Digitalisierung der Schulen: kaum Bewegung seit mehr als 20 Jahren

15.09.20 / Thomas Steil

Thomas Steil

Die Corona-Pandemie hat uns allen schmerzlich vor Augen geführt, wie es um die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen in Deutschland steht.

Und das Thema ist nicht neu. Wie man am folgenden Bild erkennen kann, ist nicht nur Jens Riwa seit über 20 Jahren Sprecher der Tagesschau, sondern auch an dem Thema „Digitalisierung von Schulen“ wird seit mehr als zwei Jahrzehnten herumgebastelt.

Abbildung 1: Tagessschau vom 24. August 2000

Hier muss ich als Vater von zwei schulpflichtigen Kindern und als IT-Berater leider feststellen, dass sich in diesem Bereich seit meiner Schulzeit nicht allzu viel getan hat. Die Röhrenmonitore wurden zwar durch Flachbildschirme ersetzt (und das nicht überall), der Zustand der Infrastruktur ist jedoch immer noch weitgehend miserabel. Ebenso der administrative Zustand der Geräte.

Ein kleines Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld: Mir wurde mitgeteilt, dass in dem Rechnerraum der Schule einer der Rechner nie ins Netz kommt. Es ist aber nicht immer derselbe. Der sogenannte „IT-Spezialist“ konnte das Problem nicht lösen. Als IT-ler kann man sich die Lösung vermutlich schon denken: Es sind feste IP-Adressen vergeben worden und dummerweise hatten zwei Rechner dieselbe Adresse bekommen. Wer zuerst anschaltet, der gewinnt!

Meine Frage, wie die IP-Adressen hier vergeben werden, wurde mit einem Schulterzucken beantwortet.

Selbst wenn man als ambitionierter Schuldirektor seine Schule digitalisieren will, sind die Hürden zur Umsetzung hoch. Zum einen ist man in der Regel nicht vom Fach und zum anderen ist auch ein Fachmann, in dem Fall der IT-Spezialist, von den Unmengen an unterschiedlichen Fördermöglichkeiten mit genauso vielen Formularen und Vorschriften erstmal überfordert.

Im Dschungel dieser Fördermöglichkeiten und Verwaltungsvereinbarungen findet man unterschiedliche Fördertöpfe mit unterschiedlichen Zielen, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene, wobei die auf Landesebene je nach Bundesland auch variieren können. Und manche Förderungen sind nur möglich, wenn man neben dem IT-Konzept auch noch ein pädagogisches Konzept vorlegt. Das kann auch mal zu einem Henne-Ei-Problem führen: Man weiß nicht, was es an Technologie gibt und hat damit auch keine Erfahrung, soll aber ein Konzept zu ihrem Einsatz entwickeln, da man sie sonst nicht beschaffen darf.

Selbst eine klar formulierte Maßnahme führt in der eigentlichen Umsetzung oft zu erheblichen Problemen.

In der Verwaltungsvereinbarung zum Digitalpakt Schule [1] ist beschrieben welche Maßnahmen man fördern lassen kann. Beispielsweise heißt es hierzu unter §3(1):

  1. „Aufbau oder Verbesserung der digitalen Vernetzung in Schulgebäuden und auf Schulgeländen, Serverlösungen;
  2. schulisches WLAN;
  3. Aufbau und Weiterentwicklung digitaler Lehr-Lern-Infrastrukturen (zum Beispiel Lernplattformen, pädagogische Kommunikations- und Arbeitsplattformen, Portale, Cloudangebote), soweit sie im Vergleich zu bestehenden Angeboten pädagogische oder funktionale Vorteile bieten;“

Wenn ich mir das WLAN als wichtigen IT-Baustein für eine digitale Schule herausnehme, muss ich sagen, dass ich in den letzten Monaten so manch miserable WLAN-Planung gesehen habe. Verwunderlich ist es nicht, sind sich die Schulen dabei doch weitgehend selbst überlassen. Und da wird die Errichtung des WLANs dann auch mal gerne an den örtlichen Elektrobetrieb vergeben, der hier doch eher überfordert ist. So wird oft pro Raum ein WLAN-Access-Point verbaut, egal wie groß der Raum ist oder welche Nutzungsform er hat. Es kann passieren, dass der jeweilige Access Point an der gleichen Stelle auf beiden Seiten der Wand montiert ist, bedarf es hierzu ja auch nur der Bohrung eines einzelnen Lochs. Dass hier die Access Points dann nur 20 cm voneinander entfernt sind und sich gewaltig stören können, wurde leider nicht bedacht. Steckdosen stören sich ja auch nicht. Um ein vernünftiges WLAN zu planen, muss man sich über die Anforderungen an dieses Netz unterhalten und dann bedarfsgerecht planen. Hierzu gehört in den allermeisten Fällen eine Messung und Simulation mit entsprechender Spezialsoftware. Die ComConsult nutzt hierfür Ekahau [2] und iBwave [3] für WLAN und Mobilfunk-Simulationen. So kann man sich ziemlich sicher sein, dass die Anforderungen an das Netz nach der Realisierung auch erfüllt werden.

Abbildung 2: WLAN-Simulation der ComConsult GmbH mit der Software Ekahau

Hat man dann eine funktionierende und bedarfsgerechte Infrastruktur, muss diese „nur noch“ betrieben werden.

Generell wird das Thema Betrieb der Infrastruktur gerne vergessen, doch was nützt eine WLAN-Installation, wenn es danach niemanden gibt, der dieses WLAN auch betreiben kann? Dazu ist es notwendig, sich rechtzeitig mit dem späteren Betreiber, oftmals ein kommunaler IT-Dienstleister, zu unterhalten und gemeinsam abzustimmen. Ansonsten steht man plötzlich ohne Betreiber da und man muss den Informatiklehrer fragen, ob er das nicht auch kann. So nebenbei…

Der ideale Weg ist ein Zusammenspiel aus Projektsteuerer, der im Dschungel der Fördermittel beraten kann, einem auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden pädagogischen Konzept, sowie einem dazu passendem Medientechnik-Konzept, welches dann durch eine bedarfsgerechte IT-Planung realisiert werden kann. Sollten Sie hier Fragen haben, unterstützen wir Sie sehr gerne!

Verweise

[1] https://www.bmbf.de/files/VV_DigitalPaktSchule_Web.pdf

[2] https://www.ekahau.com

[3] https://www.ibwave.com

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