Das Fax stirbt! … stirbt nicht! … stirbt! … stirbt nicht! …

14.08.2019 / Markus Geller / Referent

Wer sich bei den bekannten Streamingdiensten im Netz umschaut, der stellt seit einigen Jahren fest, dass das Genre des Untoten oder Zombies sich einer stetig wachsenden Beliebtheit erfreut. 

Ähnlich geht es den Betreibern von TK-Plattformen. Seit Jahren hören sie von allen Seiten, dass ihre FaxLösung keine Zukunft mehr hat, aber mangels Alternativen doch weiter betrieben werden muss. 

Nun haben die Probleme mit der Einführung der NGN Backbones der Provider wie erwartet stark zugenommen, aber es gibt immer noch keine etablierte Methode, um das Fax in Gänze abzuschaffen. 

Die bekannten Maßnahmen wie die Reduzierung der Übertragungsgeschwindigkeit, die Nutzung von FEC (Forward Error Correction) oder T.38 inkl. Redundancy Messages können zwar die Symptome lindern, aber eine Heilung ist nicht möglich. 

Das liegt wiederum an der Kette aller Beteiligten einer FaxÜbertragung.  

Um eine funktionierende und erfolgreiche Ende-zu-Ende-Kommunikation beim Fax zu gewährleisten, müssen alle Parteien eine einheitliche, technische Basis unterstützen, woran die Übertragung am Ende scheitert, da immer einer mitspielt, der die geforderte Einheitlichkeit nicht zur Verfügung stellen kann. 

So kann es sein, dass ein empfangendes Fax-Gerät FEC nicht aktiviert hat und der Betreiber dieses Geräts keine Ahnung hat, wie man eine solche Fehlerkorrektur aktiviert. Eine durchgängige T-38-Lösung würde viele Probleme lösen. Dafür müsste aber die gesamte Übertragungskette aller beteiligten Provider T.38 unterstützen. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen unterstützt aber zum Beispiel der Provider Deutsche Telekom keine T.38-Übertragung beim Übergang zu Netzen der anderen Provider in Deutschland. 

Ein erster Schritt, dem Problem entgegenzutreten, wäre der Umstieg auf Fax-Server und die Eliminierung aller alten analogen FaxLösungen und der dazugehörigen Analog Terminal Adapter (ATA). 

Damit würde eine durchgehende IPVerbindung begünstigt und verfügbare Redundanztechniken automatisch nutzbar. 

Allerdings endet eine solche Handlungsempfehlung gewöhnlich an der Unternehmensgrenze. 

Jedwede FaxKommunikation jenseits dieser Grenze bleibt weiterhin dem Prinzip Zufall überlassen. 

Der Markt hat daher auch auf diese Herausforderung reagiert und diverse Hersteller bieten Testtools zur Diagnose und Fehleranalyse bei Fax-Problemen. Hierbei werden FaxVersand und Empfang an verschiedenen Endpunkten überwacht und bei Bedarf auch emuliert, so dass fehlerhafte Übertragung anhand von Netzwerkparametern analysiert werden kann. 

Dabei werden alle verfügbaren Anschlussvarianten abgedeckt, egal ab 2-Draht, 4-Draht oder IP. 

Aber Achtung! Auch hier gilt: Ist der Fehler erkannt und liegt der Ursprung außerhalb der Unternehmensgrenze, sind Abhilfen kaum möglich. 

Letztendlich bleibt immer nur die Empfehlung zu schauen, ob Alternativen zum Fax möglich sind. So können heute schon mittels signierter und verschlüsselter E-Mails viele Prozesse, die bisher ein Fax benötigten, abgelöst werden.  

Die damit verbundenen Probleme wie ein erfolgreicher Zertifikatsaustausch sowie allgemein gültige Zertifikate, die im E-Mail-Client keine Warnmeldung verursachen, müssen natürlich vorab angegangen werden, was uns wieder zum Anfang zurückführt. 

Solange für diese technischen Hürden keine einheitlichen Lösungen verfügbar sind, die auch von einem technischen Laien verstanden werden, bleibt das Fax weiterhin als letztes Mittel der Wahl bestehen. 

Der Netzwerk Insider vertritt monatlich mit seinen Artikeln die Sichtweise von Technologie-Anwendern und bewertet Produkte und Technologien im Sinne der wirtschaftlichen und erfolgreichen Umsetzbarkeit in der täglichen Praxis.

Der Bezug des Netzwerk Insiders ist kostenlos und wird Ihnen per E-Mail als PDF-Download und alternativ als Webversion zur Verfügung gestellt.

Der Netzwerk Insider gehört mit seinen Produkt- und Markt-Bewertungen rund um IT-Infrastrukturen zu den führenden deutschen Technologie-Magazinen. Der Bezug des Netzwerk Insiders ist kostenlos.

© Copyright - ComConsult