IT-Infrastrukturen für das Gebäude der Zukunft

05.01.2019 / Thomas Simon / Thomas Steil

aus Netzwerk Insider Ausgabe Januar 2019

Unsere Welt verändert sich. Was sonst! Auch die Anforderungen an moderne IT-Infrastrukturen verändern sich. Was bisher gut und vernünftig war, ist morgen nicht mehr ausreichend. Dieser Beitrag beschreibt die Anforderungen an das IT-Netz eines modernen Gebäudes, mit dem Anspruch, auch in den nächsten Jahren noch für die aufkommenden Aufgaben gewappnet zu sein. Wer heute in der Planung eines neuen Gebäudes diese Anforderungen nicht berücksichtigt, wird in Zukunft mit Problemen in der Vermarktung des Gebäudes und mit Unzufriedenheit der Nutzer zu kämpfen haben. Nicht alles, was heute machbar ist, ist auch im ersten Schritt zu realisieren. Es muss aber darauf geachtet werden, dass Techniken ohne großen Aufwand nachgerüstet werden können. Die Basis für die neuen Techniken muss im Gebäude angelegt werden. Ansonsten wird man sich schneller als gedacht mit der Frage einer aufwändigen technischen Ertüchtigung einer Bestandsimmobilie befassen müssen.

Wenn man wissen will, wohin die Reise geht, ist es immer wichtig zu wissen, woher man kommt. Es wird deshalb im Folgenden erst die bisherige Entwicklung beschrieben und dann auf die relevanten Bereiche eingegangen, die die neuen Entwicklungen maßgeblich beeinflussen.

Diese umfassen sowohl neue Dienste sowie neue Techniken auf der Basis von WLAN in Verbindung mit Sensoren und Aktoren, die massiv zunehmen werden. Das Internet of Things (IoT) hält Einzug in moderne Gebäude und immer mehr Geräte kommunizieren miteinander auf unterschiedlichen Wegen. Es entwickeln sich neue Anwendungen wie Indoor-Navigation, Asset-Tracking und Präsenzmeldesysteme. Auch die Stromversorgung mittels Power-over-Ethernet (PoE) oder Funkdienste jenseits von klassischem WLAN begegnen uns bei der Planung moderner Gebäude immer öfter. Die technischen Anforderungen an einen modernen Arbeitsplatz verändern sich. Was dies für die IT-Infrastruktur grundsätzlich bedeutet, wird erläutert. Der Aspekt der Cyber-Security wird beleuchtet. Abschließend wird ein Fazit auf Grundlage der bisher gewonnenen Erfahrungen gezogen.

Historie und aktuelle Situation

Die Anforderungen an die IT-Infrastruktur eines Gebäudes sind in den letzten 30 Jahren stetig gewachsen. Rückblickend waren die Anforderungen an das Netz vor 30 Jahren verschwindend gering. Einige MegaByte an Traffic, verursacht durch eine Handvoll E-Mails und einige Druckaufträge und Faxe waren die Hauptlast, die ein Netz in den 90ern bewältigen musste. Im neuen Jahrtausend wuchs die Anforderung an das Netz drastisch und es wurde vermehrt kommuniziert, die ersten Collaboration-Tools wie SharePoint kamen auf und auch die Produktionsumgebungen stellten vermehrt Anforderungen an das Netz. Auch die Telefonie wurde vielerorts auf IP umgestellt. Das Datenvolumen wuchs in kurzer Zeit auf viele GigaByte pro Tag an.

Wenn man sich heute die Anforderungen an ein modernes Gebäudenetz anschaut, sind die Ansprüche noch einmal drastisch gewachsen. Es drängen viele Technologien ins Netz, die man vor ein paar Jahren noch für unvorstellbar gehalten hat. Wer hätte damit gerechnet, dass der Teppich eine IP-Adresse benötigt? Ebenso wird die Kaffeemaschine in das Netz integriert. Das ist heute Realität und entsprechende Produkte wie Luminous-Carpets sind am Markt. Dies erfordert neue Organisationsstrukturen, denn wer ist denn für den elektronischen Teppich zuständig? Ist das ein Aufgabenbereich der IT oder der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA)? Wer kontrolliert die Sicherheit der Kaffeemaschine mit den entsprechenden Abrechnungen, da man den Kaffee direkt mit dem Gehalt verrechnet? Egal wer dafür zuständig ist: Man muss sich darauf gefasst machen, dass man gefragt wird, ob denn das neueste Update für den Teppich schon installiert wurde und was die Kamera der Kaffeemaschine aufnimmt (Hallo Hans, möchtest Du wie immer einen Espresso?). Auch die Anforderungen der Medientechnik an das IT-Netz des Hauses steigen ständig. Die Anforderung ein 4k-Display per Funkdienst anzusprechen kommt immer häufiger in aktuellen Planungen vor. Es muss allen Beteiligten klar werden, dass die Medientechnik ein wesentlicher integraler Bestandteil der Planung einer Gebäudeinfrastruktur ist. Die hieraus resultierenden Anforderungen sind gravierend.

Viele neue Dienste für ein Gebäude werden zukünftig aus der Cloud bezogen werden (siehe Abbildung 1). Auch wenn hier die Auffassung des Begriffs „Cloud“ oft unterschiedlich interpretiert wird, stellt dies aber auch zusätzliche Anforderungen an die Infrastruktur und die Internetanbindung, die von der IT berücksichtigt werden müssen. Wetterberichte zur Steuerung der Temperatur, Aufzugsdienste, Management des Parkraums, Buchung von Arbeitsplätzen, Catering usw. sind Dienstleistungen von externen Dienstleistern, die alle über externe Rechenzentren in das Gebäude eingesteuert werden. Entsprechend sind die notwendigen Schnittstellen herzustellen und abzusichern.

Abbildung 1: Entwicklung von lokalen Netzen in einem modernen Gebäude

Aktuell definiert die DIN EN ISO 16484-2 drei Ebenen der Gebäudeautomation. Dies sind die Leitebene, die Automationsebene und die Feldebene. Und insbesondere in letzterer kann man aktuell viele Neuerungen beobachten. Fast täglich erscheinen neue Sensoren oder Aktoren auf dem Markt (und verschwinden auch wieder), so dass man nur schwer einen Überblick behalten kann. Aber auch in der Automationsebene ist Bewegung. Immer mehr DDCs werden mit lokaler „Intelligenz“ ausgestattet, die eine Konfiguration oder Vorverarbeitung der Sensordaten ermöglichen soll. Die digitale Transformation der Immobilienbranche hat gerade erst begonnen und hat im direkten Vergleich zur IT eine Menge aufzuholen. Die zunehmende Digitalisierung der Gebäude ermöglicht die virtuelle Abbildung, den sogenannten „Digitalen Zwilling“ des Gebäudes, der den Betreiber in die Lage versetzt den Status der einzelnen Komponenten in Echtzeit zu analysieren und zeitnah darauf zu reagieren. Bei Neubauten kann dies schon ab der Planungsphase durch Building Information Modeling (BIM) unterstützt werden. Die Vision ist, dass man das Gebäude vor der Fertigstellung virtuell in Betrieb nehmen kann und auch während der Nutzung Änderungen an Komponenten am virtuellen Modell testet, bevor man sie im realen Gebäude ausrollt.

Investoren sagen der Property Technology (PropTech)-Branche gewaltige Wachstumschancen voraus. Aus diesem Grund sprießen aktuell PropTech-Startups wie Pilze aus dem Boden. Man versucht neue Nutzungs- und Bewirtschaftungskonzepte zu finden und die alten Geschäftsmodelle zu modernisieren.

Wir schaffen einen ersten Einblick in die kommenden Anforderungen dieser Technologien an das Netz der Gebäude der Zukunft. Denn eins ist sicher, alle diese Technologien beruhen darauf, dass sie untereinander kommunizieren. Ohne eine durchgängige Kommunikation ist Alles Nichts.

Indoor-Navigation, Asset-Tracking und Präsenzmelder

Eine immer häufiger gestellte Anforderung an ein neues Gebäude stellt die Indoor-Navigation oder das Asset-Tracking dar (siehe Abbildung 2). Dies hat den einfachen Grund, dass der Nutzen leicht nachvollziehbar ist und die Einrichtung verhältnismäßig günstig ist. Es lässt sich je nach Technologie auch einfach in Bestandsbauten realisieren. Bei Office-Standorten ist auch oftmals die Kombination mit einem System zur Präsenzmeldung sinnvoll. Die gängigsten Methoden zur Indoor-Navigation basieren auf Bluetooth-Beacons (Lesen Sie hierzu auch den Artikel „Bluetooth-Beacons nutzen und planen“ aus dem Netzwerk Insider August 2018) oder WLAN bzw. einer Kombination der beiden Technologien.

Abbildung 2: Grundlegende Funktion der Indoor-Navigation und des Asset-Trackings

Bei der Indoor-Navigation orientiert sich der Client an den Funksignalen aus der Umgebung. Dabei muss der Sender nicht einmal wissen, ob das Signal überhaupt empfangen wird. Der Client kennt die Position der Sender (z.B.: Beacons) und kann mittels Trilateration die eigene Position bestimmen. Clients nutzen hierzu oft noch weitere Sensordaten, meist Daten des Gyroskop Sensors aus dem mobilen Endgerät.

Beim Asset-Tracking befindet sich der Sensor an dem zu verfolgenden Gerät. Hierzu gibt es eine Vielzahl kleiner, batteriegestützter Sender. Auch hier gilt wiederum, dass der Sender nicht weiß, ob er empfangen wurde. Ein typisches Szenario ist beispielsweise das Verfolgen von Betten und OP-Wagen in einem Krankenhaus oder Packstücke in der Logistik. Hierzu muss die Infrastruktur der Umgebung in der Lage sein das Signal zu empfangen und zu verarbeiten. Diese Möglichkeit bieten bereits viele WLAN-Hersteller. Meist sind auch die Access-Point in der Lage Bluetooth Low Energie (BLE) zu senden und zu empfangen.

Für den einzelnen Nutzer kann auch die Kombination von Tracking und Navigation interessant sein, beispielsweise bei einer interaktiven Museumsführung oder einem Messebesuch. Das System kann dem Nutzer Informationen zum aktuellen Standort liefern und gleichzeitig die Route zur nächsten Station planen.

Ergänzend hierzu wird die Verwendung von Präsenzmeldern immer häufiger zum Thema. Bei vielen modernen Bürokonzepten hat der Mitarbeiter nicht mehr einen festen Arbeitsplatz, sondern arbeitet je nach Thema oder persönlicher Präferenz an unterschiedlichen Plätzen. Gerade in Shared-Desk-Umgebungen werden daher Präsenzmelder zunehmend häufiger eingesetzt. Auch ein reservierter Meetingraum, kann so bei Nichtbenutzung wieder freigegeben werden. Und ein Meetingraum der nicht genutzt wurde, muss auch nicht gereinigt werden. Dies sind wertvolle Informationen, die dem Betreiber Auskunft darüber geben können wie das Gebäude überhaupt genutzt wird. Er kann so erkennen, wo Flächen oder Ressourcen anderweitig eingesetzt werden können.

Hiervon verspricht man sich eine höhere Rendite bei der Nutzung eines modernen Bürogebäudes, da man erwartet, durch digitale Dienste höhere Mieteinnahmen und geringere Betriebskosten zu erzielen.

Als Resultat kann man festhalten, dass durch einfache Ergänzung der bisher üblichen Ausrüstung eine Vielzahl von neuen Anwendungen erdacht werden können. Es ist aber zunächst notwendig, die erforderliche Basisinfrastruktur in das Gebäude einzubringen.

Arbeitsplatz der Zukunft

Die Anforderungen an einen modernen Arbeitsplatz haben sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Heute gibt es oftmals wenige bis keine festen Geräte am Arbeitsplatz. Der Anwender nutzt meist ein Laptop mit Dockingstation und kann auch einen anderen Schreibtisch damit nutzen. Es gibt flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Regelungen. Da im Büroumfeld nahezu ausschließlich digital gearbeitet wird, ist dies auch sinnvoll und beeinträchtigt nicht die Arbeitsleistung. Dank des technologischen Fortschritts sind virtuelle Meetings heute in einer sehr guten Qualität von nahezu jedem Ort aus möglich und die eingesparte Zeit und Reisekosten wiegen in den allermeisten Fällen die Vorteile des persönlichen Meetings auf. Natürlich kann man nicht vollständig auf echte Meetings verzichten, aber sie lassen sich durch eine gute Infrastruktur stark reduzieren.

Generell ist die Frage zu stellen, ob man in Zukunft noch einen richtigen Computer mit hoher Rechenleistung benötigt, oder nicht vielleicht das Smartphone zum „Superdevice“ wird, dass alle Anforderungen erfüllt. Natürlich kann man nicht an dem kleinen Bildschirm eines Smartphones arbeiten, aber die Rechenleistung eines modernen Telefons reicht auch heute schon für nahezu alle Bürotätigkeiten aus. Die ersten Geräte dazu sind bereits im Handel, kranken aber noch an schlechter Softwareunterstützung.

Ein anderer Weg, den wir bei einigen unserer Projekte sehen, ist die komplette Virtualisierung der Arbeitsumgebung und ein „Streaming“ des Arbeitsplatzes. Damit ist man nicht mehr vom Endgerät abhängig, sondern benötigt nur noch einen Browser und eine ausreichende Internet-anbindung. Vor zehn Jahren erschien die Idee, das Fernsehprogramm komplett über das Internet zu beziehen, noch wie Science-Fiction. Heute kann man selbst in den ländlichen Gegenden Video-on-Demand-Dienste wie Netflix in sehr guter Qualität mit 4k-HDR-Videostream und Dolby-Atmos-Tonspur konsumieren.

Jetzt mag man einwenden, dass ein linearer Videostream etwas anderes als ein interaktiver Arbeitsplatz ist. Das stimmt, aber auch anspruchsvolle Inhalte lassen sich mittlerweile extern berechnen und mit erträglicher Latenz zum Endanwender bringen. Nvidia bietet den Dienst Geforce Now [1] als Beta-Version an. Dabei werden anspruchsvolle 3D-Spiele im Nvidia-Rechenzentrum berechnet und zum Endkunden übertragen. Der Client überträgt wiederum die Eingaben des Nutzers an das Rechenzentrum. Ein ähnliches Produkt bietet auch Sony mit Playstation Now [2], das es ermöglicht, hunderte von Spielen auf die heimische Playstation 4 zu streamen. Die Aufgabe, dass ein anspruchsvoller Arbeitsplatz in ausreichender Qualität als Videostream nutzbar ist, scheint also möglich und wird vielerorts bereits genutzt.

Dies führt direkt zur nächsten Frage: Wie sollte ein solcher Arbeitsplatz IT-technisch angebunden sein? Kabellos über schnelles WLAN? Oder vielleicht über Kabel und Power-over-Ethernet?

Power-over-Ethernet

Dank des neuen Standards IEEE 802.3bt [3] stehen, demnächst mehr als 70 Watt über das Ethernet-Kabel zur Verfügung. Dies sollte für einen Büro-PC samt Bildschirm ausreichend sein. Der Laptop, an dem dieser Artikel geschrieben wird, verfügt über ein 45 Watt-Netzteil, das vermutlich etwas überdimensioniert ist. Ein moderner LED-Monitor mit 27 Zoll-Bildschirmdiagonale kommt schon jetzt mit weniger als 30 Watt aus. Somit sollten 70 Watt für die überwiegende Zahl der Arbeitsplätze ausreichen. Selbstverständlich benötigt man den klassischen 230V-Anschluss im Druckerraum oder in regelmäßigen Abständen Service-Steckdosen, denn der PoE Drucker oder Staubsauger wird noch etwas auf sich warten lassen. Access-Points, IP-Telefone, Video-Kameras, Lesegeräte für den Zugang und Anzeige-Geräte an den Besprechungsräumen sind auch heute schon fast ausschließlich über PoE angebunden. Eine Technologie, die sich hier bereits bewährt hat.

Dennoch hat der vermehrte Einsatz von PoE-Komponenten Auswirkungen auf die passive und aktive Infrastrukturplanung. Die Differenz zwischen Einspeise- und Entnahmeleistung kann nahezu 20 Watt pro Kabel betragen (siehe Tabelle 1). Dieser Verlust führt zu einer nicht zu vernachlässigenden Erwärmung der Kabel, sofern diese nicht die entsprechende Qualität betragen.

Tabelle 1: Übersicht über die unterschiedlichen PoE Klassen [5]

Die Metz Connect GmbH hat unterschiedliche Kabelqualitäten im Hunderterbündel untersucht [4] und festgestellt, dass zwischen einem Bündel Cat 7a AWG22 und Cat 5 der Temperaturanstieg um bis zu 25°C Differenz betragen kann. Dabei erreicht der Temperaturanstieg im Cat 5-Kabel bis zu 40°C über Umgebungstemperatur. Somit sind Kerntemperaturen von über 70°C im Sommer möglich. Dies ist natürlich der ungünstigste Fall, der theoretisch eintreten kann. In der Praxis wird es wohl keinen Fall geben, bei dem auf allen Kabeln die maximale Leistung anfällt. Dennoch können solche Kabelbündel die Brandlast erhöhen und sollten bei der Planung berücksichtigt werden.

Aber neben den Kabeln gibt es weitere Randbedingungen für die flächendeckende Nutzung von PoE. Trotz eines guten Wirkungsgrads der Switch-Netzteile fällt in den Etagenverteilern mehr Abwärme an, die abgeführt werden muss. Dies ist in Bestandsbauten teilweise nicht realisierbar, da eine Nachrüstung der Klimatisierung mit umfangreichen Umbauten verbunden ist, deren Kosten den Nutzen übersteigen.

In einigen Projekten wurde in der Vergangenheit auch Beleuchtung über PoE realisiert. Die Hersteller bringen zurzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Lösungen auf den Markt. Dabei geht es aber nicht nur um die Beleuchtung, sondern auch um weitere Sensorik, die in den Lampen verbaut ist und dem Betreiber Rückmeldung über den Status der Räumlichkeiten gibt. So kann bei steigendem CO2-Gehalt die Belüftung gesteigert werden oder bei einem leeren Raum das Licht automatisch abgeschaltet werden. Ein CAD Arbeitsplatz, der nach DIN EN 12464-1 mit 500 Lux zu beleuchten ist, kann mithilfe der verbauten Sensoren diese Beleuchtungsstärke in Abhängigkeit von der Umgebungsbeleuchtung erreichen. Dies geht auch mit bisherigen Lösungen über externe Sensoren und Dimmer, aber PoE-Beleuchtungen sind für den Endanwender in der Regel einfacher zu konfigurieren. Der Bereich „Smart-Lighting“ kommt gerade erst auf und verspricht die Beleuchtung in Office-Umgebungen stark zu verändern.

Funkdienste

Bei Funkdiensten im Gebäude denkt jeder vermutlich zuerst an WLAN. Die Einführung von 802.11ax steht kurz bevor und wird noch einmal höhere Datenraten liefern. In modernen Gebäuden kommen jedoch eine Vielzahl weiterer Funkprotokolle zum Einsatz. Diese reichen von EnOcean über ZigBee, Z-Wave, Lemonbeat, SigFox, LoRaWAN bis zu NB-IoT. Die Zahl ist riesig und viele Hersteller kochen ihr eigenes Süppchen in Form von proprietären Lösungen. Gemeinsamkeiten haben diese Protokolle dennoch, denn sie müssen sich auf ein ISM-Band beschränken und bieten meist geringe Bitraten mit geringer Sendeleistung. Dadurch teilen sich viele dieser Protokolle das Medium und die Frequenz, was man nicht außer Acht lassen sollte.

Alle Funkdienste haben dieselbe Schwachstelle. Das „Medium Luft“ ist frei zugänglich. Auch wenn man durch eine gute Verschlüsselung verhindern kann, dass die Daten von Dritten ausgelesen werden, so kann man dennoch nicht verhindern, dass eine Störquelle auf derselben Frequenz die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger blockiert. Wer lauter schreit, gewinnt. Dies kann dann zum Problem werden, wenn die Verfügbarkeit eine zwingende Anforderung ist. Hardware zum Lahmlegen von Funkdiensten lässt sich leicht für sehr wenig Geld aus einschlägigen Quellen beziehen. Professioneller kann man dies mit einem Software Defined Radio (SDR) angehen. Hier ist etwas mehr Knowhow und Geld erforderlich, aber auch diese Hürde ist recht niedrig. Ein Ettus B210 SDR ist in der Vollausstattung für ca. 2000$ zu beziehen und erfreut sich einer hohen Beliebtheit mit einem großen Angebot fertiger Bibliotheken. Dadurch bietet es eine Vielzahl von Möglichkeiten in einem Frequenzbereich von 70 MHz bis 6 GHz. Wir nutzen dieses Gerät ebenfalls zur Untersuchung unterschiedlicher Funksignale. Das Signal eines EnOcean-Schalters mitzuschneiden und erneut zu senden, eine sogenannte Replay-Attacke, war innerhalb kürzester Zeit umgesetzt und man konnte damit das Licht an- und ausschalten.

Aber es muss ja nicht einmal ein bösartiger Angriff von Dritten sein, der dafür sorgt, dass das eigene Funknetz nicht so funktioniert wie erwartet. In vielen Projekten entdecken wir, dass Funk-Infrastrukturen schlecht oder gar nicht geplant sind. Dies kann fehlerhaftes bzw. lückenhaftes WLAN bedeuten, oder auch einen nicht funktionierenden Lichtschalter zur Folge haben. Wenn das Gebäude über EnOcean-Lichtschalter verfügt (868,3 MHz), kann es dazu kommen, dass ein Telekom-Mobilfunkgerät mit schlechtem LTE-Empfang Einfluss auf das Signal hat. Der Telekom-LTE-Uplink liegt bei 832 bis 862MHz und kann das sehr schwache Signal des Lichtschalters stören, wie im Artikel „Funktechniken für das Internet der Dinge“ in der Netzwerk Insider-Ausgabe September 2018 beschrieben.

Auch in der Medientechnik wird immer mehr dazu übergegangen, drahtlose Verbindungen zu verwenden. Vor ein paar Jahren waren das nur einige Funkmikrophone. Heute kommt immer häufiger die Anforderung ein Videosignal, oftmals sogar in 4k, drahtlos zu übertragen. Hierfür gibt es ein breites Angebot von Produkten, die aber alle auf das ISM-Band bei 2,4 GHz oder 5 GHz zugreifen. Die Probleme mit dem WLAN sind damit vorprogrammiert. Natürlich gibt es hierfür professionelle Lösungen, die sich konfigurieren oder sogar in das eigene WLAN einbinden lassen. Allerdings kosten diese meist deutlich mehr als vergleichbare Produkte aus dem Consumer-Bereich. Das führt dazu, dass ein günstiges Produkt angeschafft wird, ohne dass die IT darüber informiert wird. Es hat ja immerhin beim Test im Elektronikmarkt funktioniert. Im täglichen Produktiveinsatz wundert man sich dann aber über das schlechte WLAN-Signal im Raum und die IT darf den Fehler suchen.

Daher sind wir in unseren Projekten dazu übergegangen, ein Funkfrequenzkataster zu führen, bei dem sämtliche Funkquellen einzutragen sind. Dies wird an zentraler Stelle gepflegt und es gibt einen Verantwortlichen für dieses Dokument. Es ist immer wieder überraschend, welche Geräte sich dort wiederfinden. Neben dem eigenen WLAN findet man dann auch die Mikrowelle der Teeküche oder den Bewegungsmelder des Alarmsystems. Beides mit einer Frequenz von 2,4 GHz. Solche Störquellen übersieht man oftmals und hier kann das erwähnte Funkfrequenzkataster oftmals sehr hilfreich sein.

Cyber-Security

Bei all den bisher genannten Herausforderungen wurde die Cyber-Security noch nicht berücksichtigt. In einigen Projekten ist aufgefallen, dass die IT die Verantwortung der Gebäudekomponenten bei der TGA sieht. Diese hält das Thema Cyber-Security für eine Aufgabe der IT und ignoriert es. Im schlimmsten Fall ist dann niemand zuständig und so ist Hackern Tür und Tor geöffnet. Ein intelligentes Gebäude ist jedoch ein interessantes Ziel für Angriffe. Einerseits hat es in der Vergangenheit Fälle gegeben, bei denen Hacker Teile des Gebäudes lahmgelegt haben und erfolgreich Geld erpresst haben. Andererseits kann ein nichtfunktionierendes Bürogebäude aber auch schnell großen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Von dem Image-Schaden ganz zu schweigen.

Selbst wenn man nicht das Ziel eines direkten Angriffs wird, besteht die Gefahr, dass die verbauten IoT-Komponenten zu Teilen eines Bot-Netzes werden und sich an Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffen auf andere Systeme beteiligt. Auch dies hat es in der Vergangenheit gegeben. Beim Mirai Bot-Netz wurden überwiegend IP-Kameras gekapert und waren in der Lage am 21. Oktober 2016 den DNS-Provider Dyn lahmzulegen [6]. Man konnte hierbei 1,3 TeraBit an Traffic erzeugen. Ein neuer Rekord.

Auch eine Wohnanlage in Finnland ist ein erschreckendes Beispiel [7]. Hier wurde die Steuereinheit des Heizungssystems mittels DDoS-Attacke angegriffen. Der Effekt war, dass die Anlage neugestartet ist und direkt wieder angegriffen wurde und neugestartet ist…

Problematisch war dabei, dass während des Neustarts des Systems nicht geheizt wurde. Wenn eine solche Attacke im finnischen Winter über mehrere Tage erfolgt, ist im besten Fall mit einem Schaden am Gebäude zu rechnen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Personenschäden.

Diese Beispiele verdeutlichen die Wichtigkeit von Cyber-Security für die Gebäudetechnik.

Nur leider ist der Schutz eines intelligenten Gebäudes kein triviales Unterfangen. Die Vielzahl von Komponenten und Protokollen macht es schwierig den Überblick zu behalten. Wenn nun eine Sammlung von Sicherheitslücken wie BlueBorne [8] im September 2017 veröffentlicht wird, ist es sogar schon schwer zu beurteilen, ob oder wie stark man davon betroffen ist. Denn welche Bluetooth-Version nutzt denn aktuell das verbaute Türschloss oder den Präsenzmelder? Gibt es hierfür noch Patches? Oder existiert der Hersteller eines zwei Jahre alten Geräts überhaupt noch?

Im Moment gibt es keine Richtlinie oder Norm, die sich explizit mit der Cyber-Security von Gebäuden beschäftigt. Daher kann man sich nur an bestehenden Richtlinien orientieren, wie der ISO 27001 oder ISO 27002, die als Standard für ein Information Security Management System (ISMS) sehr allgemeine und nichtgebäude- oder industriespezifische Standards darstellen. Auf dieser Basis gibt es die IEC 62443-Standardfamilie, die speziell für Industrieumgebungen erarbeitet wurde. Dies ist ein guter Einstieg, da die Schnittmenge zwischen einem modernen Gebäude und einer Produktionsanlage größer ist, als man auf den ersten Blick annehmen mag. Der BSI-IT-Grundschutz wird aktuell modernisiert, ist aber eher auf den deutschen Sprachraum beschränkt. Man kann ihn daher oftmals nicht mit Startup-Produkten in Einklang bringen.

Ein global anerkannter Standard wäre aber dringend nötig, denn bei einer großen Menge der innovativen PropTech-Produkte steht die Entwicklung der Sicherheit erstmal nicht im Focus. Man muss schnell ein Produkt auf den Markt bringen und sich Marktanteile sichern. Dann werden die offensichtlichsten Fehler behoben und weitere Features implementiert. Security kommt später. Da würde es helfen, wenn man sich auf einen Standard berufen könnte und diesen dann in Ausschreibungen fordert. Hier kommt man nun zu einem Henne-Ei-Problem. Ein guter Standard, den keiner kennt und fordert, wird kaum ein Anbieter erfüllen wollen. Dafür ist dies zu teuer und zu mühselig. Und ein Standard, den kein Anbieter erfüllt, kann man schlecht als Ausschluss-Kriterium ausschreiben, wenn man dadurch am Ende kein einziges Angebot erhält. Man sollte damit beginnen, dass man einen Standard als optionales Kriterium fordert und somit erstmal das Bewusstsein der Anbieter dafür schärft. Vielleicht kann man dadurch den einen oder anderen Anbieter motivieren sich näher mit dem Thema Cyber-Security zu beschäftigen.

Fazit und Ausblick

Die Herausforderungen an ein modernes Gebäudenetz sind enorm. Aufgrund der zurzeit stattfindenden digitalen Transformation der Gebäudetechnik ist es schwer, exakte Vorhersagen zu treffen. Wir können aber sicher sein, dass die Zahl der IoT-Komponenten in modernen Gebäuden drastisch steigen wird. Die Einflüsse und Anforderungen an das Netz wurden in den vorigen Abschnitten kurz angerissen. Jeder der Bereiche ist für sich so umfangreich, dass er den Rahmen eines einzelnen Artikels sprengen würde.
Die TGA und IT teilen sich meist schon jetzt zumindest die passive Infrastruktur. Eine gemeinsame Nutzung von Aktivkomponenten ist nicht nur aus ökonomischer Sicht sinnvoll, sondern kann auch den Betrieb vereinfachen, sofern man sich miteinander abstimmt. Hier sind neue Betriebskonzepte erforderlich, die den einzelnen Belangen gerecht werden.

Über all diesen Herausforderungen schwebt dann schlussendlich das Thema Cyber-Security, für das sich nach unseren bisherigen Erfahrungen oftmals niemand zuständig fühlt. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Cyber-Security ein eigenes Gewerk wird an dem IT und TGA zusammenfinden. Es darf keinen Betrieb einer Schatten-IT auf der Seite der TGA geben und auch die IT muss die Richtlinien und Vorgaben der Security unterstützen und umsetzen. Nur so kann man ein funktionierendes, zukunftsfähiges und sicheres Gebäude betreiben.

Es sollte einem auch zu denken geben, dass sich zurzeit wieder ein neues, großes Bot-Netz formiert. Was gerade mit dem IoTroop bzw. IoT-Reaper-Netz auf uns zu kommt, ist noch nicht abzusehen. Man kann aber davon ausgehen, dass man die Auswirkungen auf der ganzen Welt zu spüren bekommt.
Verweise

[1] https://www.nvidia.com/de-de/geforce/products/geforce-now/
[2] https://www.playstation.com/de-de/explore/playstation-now/
[3] https://standards.ieee.org/standard/802_3bt-2018.html
[4] https://www.metz-connect.com/de
[5] http://ethernetalliance.org
[6] https://krebsonsecurity.com/tag/mirai-botnet/
[7] http://metropolitan.fi/entry/ddos-attack-halts-heating-in-finland-amidst-winter
[8] https://armis.com/blueborne/

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