aus dem Netzwerk Insider März 2026
Wir haben es wahrscheinlich alle mitbekommen: Arbeitsspeicher und SSDs werden aktuell immer teurer. Innerhalb von weniger als 3 Monaten haben sich die Preise für RAM im Server-Bereich mehr als verdoppelt, und auch SSDs sind nicht von Preiserhöhungen verschont geblieben. Zusätzlich hat Western Digital (WD) gerade kommuniziert, dass nahezu alle 2026(!) produzierten, drehenden Platten bereits verkauft sind.
Die Ursache
Wie viele aktuelle Entwicklungen in der IT, so sind auch die Preiserhöhungen bei RAMs, GPUs, SSDs und demnächst vielleicht HDDs auf den aktuellen KI-Hype zurückführen: Die für einen vermeintlichen Fortschritt benötigten und immer größeren KI-Modelle haben einen unstillbaren Hunger auf Speicher in all seinen Formen – sei es extrem schneller Speicher für Beschleuniger, Arbeitsspeicher oder Speicher, auf dem die Trainingsdaten abgelegt werden sollen. Zusammen mit den aktuellen Planungen für riesige Rechenzentren ergibt sich eine enorme Nachfrage, während das Angebot bisher zwischen großen und kleinen Kunden aufgeteilt wurde. Da aber die Marge im Bereich KI viel höher ist und das Geld (noch) locker sitzt, können die Hersteller von Speicherbausteinen nahezu beliebige Preise verlangen.
Was bedeutet das für „normale“ Unternehmen?
Schauen wir uns die Auswirkungen an einem Beispiel an: Immer mehr Virtualisierungslösungen setzen auf verteilten Storage, bei dem in den Servern verbaute Speichermedien (typischerweise SSDs) zu einem gemeinsamen Storage zusammengefasst werden, ohne einen dedizierten, zentralen Speicher zu benötigen. Durch die Preiserhöhungen können die Mehrkosten für einen typischen Server zwischen 25 und 50 % liegen!
Je größer die CPU und je kleiner RAM und lokaler Storage, desto weniger macht die Preiserhöhung aus. Die Tendenz geht jedoch zu Servern mit mehr Arbeitsspeicher und Storage, besonders bei KI-Systemen. Auch bei den GPUs steigen die Preise langsam, da sie ebenfalls RAM benötigen.
Insgesamt zeigt sich also, dass der aktuelle KI-Hype auch signifikante Auswirkungen auf andere Bereiche und Firmen hat, die ihre Server-Landschaft erneuern oder erweitern möchten.
Die Auswirkungen auf Privatleute
Für normale Privatleute, die alte Systeme erneuern, oder Gamer, die in 4k spielen wollen, ist die Situation ähnlich: Die Preise für PCs und schnelle Gaming-Rechner haben sich etwa verdoppelt. Die Hersteller von Arbeitsspeicher greifen für Privatkunden nicht umsonst wieder zu DDR4- und teilweise DDR3-RAM, sodass alten Systemen noch eine kleine Gnadenfrist bleibt.
Ist ein Ende der Preisspirale in Sicht? Meiner Meinung nach nicht direkt.
Der Ausbau der Kapazitäten kommt! Aber langsam…
Micron, der aktuell drittgrößte RAM-Hersteller, mit einem Marktanteil von 25,7 %, möchte seine Produktionskapazitäten aufgrund der aktuellen Marktlage stark ausbauen. Doch geht das in der Halbleiterindustrie nicht von heute auf morgen. Der Aufbau und die Kalibrierung der notwendigen Maschinen sind sehr aufwendig, und auch zwischen dem Beginn einer Produktion für einen Wafer bis hin zum fertigen RAM-Baustein gehen mehrere Monate ins Land. Micron geht aktuell davon aus, dass der RAM aus den neuen Produktionsanlagen erst im zweiten Halbjahr 2027 verfügbar sein wird.
Wie lange hält der Goldrausch?
Es gibt einen weiteren Faktor, den man nicht außer Acht lassen sollte: Wie lange wird sich der KI-Hype so rasant weiterentwickeln, wie er es aktuell tut? Mehr und mehr Finanzinstitute und sogar KI-Firmen sprechen von einer Blase, die irgendwann platzen könnte. Angesichts der aktuell in KI investierten Summen wären die Auswirkungen weitreichend.
Eine mögliche positive Folge für Unternehmen und Privatleute: Wenn es so weit ist, könnte Hardware wieder deutlich günstiger werden, doch wie lange das dauert, ist noch unklar.
Und egal, wie die Lage sich entwickelt, KI ist gekommen, um zu bleiben. Dafür hat sie sich zu sehr in unseren Alltag integriert.
Fazit
Wir müssen aktuell mit höheren Preisen für Server und Clients rechnen, sowohl in Unternehmen als auch privat, und weitere Preissteigerungen sind sogar wahrscheinlich. Wie lange diese Situation anhält, lässt sich nur schwer abschätzen. Die Hersteller der zugrunde liegenden Bausteine, insbesondere RAM und Flash, haben die Situation erkannt und wollen gegensteuern, doch das wird Zeit brauchen. Um es mit der Schifffahrt zu vergleichen: Während wir ein Schnellboot bräuchten, das zügige Ergebnisse erzielt, agiert die Halbleiterindustrie eher wie ein riesiger Öltanker, der nur langsam reagieren kann.




