5G-Mobilfunk – selbstgebaut?!

05.01.2019 / Dr. Joachim Wetzlar / Senior-Berater

aus Netzwerk Insider Ausgabe Januar 2019

„5G“ ist derzeit wieder in aller Munde. Das liegt vor allem daran, dass die Bundesnetzagentur demnächst zwei Mal 60 MHz bei 2 GHz und den Bereich 3,4 bis 3,7 GHz versteigern will. Bis zum 25. Januar können sich die interessierten Unternehmen dafür bewerben. Über die Auflagen ist viel diskutiert worden, insbesondere über die Verpflichtung, bis Ende 2022 mindestens 98% der Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s über Mobilfunk versorgen zu müssen. Interessant dabei ist, dass jetzt nur so genannte „Kapazitätsfrequenzen“ versteigert werden, man aber für die Versorgung der ländlichen Gebiete „Flächenfrequenzen“ benötigt, also Frequenzen unter 1 GHz, die gute Reichweiten und Durchdringung von Gebäuden versprechen. Diese Frequenzen sind aber bereits an die Provider vergeben.

Ein wenig abseits der öffentlichen Diskussion beobachten wir inzwischen Aktivitäten zur Belebung der „Frequenzen für das Betreiben regionaler und lokaler drahtloser Netze zum Angebot von Telekommunikationsdiensten“, wie sie von der Bundesnetzagentur bezeichnet werden (vgl. https://www.bundesnetzagentur.de/lokalesbreitband). Insbesondere für den Bereich von 3,7 bis 3,8 GHz scheinen sich viele zu interessieren. Die Anhörung im vergangenen September erbrachte mehr als 70 Kommentare von Verbänden, Telekom-Ausrüstern, Verkehrsbetrieben, Industrieunternehmen, Mobilfunk-Providern und anderen.

Wenig verwunderlich ist, dass die Provider sich ablehnend zu der Idee äußern, Mobilfunkfrequenzen anderen als den Providern zur Nutzung zu überlassen (und das sogar ohne Versteigerung). Interessanter finde ich jedoch, dass sich einige Unternehmen – insbesondere die Automobilindustrie – im Rahmen der Anhörung ziemlich konkret zu ihren Plänen bezüglich 5G äußern. Zwei Beispiele daraus erscheinen mir erwähnenswert:

  • Drahtlose Anbindung von Industrierobotern: Zur Steuerung solcher Systeme werden kurze und vor allem garantierte Antwortzeiten benötigt („Echtzeitfähigkeit“). Bisher ließ sich das vor allem mit Feldbussen bzw. deren Ethernet-Varianten sicherstellen. Allzugern würde man auf drahtlose Techniken umschwenken, weil die weitgehend wartungsfrei sind. WLAN ist dafür jedoch nur bedingt geeignet (über das Leid mit dem WLAN in der industriellen Fertigung habe ich Ihnen an dieser Stelle bereits des Öfteren berichtet).
  • Kommunikation mit dem Fahrzeug während der Endmontage: Die zahlreichen Steuergeräte sind mit aktueller Firmware zu betanken, die digitale Bedienungsanleitung ist aufzuspielen und an verschiedenen Positionen (Befüllstation, Bremsenprüfstand, etc.) muss das Fahrzeug mit Steuerungen am Band kommunizieren. Das alles wird heute mit WLAN mehr schlecht als recht gelöst. Und zukünftig wird jedes Fahrzeug sowieso ein 5G-Funkgerät enthalten, um die schönen neuen Anwendungen auf der Straße (autonomes Fahren, etc.) zu bedienen. Man hätte also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Und tatsächlich haben meine Kunden erste Testszenarien aufgebaut. Man hat Mobilfunk-Cores eingerichtet und Basisstationen daran angeschlossen, alles noch mit 4G-Technik. Die Endgeräte erhalten spezielle SIM-Karten, mit denen sie sich in diese Netze einbuchen können. Und auch erste Abschätzungen für die benötigten Bitraten wurden gemacht. Alles in allem wird man für die geschilderten Zwecke in einer Produktionshalle ähnlich viele 5G-Basisstationen benötigen, wie WLAN Access Points.

Ihr Unternehmen wird damit also zum Mobilfunk-Provider. Die Verantwortung für den Betrieb wird der IT-Infrastruktur zufallen. Fragt sich, woher die das erforderliche Know-how nimmt. Denn – das ahnen Sie nach dem Studium zahlreicher Artikel von Herrn Dr. Kauffels – Mobilfunk ist komplizierter als LAN und WLAN. Insbesondere ändern sich die zugrundeliegenden Protokolle mit jeder Mobilfunkgeneration. War es am Anfang leitungsvermittelte Technik wie bei der Telefonie, wurde es spätestens mit 4G IP-basiert. Und 5G schließlich führt virtuelle Netze ein. Vergleichen sie das mit der Langlebigkeit von TCP/IP, Ethernet und (sogar) WLAN!

Das selbstgebaute 5G-Netz wird also eine Herausforderung. Wie der begegnet werden kann und welche Fallstricke auf dem Weg dorthin lauern, werden wir in den kommenden Jahren lernen. Wir bleiben am Ball und werden berichten.

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