Virtualisierungsumgebungen. Die zugrundeliegende Technik ist aber in beiden Fällen nahezu identisch und lediglich die Details für den Zugriff unterschiedlich.

2. Definition

Schon der Name „verteilte, parallele Dateisysteme“ beinhaltet die wesentlichen Funktionen der Technologie:
Einerseits werden die auf einem DPFS gespeicherten Daten auf viele verschiedene Systeme verteilt. Diese Systeme sind in vielen Fällen, speziell im HPC-Umfeld, dedizierte DPFS-Server. Es ist aber auch möglich, den lokalen Speicher von Clients in das DPFS einzubinden. Dabei stellen sich sämtliche Speicherressourcen gegenüber den Clients – je nach Konfiguration – als ein oder mehrere Dateisysteme dar. Dies ist ein Ansatz, der besonders bei der Nutzung in Virtualisierungsumgebungen zu finden ist.

Andererseits sind diese Dateisysteme „parallel“, d.h. einzelne Dateien werden nicht nur auf einem einzelnen System vorgehalten, sondern parallel auf mehreren Systemen. So kann beispielsweise bei einer Datei mit einer Größe von 100GB bei einem DPFS mit 100 Servern jeweils 1GB auf jedem Server abgelegt werden. Dabei kommen in vielen Fällen auch RAID-ähnliche Mechanismen zum Einsatz, um eine Redundanz zu ermöglichen.

Diese beiden Mechanismen sind maßgeblich für ein DPFS. Sonstige Funktionen wie Kompression, Deduplikation oder Thin Provisioning werden in vielen Fällen unterstützt, sind aber keine Voraussetzung für ein DPFS.

3. Geschichte

Die Entwicklung von parallelen Dateisystemen begann 1992 bei IBM. Hier wurde es unter dem Namen „Vesta“ zwischen 1992 und 1995 entwickelt. 1994 erfolgte die Vermarktung als „Parallel I/O File System“ (PIOFS).

Abgelöst wurde PIOFS von GPFS (General Parallel File System), welches 1998 in AIX Einzug erhielt. Ursprünglich wurde es konzipiert, um hohe Datenraten für Multimedia-Anwendungen (speziell Videoschnitt) zu erreichen.

Die Vorzüge eines solchen Dateisystems wurden auch im HPC-Umfeld schnell erkannt, und so wurden und werden DPFS in vielen Supercomputern der aktuellen Top500-Liste genutzt, um die Ergebnisse von aufwendigen Simulationen zu speichern. Speziell der parallele Zugriff vieler Tausende bis zu Millionen von Prozessen auf das Speichersystem ist bei einem DPFS deutlich performanter als die Nutzung eines einzelnen, zentralen Speichers.

In den folgenden Jahren wurden im HPC- aber auch im sonstigen Unix-Umfeld weitere DPFS entwickelt, die für unterschiedliche Nutzungsszenarien optimiert waren.

Jenseits dieser Nischen-Anwendungen sind parallele Dateisysteme bekannter geworden, als sie für Googles Infrastruktur und später für diverse Cloud-Dienste verwendet wurden. So nutzt Google bspw. das speziell für die Websuche optimierte „Google File System“.

Endgültigen Einzug in das Rechenzentrum fanden parallele Dateisysteme mit Nutanix (Nutanix Distributed File System –
NDFS) und VMware vSAN (ehemals VMware Virtual SAN). Bei diesen Produkten wird der lokal verfügbare Speicher der genutzten Server zusammengefasst, Redundanzen aufgebaut und als Ganzes allen beteiligten Servern zur Verfügung gestellt. Dabei ist es sogar möglich, für einzelne Dateien oder Verzeichnisse unterschiedliche Redundanzen und sonstige Funktionen zu konfigurieren.

4. Funktionsweise

So einfach die Definition eines DPFS ist, so sind die technischen Grundlagen doch kompliziert im Vergleich zu klassischen Storage-Lösungen (SAN / NAS). Die große Herausforderung bei parallelen Dateisystemen ist das Verteilen von Dateifragmenten auf eine große Anzahl von beteiligten Servern. Während bei einem klassischen RAID Dateien gleichmäßig auf die Blöcke von Festplatten verteilt werden und keine Informationen zu den eigentlichen Daten benötigt werden. Da diese Redundanz auf Blockebene funktioniert, ist dabei die effektive Größe eines RAIDs durch die Festplatte mit der geringsten Kapazität vorgegeben. Diese Beschränkungen gelten für ein DPFS nicht. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, dass ein DPFS einen Mechanismus zur Verfügung stellt, mit dem die genaue Aufteilung und Position einer jeden Datei im Dateisystem protokolliert wird.

Dieser Mechanismus wird von sog. „Metadata-Servern“ (MDS) bereitgestellt. Diese werden sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen von Dateien von den Clients genutzt, um die jeweiligen Dateien zu verteilen oder wieder zusammenzusetzen. Da bei einer großen Zahl von Clients auch hier schnell ein Flaschenhals entstehen kann, verfügen die allermeisten parallelen Dateisysteme über die Möglichkeit, mehrere MDS zu nutzen. Die Informationen zu den Speicherorten der Dateien können dabei entweder vollständig auf allen MDS vorhanden sein, oder diese Information wird ebenfalls aufgeteilt, beispielsweise auf Verzeichnis-Ebene.

Die eigentliche (verteilte, parallele) Speicherung der Dateien erfolgt auf dem sog. „Object Data Storage“ (ODS). Dabei können verschiedene Speicher-Backends genutzt werden. So können, falls vorhanden, bestehende SAN-Komponenten genutzt werden, aber auch lokal angebundener Speicher oder (in einigen Fällen) Cloud-Speicher.

Die Verbindung von MDS und ODS ermöglicht dabei eine genaue Aufteilung von Dateien auf eine nahezu beliebige Anzahl von Servern. Dieses Zusammenspiel ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Aufteilung einer Datei in einem DPFS; Zusammenspiel zwischen MDS und ODS

Die genaue Positionierung von MDS und ODS kann sich unterscheiden. Manche Implementierungen trennen MDS und ODS, manche kombinieren sie.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist auch die Sicherheit eines solchen Systems. So muss stets sichergestellt sein, dass die Client-Anfragen auch erlaubt und korrekt sind. Die hierfür eingesetzten Mechanismen können bei jeder Implementierung variieren und werden daher an dieser Stelle nicht weiter betrachtet.

Client-Zugriffe auf ein DPFS können unterschiedlich erfolgen. Dabei unterscheidet man zwischen „direktem“ und „indirektem“ Zugriff:

Direkter Zugriff
Den größten Nutzen bietet ein DPFS, wenn sich alle Clients im selben Netzwerk befinden wie die Server und direkt auf den Speicher zugreifen können. Früher waren hierfür spezielle Interfaces notwendig, beispielsweise Infiniband, um ausreichende Bandbreiten erreichen zu können. Aber spätestens seit der Einführung von 10Gigabit-Ethernet ist dies nur noch in Ausnahmefällen notwendig. Zusätzlich benötigen die Clients eine Software, um auf das DPFS zugreifen zu können.

Beim Schreiben von Daten wird einem MDS mitgeteilt, wie groß die zu schreibenden Daten sind und dieser antwortet mit einer Liste von Positionen auf den ODS-Systemen (Abbildung 2, Schritt 1). Daraufhin werden die Daten vom Client direkt auf die ODS-Systeme geschrieben (Abbildung 2, Schritt 2).

Ein Lesevorgang funktioniert analog: Der Client fragt den MDS, wo sich welche Teile der zu lesenden Datei befinden. Daraufhin erhält der Client die Liste der relevanten Positionen (Abbildung 2, Schritt 1) und kann die Datei direkt von mehreren ODS parallel lesen (Abbildung 2, Schritt 2).

Abbildung 2: Zugriff auf ein paralleles Dateisystem

Indirekter Zugriff
Es gibt Fälle, in denen für den jeweiligen Client keine Software für den Zugriff auf das DPFS verfügbar ist, beispielsweise weil nur unixoide Betriebssysteme unterstützt werden oder aus Datenschutz- und/oder Sicherheitsgründen ein direkter Zugriff nicht erwünscht ist. In diesem Fall benötigt man für einen Zugriff der Clients einen Server, der analog zu einem „NAS-Kopf“ funktioniert (bzw. mehrere solche Server):

In Richtung des Speichers besitzt dieses System die Client-Software, um auf das DPFS zuzugreifen und verhält sich wie oben beschrieben. In Richtung der (eigentlichen) Clients wird das DPFS über ein kompatibles Protokoll (beispielsweise NFS oder SMB/CIFS) freigegeben und mit Bordmitteln der Clients angesprochen. Dies entspricht den Schritten 1 (Anfrage) und 4 (Rückmeldung) in Abbildung 3; Schritte 2 und 3 entsprechen den Lese- bzw. Schreibzugriffen aus Abbildung 2.

Hier ergibt sich allerdings erneut ein Flaschenhals, da sämtliche Daten über einen oder mehrere NAS-Köpfe laufen müssen. Zwar kann die Performance durch zusätzliche NAS-Köpfe verbessert werden, doch ab einem gewissen Punkt ist dies nicht mehr sinnvoll. Daher ist diese Art des Zugriffs im allgemeinen nicht gewünscht, aber es existieren durchaus Use-Cases dafür; so können beispielsweise die (reduzierten) Ergebnisse einer CPU- und I/O-intensiven Berechnung zu einem System zur Visualisierung und Analyse übertragen werden, das aus Kompatibilitäts- oder Sicherheitsgründen nicht direkt mit dem Speicher kommunizieren kann bzw. soll.

Abbildung 3: Indirekter Zugriff auf ein DPFS

Viele aktuelle DPFS bieten zusätzlich zu den grundlegenden Funktionen auch Funktionen, wie sie in traditionellen Storage-Systemen vorhanden sind:

  • Redundanz:
    Die Verteilung der Daten erfolgt im Allgemeinen so, dass sowohl der Ausfall einer einzelnen zugrundeliegenden Speicherressource (SSD, HDD, RAID) als auch der Ausfall eines kompletten MDS oder ODS zu keinem Datenverlust führt, sondern lediglich die Performance negativ beeinflusst (Abbildung 4).
  • Selbstheilung:
    Bei Ausfall einer Komponente werden die dort vorhandenen Daten auf andere Systeme innerhalb des DPFS verteilt, um die ursprüngliche Fehlertoleranz wiederherzustellen (Abbildung 5).
  • Datenintegrität:
    Es können Mechanismen wie Checksummen, Copy-on-Write oder Redirect-on-Write genutzt werden, um Datenkorruption zu verhindern.
  • Verschlüsselung:
    Eine Inline-Verschlüsselung der Daten vor der Ablage auf den Speicherressourcen ist teilweise möglich. Hier leidet aber die Performance durch die erhöhte Latenz.
  • Deduplizierung:
    Einige DPFS-Implementierungen ermöglichen eine Online- oder Offline-Deduplizierung, um den genutzten Speicherplatz zu reduzieren.
  • Thin Provisioning:
    Speziell im Umfeld von HCI unterstützen DPFS die Nutzung von Thin-Provisioning von Festplatten-Images von virtuellen Maschinen.
  • Tiering bei Nutzung von Flash-basiertem Speicher:
    Sollten die beteiligten Server sowohl über klassische drehende Festplatten als auch über Flash-basierten Speicher verfügen, so kann ein Tiering stattfinden, welches für eine bessere Performance für häufig genutzte Daten sorgt.

Abbildung 4: Redundanz-Mechanismen bei DPFS: Verteilung einer Datei auf drei Systeme, analog zu RAID-5

5. Vor- und Nachteile

Mit einer Übersicht über die Funktionsweise eines DPFS und der Zielsetzung für ein DPFS stellt sich die Frage, wo ein Einsatz sinnvoll sein kann. Dafür sollen die Vor- und Nachteile genauer betrachtet werden:

Vorteile

  • Für ein DPFS ist keine zentrale SAN-Infrastruktur notwendig. Es können verschiedenste Storage-Backends und Netzwerk-Technologien für ein DPFS genutzt werden, meistens auf Dateisystem-Ebene.
  • Ein Ausbau eines DPFS sowohl im Bereich der Kapazität als auch im Bereich der Performance ist entweder durch Hinzufügen von Servern (Performance und Kapazität) oder zusätzlichen Speicherressourcen innerhalb der bestehenden Server (Kapazität) möglich. Speziell im HPC-Bereich gibt es Lösungen, die pro beteiligtem Server Datenübertragungsraten von bis zu 60Gbit/s und 6 Millionen IOPS liefern können und nahezu linear mit der Anzahl der Server skalieren.
  • Speziell bei der Nutzung von klassischen Festplatten kann die Zugriffszeit und die Übertragungsrate stark verbessert werden.
  • Bei Nutzung von SSDs kann die Gesamtauslastung des Netzwerks verbessert werden, da die Anzahl der verfügbaren Server deutlich größer sein kann.
  • Fehlertoleranzen können auf verschiedenen Ebenen und sehr feingranular eingerichtet werden.

Nachteile

  • Die meisten DPFS sind nur über spezielle Software direkt nutzbar. Sollte für einen Client diese Software nicht verfügbar sein, so muss ein NAS-Kopf genutzt werden, der zum Flaschenhals werden kann.
  • Bei einem Zugriff auf viele kleine Dateien erhöht sich die Zugriffszeit signifikant, da für jede Datei der Speicherort erst vom MDS erfragt werden muss.
  • Durch den großen Performance-Gewinn bei der Nutzung von Flash-basierten Speicherressourcen (SSD, NVMe etc.) ist die Kapazität innerhalb eines einzelnen Systems durch die verfügbare Bandbreite der Netzwerkschnittstelle(n) begrenzt; so kann ab einer gewissen Anzahl von Speicherressourcen das Netzwerkinterface der begrenzende Faktor werden.
  • Die Nutzung und Administration von besonderen Funktionen (Deduplizierung, Verschlüsselung, Tiering) kann bei einem DPFS aufwändiger sein als bei einem traditionellen Storage-System.
  • Sollte kein Hochleistungsnetzwerk (Bandbreite >= 40Gbit/s) oder kein dediziertes Netzwerk für den DPFS-Traffic genutzt werden, können sich Storage- und Produktivdaten durch die begrenzte Bandbreite gegenseitig negativ beeinflussen.
  • Der Zugriff auf ein DPFS erfolgt auf Dateiebene. Zur Nutzung eines DPFS als Block-Storage muss entweder eine entsprechende Funktionalität vorhanden sein oder ein entsprechendes System zwischen DPFS und Client positioniert sein, analog zu einem NAS-Kopf.

6. Beispiele

Wie schon erwähnt lassen sich die Einsatzszenarien für ein DPFS grob in zwei Bereiche einteilen: HPC und Virtualisierungslösungen. In diesem Abschnitt werden einige Produktbeispiele genannt und dargestellt. Dabei werden auch die primären Einsatzbereiche der jeweiligen Lösung kurz angesprochen. Alle Beispiele werden am Ende noch einmal gegenübergestellt.

Dabei sollte beachtet werden, dass es sehr viele DPFS gibt, die teilweise sehr unterschiedliche Anforderungen bedienen. Daher sind die hier aufgeführten Beispiele kein umfassender Vergleich der am Markt verfügbaren Lösungen. Das richtige DPFS für das eigene Unternehmen hängt von deutlich mehr Faktoren ab, als in diesem Artikel beschrieben werden können.

6.1 IBM Spectrum Scale (ehemals GPFS)
IBM Spectrum Scale ist das älteste am Markt verfügbare DPFS und bietet einen großen Funktionsumfang, der auf Anwendungen mit hohen Performance-Anforderungen zugeschnitten ist. Darunter fallen alle in Kapitel 4 aufgezählten zusätzlichen Funktionen mit Ausnahme von Deduplizierung.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Spectrum Scale stellt die sehr umfangreiche Konnektivität sowohl zu Storage-Backends als auch zu Clients dar. Speziell die Unterstützung von Tapes als Storage-Backend ist hier bemerkenswert und kann in Verbindung mit Tiering zu Kostenersparnissen führen.

Bei der Anbindung von Clients über nicht-native Schnittstellen (Beispiele: NFS, SMB) verfällt aber ein Teil des Performance-Gewinns durch eine Bündelung von Zugriffen auf einen NAS-Kopf.

Hauptsächlich findet man Spectrum Scale im Umfeld von HPC, Big Data und im Bereich der Medienbearbeitung. Der Funktionsumfang erlaubt aber auch die Nutzung als (quasi-zentralen) Storage für andere Anwendungen.

Abbildung 5: Selbstheilung eines DPFS

6.2 Lustre
Lustre, welches in den letzten Jahren maßgeblich von Intel entwickelt wurde und wird, bietet den geringsten Funktionsumfang unter den vorgestellten Lösungen und verlässt sich für Datenreduktion und Datenintegrität auf das zugrundeliegende Dateisystem. Hier findet man oft (Open)ZFS, da dieses die Funktionen von Lustre gut ergänzt. Thin Provisioning ist nicht vorgesehen, womit auch deutlich wird, dass das Einsatzszenario klar im HPC-Umfeld und nicht bei der Virtualisierung gesehen wird. Besonders sichtbar wird dies anhand der fehlenden nativen Windows-Unterstützung; ein Zugriff auf Lustre kann von Windows aus nur über SMB erfolgen, was zu einem indirekten Zugriff führt. Dadurch sind einige der großen Vorteile eines DPFS mit Lustre unter Windows nicht möglich.

Lustre selbst ist ein Open-Source-Projekt, wobei kommerzieller Support durch Intel verfügbar ist.

6.3 CephFS
CephFS bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie Spectrum Scale, ist aber ein jüngeres DPFS im HPC- und Big-Data-Umfeld. Es bietet ähnliche Anbindungsmöglichkeiten für Clients wie Spectrum Scale, mit denselben Einschränkungen. Daher sind auch die möglichen Einsatzszenarien ähnlich.

CephFS ist – wie Lustre – ein Open-Source-Projekt, wobei kommerzieller Support durch den Hersteller (Ceph) verfügbar ist.

6.4 VMware vSAN
VMware vSAN kann als Teil einer vCenter-Umgebung genutzt werden, um den direkt angeschlossenen Speicher der beteiligten Virtualisierungshosts effektiv zu nutzen. Es bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie zentralisierte Storage-Ressourcen; dabei können aber viele Funktionen auf Ebene einzelner virtueller Festplatten-Abbilder eingestellt werden. Redundanz kann dabei auch auf Ebene ganzer Bereiche erfolgen, deren Ausfall den Betrieb nicht beeinflussen soll (sog. Fault Domains). Diese können einzelne Hosts, Racks oder ganze Rechenzentren sein.

Ein Zugriff auf das vSAN ist mittlerweile über iSCSI auch für externe Systeme möglich und erlaubt so auch die Nutzung von vSAN als Ersatz für ein traditionelles SAN.

Das Einsatzszenario für VMware vSAN lag ursprünglich ausschließlich in der Nutzung durch die firmeneigene Virtualisierungsplattform. Zwar ist ein Zugriff von außen mittlerweile möglich, aber nicht weit verbreitet.

Abbildung 6: Gegenüberstellung

6.5 Nutanix Distributed Filesystem
NDFS wurde entwickelt von ehemaligen Mitarbeitern von Google, die die Architektur des bei Google genutzten „Google Filesystem“ (GFS) als Grundlage für ihr eigenes Dateisystem genutzt haben. Der Funktionsumfang ist quasi identisch zu VMware vSAN. Auch ist der Zielmarkt (HCI) derselbe. Allerdings wird ein etwas anderer Ansatz verfolgt:

Statt einer starken Integration in eine Virtualisierungsumgebung bietet NDFS eine weitgehend Hypervisor-unabhängige Implementierung. So werden die in einen Host eingebauten Festplatten an eine NDFS-Controller-VM „durchgereicht“, die als Storage in den eigentlichen Hypervisor (HV) eingebunden wird. So besitzt jeder Virtualisierungshost einen Server für NDFS, der die Verteilung der Daten mit den anderen im Cluster vorhandenen Servern koordiniert.

NDFS dient ausschließlich als Speicherplattform für eine Virtualisierungsumgebung. Andere Einsatzszenarien sind nicht vorgesehen.

Bei einem Vergleich mit vSAN muss auch hervorgehoben werden, dass Nutanix diese Technologie schon zwei Jahre vor Verfügbarkeit von VMware vSAN angeboten hat. Allerdings bietet Nutanix diese Technologie exklusiv in seinen eigenen HCI-Angeboten an, so dass eine Implementierung auf Hardware eines anderen Herstellers nicht möglich ist.

7. Zusammenfassung

Verteilte, parallele Dateisysteme haben sich von einer Nische im HPC-Bereich in den letzten Jahren immer mehr in Richtung des regulären Rechenzentrums bewegt. Dank der Verfügbarkeit von Ethernet mit Übertragungsraten von 10Gbit/s und mehr verfügen Clients und Server heutzutage über ähnliche Anbindungen, so dass eine zentrale Architektur an ihre Leistungsgrenzen stoßen kann. Hier bietet sich der Einsatz eines DPFS explizit an.
Für abgeschlossene Systeme, wie beispielsweise Testumgebungen oder bei der Nutzung von HCI, ist die Nutzung von zentralen Ressourcen entweder mit hohem Aufwand verbunden und ggf. nicht kompatibel mit vorhandenen Storage-Netzwerken (HCI). Oder man möchte aus Datenschutz- und/oder Sicherheitsgründen auf die Anbindung an den zentralen Storage verzichten. In diesen Fällen bieten sich DPFS ebenfalls an, da man ohne zusätzliche Infrastruktur den verfügbaren (direkt angebundenen) Storage der Systeme nutzbar machen kann, ohne teure RAID-Controller für eine ausreichende Redundanz zu benötigen.

Durch die enorme Performance von NVMe-SSDs ergibt sich außerdem die Herausforderung, dass bei Nutzung vieler solcher Speicher in einem einzelnen System schnell die verfügbare Bandbreite des Netzwerks erschöpft ist. Hier bieten DPFS eine elegante Möglichkeit, dass die Kapazität durch Verteilen auf viele Server nicht auf Kosten der Performance erhöht wird.

Durch die Verfügbarkeit von 100Gbit/s Ethernet sind auch hier neue Einsatzszenarien und –kombinationen möglich.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Big Data und der steigenden Performance von Servern wird die Nutzung von DPFS für interne, performance-kritische Anwendungen immer interessanter, v.a. da keine Spezialhardware mehr notwendig ist. Es wird interessant werden, welche Formen von DPFS sich in welchen Bereichen durchsetzen werden und wie die Anbieter zentraler, monolithischer Storage-Lösungen darauf reagieren. Es bleibt zu hoffen, dass zwischen den Lagern ein Technologie- und Ideen-Austausch stattfinden kann, der das Beste aus beiden Welten vereinen kann.

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