Cloud first für alle?

15.08.2019 / Cornelius Höchel-Winter / Referent / Senior-Berater

Cornelius Höchel-Winter

Microsoft legt beeindruckende Quartalszahlen vor und übertrifft mit 13 Millionen aktiven Teams-Benutzer pro Tag sogar Dauerkonkurrent Slack. CEO Nadella führt den Höhenflug auf seine „Cloud first“-Vorgabe zurück. Taugt diese Strategie als Vorbild für alle Unternehmen? Wichtig ist, dass Sie festlegen, was Sie in und mit der Cloud erreichen wollen, wie Sie Ihr Unternehmen mit Cloud Computing erfolgreicher machen können. Hierzu gehört eine Vision und klare Strategie zu den Funktionsblöcken Digitalisierung, Kommunikation und Kollaboration, Sicherheit. Ohne Cloud Computing wird es zukünftig nicht mehr gehen. 

 

Woran erkennt man, dass eine Geschäftsstrategie erfolgreich ist?  

Beeindruckende Quartalszahlen, die maßgeblich aus dem Cloudgeschäft kommen, der Aktienkurs auf Rekordniveau, mehr als 13 Millionen aktive Teams-Benutzer pro Tag und mehr als 19 Millionen pro Woche und damit den (US-amerikanischen) Hauptkonkurrenten Slack überholt, das waren die Meldungen, über die seit Wochen im IT-Markt heiß diskutiert wird – Microsoft strotzt dieser Tage vor Stolz (https://www.microsoft.com/en-us/microsoft-365/blog/2019/07/11/microsoft-teams-reaches-13-million-daily-active-users-introduces-4-new-ways-for-teams-to-work-better-together/).  

Und natürlich soll die Reise weiter gehen: Microsoft will seine Investitionen für den Bau neuer Rechenzentren weiter erhöhen und auch die Betriebskosten sollen um elf bis zwölf Prozent steigen. Gleichzeitig verspricht das Unternehmen zweistellige Zuwächse beim Betriebsergebnis für das kommende Geschäftsjahr.  

Die guten Geschäftsergebnisse sind insbesondere auf wachsende Umsätze bei den Azure Webdiensten und Office 365 zurückzuführen. Immer mehr Kunden führen immer schneller cloudbasierende Dienste und Software-Produkte wie Office 365 in ihren Unternehmen ein.  

Deutschland ist hier keine Ausnahme. Der aktuelle „Cloud Monitor“ (https://www.bitkom.org/sites/default/files/2019-06/bitkom_kpmg_pk_charts_cloud_monitor_18_06_2019.pdf), eine Publikation der Bitkom Research GmbH und der Unternehmensberatung KPMG, die auf regelmäßige, repräsentative Befragungen von deutschen Wirtschaftsunternehmen beruht, stellt fest, dass in 2018 73% der Unternehmen bereits Cloud Computing nutzten und weitere 19% den Einsatz planten oder diskutierten. Dabei bestätigen fast alle diese Unternehmen, dass Cloud Computing einen mehr oder weniger großen Teil zur Digitalisierung ihrer Unternehmen insgesamt und ihrer Geschäftsprozesse im Besonderen beigetragen hat.  

Anwendungen und Prozesse in den Bereichen Big Data, IoT (Internet of Things), E-Commerce und KI-basierende Anwendungen wie Sprach- und Bilderkennung lassen sich kaum ohne eine geeignete, auf Cloud Computing basierende Architektur und mit Ressourcen aus der Cloud realisieren. Und gerade hier konzentriert sich der Markt immer mehr auf die großen Provider wie Amazon, Google oder eben Microsoft.  

Das andere große Thema sind Public Clouds und Software as a Service (SaaS). Office 365 ist in diesem Markt zweifellos die bekannteste und gleichzeitig auch umfangreichste Produktsuite, die es derzeit gibt. Ja, Microsoft nutzt hier ziemlich unverblümt die eigene Dominanz bei den klassischen Office-Produkten wie Word, Excel, PowerPoint und Outlook und drängt die Kunden mit Macht in die Cloud.  

Microsoft macht das nicht ungeschickt. Die genannten klassischen Office-Produkte kann man weiterhin lokal auf den Clients installieren und ohne Cloud nutzen. Den Unterschied machen zusätzliche Funktionen und Anwendungen, die entweder nur in Verbindung mit der Cloud zur Verfügung stehen (z. B. Dokumentenkollaboration) oder die on-premises nur mit großem Aufwand und fragwürdigem Erfolg nachgebaut werden könnten (Versionierung, Klassifizierung, sichere E-Mail-Kommunikation, Data Loss Prevention (DLP) etc.). Gerade Teams entwickelt sich zunehmend zum Zugpferd für Office 365. Mit Teams steht ein modernes und sehr leistungsfähiges Kommunikations- und Kollaborationstool zur Verfügung, das Chat, Sprach- und Videokommunikation, Conferencing, Dokumentenverwaltung und mehr an einer zentralen Stelle zusammenführt und gleichzeitig dem aktuellen Trend zu einer teamorientierten, hierarchiefreien Zusammenarbeit folgt.  

Und Teams gibt es nur aus und mit der Cloud!  

Für Microsoft ist Teams inzwischen sicherlich der wichtigste Baustein in Office 365 und dementsprechend liegt auch der Entwicklungsschwerpunkt: Teams ist mittlerweile in immerhin in 53 Sprachen und 181 Märkten verfügbar und nahezu wöchentlich werden neue Funktionen und Erweiterungen angekündigt oder in Betrieb genommen, zuletzt beispielsweise „priority notifications“ für zeitkritische Nachrichten, Lesebestätigungen, kanal– und teamübergreifende Nachrichten, moderierte Kanäle und eine ganze Reihe partnergetriebener Lösungen.  

Für Microsoft ist „Cloud first“ also eine Erfolgsgeschichte. Aber macht „Cloud first“ auch für Ihr Unternehmen Sinn?  

Diese Frage ist nicht einfach und definitiv nicht allgemein zu beantworten. Wichtige Fakten sind:  

  • Die Attraktivität der Cloud steigt mit jedem Schritt, den Sie in Richtung Cloud machen.
    Sobald Sie auch nur eine Anwendung in der Cloud betreiben, müssen Sie sich bereits einem umfangreichen Basispaket aus Infrastrukturanforderungen, Zugangsregeln, Sicherheitspolicies, Cloud-Compliance, Mitarbeiterschulungen und mehr stellen und die Probleme lösen. Weitere Aktivitäten in der Cloud folgen dann meist wie von selbst.  
  • Es macht für viele Unternehmen einfach keinen Sinn, neben einer cloudbasierenden Lösung eine zusätzliche Infrastruktur für gleichartige Aufgaben auch on-premises zu betreiben. Das betrifft die Daten- und Dokumentenhaltung genauso wie E-Mail-Lösungen oder Sicherheitslösungen à la Webproxy.  
  • Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Anwendungen, die es so nur als Cloud-Anwendungen gibt! Sie können Anwendungen wie Microsoft Teams, wie Salesforce, wie box.com nicht on-premises in Ihrem Rechenzentrum betreiben!  
  • Der größte Hemmschuh bei der Nutzung von Public Clouds ist nach wie vor die Angst vor Daten- und Know-How-Verlust. Auch wenn laut dem Informationsdienst Bloomberg Microsoft bei vielen Investoren in einer Zeit, in der US-amerikanische und europäische Behörden IT-Provider zunehmend kritischer überwachen, als „safe haven“ betrachtet wird, für deutsche Unternehmen ist die Konformität mit der DSGVO das wichtigste Auswahlkriterium für Cloud-Provider überhaupt (Quelle: „Cloud Monitor“, Link oben).
    Und hier besteht mangels höchstrichterlicher Urteile nach wie vor eine große Rechtsunsicherheit.   
  • Die großen Versprechen hinsichtlich Flexibilität, Skalierbarkeit und geografischer Erreichbarkeit von Cloud-Anwendungen werden sicherlich erfüllt. Aber Cloud-Anwendungen sind nicht einfach Anwendungen auf einem fremden Rechner! Cloud-Anwendungen basieren zwingend auf einer für die Cloud geeigneten, meist auf Microservices beruhenden Software-Architektur. Das heißt, bestehende Anwendungen müssen in der Regel von Grund auf neu entwickelt werden!   
  • Microsoft Skype for Business Online ist ein gutes Beispiel hierfür: Microsoft trennt sich nicht ohne Not von Skype for Business Online, das Produkt skaliert einfach nicht, Teams ist auf der Basis von Microservices komplett neu konzipiert.  

Die eigentlich spannende Frage lautet daher: Was wollen wir in und mit der Cloud eigentlich erreichen, wie machen wir unsere Unternehmen mit Cloud Computing erfolgreich(er)?  

Hierzu gehört eine klare Vision, die von allen Beteiligten geteilt wird und klare Vorgaben zu den drei wichtigsten Themenblöcke für eine solche wie auch immer geartete Cloudstrategie:  

  • Digitalisierung  
  • Kommunikation und Kollaboration  
  • Sicherheit  

ComConsult begleitet Sie bei diesen wirklich fundamentalen Entscheidungen. In einer ganzen Reihe von Veranstaltungen im kommenden Halbjahr werden wir uns diesen Themen stellen. Versäumen Sie es nicht, uns zu besuchen.  

Der Arbeitsplatz der Zukunft: Gestaltung, Effizienz, Infrastruktur-Anforderungen und notwendige Entscheidungen
29.10.2020 in Köln

Der Arbeitsplatz der Zukunft wird anders aussehen müssen als bisher üblich. Das verlangt nach einem Fundament, das jetzt geschaffen werden muss. Dies betrifft nicht nur die Ausstattung neuer Gebäude mit passenden Infrastrukturen, sondern alle existierenden Büro-Arbeitsplätze. Weitreichende Entscheidungen über eine veränderte technische Ausstattung des Arbeitsplatzes sind erforderlich.

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