WAN: Ethernet versus MPLS

17.03.2020 / Dr. Behrooz Moayeri

Behrooz Moayeri

Multi-Protocol Label Switching (MPLS) ist zwar das am h√§ufigsten genutzte, aber nicht das einzige Verfahren f√ľr das private Wide Area Network (WAN). Ein vom Internet strikt getrenntes, also privates WAN kann statt auf MPLS auf Ethernet basieren. Was sind die Vorteile der beiden Verfahren?

Punkt-zu-Punkt-Verbindungen

Die ersten Ethernet-WAN-Angebote der Provider waren vom Typ Punkt-zu-Punkt. Zum Beispiel hat die Deutsche Telekom Festverbindungen auf Ethernet-Basis in das eigene Portfolio aufgenommen und unter der Bezeichnung Ethernet-Connect vermarktet. Zun√§chst wurde f√ľr Ethernet-Verbindungen, etwa mit der √úbertragungsrate 10 Mbit/s, die f√ľr digitale Telefonie aufgebaute Synchrone Digitale Hierarchie (SDH) genutzt. Dann kamen schnellere Dienste zum Beispiel mit 1 Gbit/s auf der Basis des neuen Optical Transport Network (OTN) hinzu. W√§hrend man zwischen verschiedenen Bitraten ausw√§hlen konnte, bestand die Gemeinsamkeit der ersten Ethernet-WAN-Angebote darin, dass der Kunde immer nur zwei Standorte miteinander verbinden konnte. Damit kann man zum Beispiel ein sternf√∂rmiges Netz, bestehend aus mehreren Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, jeweils mit der Zentrale als einem und einer anderen Lokation als dem anderen Endpunkt implementieren. F√ľr Routing braucht man zus√§tzliche Komponenten, denn Ethernet ist bekanntlich ein Layer-2-Verfahren.

Mehrpunkt-Ethernet

Zum Punkt-zu-Punkt-Ethernet ist Mehrpunkt-Ethernet als WAN-Technologie hinzugekommen. Daf√ľr gibt es den Standard Ethernet Virtual Private Network (EVPN). Nutzt man EVPN im WAN, stellt sich Letzteres als einen gro√üen Switch dar, der die Standorte miteinander verbindet. In der Regel nutzt ein EVPN-WAN im Kern ein MPLS-Netz. Somit hat man die Wahl, ob man einen Layer-2- oder einen Layer-3-Dienst nutzen m√∂chte. Im ersten Fall muss der Kunde f√ľr Routing sorgen. Im letzteren Fall ist die Kommunikation von einem zum anderen Standort √ľber das WAN immer mit Routing verbunden.

Was ist besser: Ethernet oder MPLS?

Zur Beantwortung der Frage, ob Ethernet oder MPLS als WAN-Technologie zu nutzen ist, muss man somit zwischen Punkt-zu-Punkt(P2P)- und Mehrpunkt-Ethernet unterscheiden. P2P-Ethernet kann direkt auf optische Netze aufsetzen. Das bietet den Vorteil, dass mit dem Router ein m√∂glicher Flaschenhals bzw. eine potenzielle Ausfallursache entf√§llt. Der Dienst ist in der Regel auch preiswerter, weil der Provider daf√ľr keinen Router stellen muss. Allerdings muss man selbst f√ľr Routing zwischen den Standorten sorgen, wenn das erforderlich ist. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Kommunikation zwischen verschiedenen Standorten immer √ľber die Zentrale stattfindet. Das kann h√∂here Latenzen bedeuten, und au√üerdem einen gro√üen Aufwand bei der Verlagerung der Zentrale bzw. deren Absicherung durch einen zweiten Sternmittelpunkt.

Die Gegen√ľberstellung von Mehrpunkt-Ethernet und MPLS ist eine zwischen Layer-2- und Layer-3-WAN. M√∂chte man beim Routing-Betrieb die Schnittstelle zum Provider vermeiden und Routing in Eigenregie nutzen, empfiehlt sich EVPN. Legt man Wert auf einen m√∂glichst vollst√§ndig ausgelagerten WAN-Dienst ohne Notwendigkeit eigener Routing-Instanzen, dann ist MPLS die Technologie der Wahl.

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