10 Gbit/s bis zum Arbeitsplatz?

Behrooz Moayeri

Nach wie vor gibt es einen signifikanten Preisunterschied zwischen Switches mit Gigabit Ethernet Ports für Endgeräte und solchen, die Downlinks mit mehr Bitrate (2,5 Gbit/s, 5 Gbit/s oder 10 Gbit/s) haben. Lohnt sich angesichts des Mehrpreises die Investition in die teureren Switches? 

Leistungsfähigere Endgeräte 

Verschiedene neue Entwicklungen müssen berücksichtigt werden. Erstens werden die Endgeräte immer leistungsfähiger, sowohl was die Prozessoren als auch was den Speicher betrifft. SSDs ersetzen HDDs immer mehr. Das Endgerät der Zukunft kann daher mehr als 1 Gbit/s nutzen, wenn eine Anwendung dies erfordert. 

Wenn aber eine Anwendung hauptsächlich Ressourcen in Clouds oder geografisch entfernten Rechenzentren nutzt, bringt die Endgeräteanbindung mit mehr als 1 Gbit/s wenig, denn der Flaschenhals wird meistens die Cloud- bzw. die WAN-Anbindung sein. 10 Gbit/s bis zum Arbeitsplatz kann nur sinnvoll genutzt werden, wenn der ganze Übertragungspfad mindestens mit 10 Gbit/s ausgelegt ist. Und sicherlich ist es nicht sehr sinnvoll, wenn hunderte Endgeräte jeweils mit 10 Gbit/s angebunden sind, sich für die Kommunikation mit zentralen Ressourcen aber eine einzige Leitung mit derselben Bitrate teilen müssen. 

Die Situation stellt sich jedoch anders dar, wenn es neben Cloud- und WAN-Zugriffen auch intensive Kommunikation mit lokalen Ressourcen gibt. Eine Software-Verteilung bzw. das Update und Booten von einem Bootserver verlaufen schneller, wenn zwischen dem Endgerät und dem Server ein durchgängiger 10Gigabit-Pfad genutzt werden kann. 

Auswirkungen neuer WLAN-Entwicklungen 

Zu berücksichtigen sind auch neue Entwicklungen im WLAN. IEEE 802.11ax verändert die Zellenplanung dahingehend, dass erstens mehr Access Points erforderlich sind und zweitens die Access Points im Uplink mehr als 1 Gbit/s brauchen. Das war einer der Beweggründe für die Entwicklung der mGig-Schnittstelle zum Beispiel mit 2,5 Gbit/s. Access Points brauchen aber auch Power over Ethernet, und das mit zunehmender Leistung. Switches mit und ohne PoE bzw. Switches mit mehr oder weniger PoE-Leistung unterscheiden sich im Preis deutlich. 

Einheitliche versus gemischte Lösungen 

Ein weiterer Faktor, der sich auf die Preise von Switches auswirkt, ist die Bestückung mit Uplinks. Die Bitrate und Anzahl von Uplinks wirkt sich auf den Switch-Preis aus. 

Man kann sich entweder für eine einheitliche Lösung oder eine Mischlösung entscheiden. Die einheitliche Lösung richtet sich nach den anzubindenden Geräten mit dem größten Bedarf an Bitrate und PoE-Leistung. Dazu werden Switches mit mGig und PoE+ an allen Endgeräte-Ports sowie mit n x 10 Gbit/s an Uplink-Leistung eingesetzt. Die Kosten für Switches können mit einer Mischlösung reduziert werden, indem mGig und PoE+ nur auf einem Teil der Switches unterstützt werden. Eine Mischlösung verursacht jedoch einen Mehraufwand im Betrieb. 

RZ-Design: Netz, Server, Storage, Virtualisierung 24.06. - 25.06.20 in Bonn oder online

In diesem Seminar wird auf viele, teils revolutionäre Neuerungen eingegangen, mit Folgen für Aufbau und Bereitstellung von RZ-Ressourcen. Dabei wird Ihnen eine Einschätzung aktueller Technologien vermittelt, die auf langjähriger Erfahrung basiert.

Der Netzwerk Insider gehört mit seinen Produkt- und Markt-Bewertungen rund um IT-Infrastrukturen zu den führenden deutschen Technologie-Magazinen. Der Bezug des Netzwerk Insiders ist kostenlos.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.