Einfluss von Smart Technologies auf die Kommunikationsverkabelung

12.02.20 / Hartmut Kell

Hartmut Kell

Seit mehr als einem Jahr steht der europäische Standard zur Planung einer Kommunikationsverkabelung für die sogenannten „verteilten Gebäudedienste“. Damit ist eine der Säulen geschaffen, um bei jedem Neubau eine IT-Verkabelung flächendeckend, strukturiert und anwendungsneutral planen und realisieren zu lassen.

Doch wieweit sind die Normen bei den IT- oder gar TGA-Verantwortlichen im Bewusstsein angekommen, wie sehen die aktuellen Lösungen aus?

Akzeptanz und Kenntnis

Die EN 50173 in den Teilen 1 bis 5 darf als zwingende Planungsgrundlage für alle Neuplanungen von Datenverkabelungen angenommen werden. Alle Teile sind akzeptiert, etabliert und werden in verschiedenen Abwandlungen so auch bei diesen Verkabelungen angewendet. Die Hauptnutzer dieser Normen sind aber weiterhin die IT-Spezialisten, die sich mit dem Aufbau von Netzinfrastrukturen in Zusammenhang mit der Bürowelt gut auskennen. Doch Smart Technologies oder gar Smart Building gehen weit darüber hinaus, es werden deutlich mehr Datenanschlüsse in ganz anderen Bereichen, Raumebenen und Gebäudeflächen benötigt. Die bisherigen ersten fünf Norm-Teile liefern da keine ausreichenden Empfehlungen oder gar Spezifikationen. Genau an dieser Stelle setzt der Teil 6 der EN 50173 an. Es werden neue Begrifflichkeiten spezifiziert, neue Topologieansätze vorgestellt und neue Planungsempfehlungen gerade auch zur Ermittlung der Lage und Menge von zusätzlichen Datenanschlüssen definiert. Prinzipiell müsste also jeder TGA-Planer Kenntnis von dieser Norm haben und sie entsprechend anwenden. Doch leider sieht die Realität anders aus:

  • Die meisten Fachplaner für Gebäudeleittechnik sind mit den Normen der EN 50173 nicht vertraut, erst recht nicht mit dem Teil 6. Sie erfragen nicht die Anforderungen, die durch die IT an die neue Infrastruktur gestellt werden und können demzufolge keine nachhaltig nutzbare Kommunikationsverkabelung planen.
  • Die meisten IT-Spezialisten kennen zwar die Basisteile der EN 50173, nehmen aber die Veränderung der bekannten Netzwelt und der damit verbundenen passiven Infrastrukturen nicht wahr. Sie erfragen nicht, welche neuen Nutzungsformen in Zukunft über „ihr Netz” laufen sollen und machen sich demzufolge keine Vorstellung darüber, an welchen Stellen wie viele Kommunikationsanschlüsse in welcher Qualität (Datenrate, PoE) benötigt werden.

Es ist höchste Zeit, dass beide Kompetenzteams und Fachplaner aufeinander zugehen.

Lösungsansätze

Während die klassische Büroverkabelung die deutliche Mehrzahl der Kommunikationsanschlüsse eher im Boden bzw. bodennahen Bereich vorsieht (Unterflur, Bodentank, Fensterbankkanal, Consolidation Points), muss davon ausgegangen werden, dass die Anschlüsse der Gebäudeleittechnik eher im Deckenbereich sein werden. Der Grund: Sensoren messen meist im oberen Bereich eines Raumes und regelnde Aktoren befinden sich ebenfalls häufig oben im Raum. Der Extremfall wäre z.B. eine intelligente Beleuchtung, die oberhalb der Arbeitsplätze Daten sammelt und in Abhängigkeit von diesen z.B. auch das Licht verändert. Nimmt man beispielsweise die EN 50173-6 zu Hilfe, sind dort viele Beispiele von Kommunikationsanschlüssen aufgeführt, die zu berücksichtigen sind.

Definitiv absehbar ist, dass eine Standardverkabelung im Arbeitsplatzbereich, einfach erweitert um zusätzliche Anschlüsse im Deckenbereich, nicht tragfähig oder wirtschaftlich sein wird. Es müssen alternative Lösungsansätze betrachtet und bewertet werden. Dazu liefert die Norm keine Hilfestellung. Es lohnt sich, anhand von Marktanalysen zu schauen, welche Möglichkeiten es hier gibt.

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