Der Fall Huawei – Android

22.06.2019 / Markus Geller / IT-Berater

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Der aktuelle Streit um Huawei zeigt uns am erzwungenen Verhalten von Google, in welche Abhängigkeit sich die Welt begeben hat, indem sie auf stabile politische Verhältnisse setzt und die Entwicklung von wichtigen Bauteilen einer globalen Kommunikationsinfrastruktur in einige wenige in diesem Fall amerikanische Hände legt. 

Bisher glaubten wir, dass allein der Markt bestimmt, welche Lösungen akzeptiert werden und welche Technologien sich am Ende etablieren. Voller Vertrauen auf Lizenzen und deren Bestimmungen glaubten wir, entsprechende Nutzungsrechte zu erhalten. Nun müssen wir aber gerade als Endkunden feststellen, dass dies alles keine Bedeutung mehr hat, wenn sich der politische Wind dreht. 

Die Frage, ob Android bzw. iOS, in Zukunft noch vertrauenswürdig sind, ist einfach zu beantworten: Nein. 

Die Antwort auf die Frage nach Alternativen ist aber ebenso eindeutig: Es gibt keine. 

Woran liegt diese Alternativlosigkeit? Die Reaktion von Huawei zeigt, dass Android, als Betriebssystem, durchaus zu ersetzen ist. Erste Erklärungen der Pressestelle teilten jedenfalls recht zügig mit, dass man eine hauseigene Alternative namens ArkOS fertig entwickelt habe und recht zügig einen Markteintritt plane, ohne allerdings eine konkrete Roadmap zu veröffentlichen. 

Das dahinterstehende grundlegende Problem kann jedoch nicht so ohne weiteres gelöst werden. 

Welche Alternative bietet Huawei zu Google: Play, Maps, Gmail usw.? 

Denn eins ist klar: Ein Smartphone ohne Apps wäre ein sehr teurer Ziegelstein.  

Nun wird der eine oder andere Leser, der schon mal in China war, aufmerken und sagen: Alles kein Problem, in China ist Google mit seinen Diensten eh nicht vertreten und die Menschen dort nutzen eben andere Anbieter wie Baidu oder Tencent. 

In einem Selbstversuch haben wir daher die genannten Anbieter aufgesucht und uns einmal umgeschaut.  

Und siehe da: Für alle Google-Dienste findet sich dort ein entsprechendes Pendant. 

Jetzt aber zur vollen Wahrheit: 

Baidu Maps vertraut zwar auf diverse Kartendienste (u.a. OpenStreetMap), jedoch ist eine Nutzung in Europa kaum möglich, da der Seitenaufbau gefühlte Minuten dauert. Noch schlimmer ist der Kartendienst von Tencent, da dieser nur China und Teile der Mongolei kennt. 

Und wollen wir wirklich File Services oder Mailingdienste aus China einsetzen? Machen wir uns nichts vor, die Volksrepublik ist ein Staat, in dem Rechtstaatlichkeit und unabhängige Gerichte weit und breit nicht verfügbar sind. 

Letztendlich steht und fällt unsere Betrachtung mit dem dahinterstehenden Eco-System für unsere Smartphones, und daran sind schon ganz andere Unternehmen gescheitert. Wer erinnert sich nicht an Microsoft Mobile: gescheitert an der mangelnden Verfügbarkeit der Apps. 

Oder RIM (Blackberry): Jahrelang die Lösung für sichere E-Mails auf mobilen Endgeräten, gescheitert an der Anforderung, mehr zu bieten als Mailservices. 

Die eigentliche Herausforderung ist also die globale, sichere Verfügbarkeit von Diensten wie sie Google oder eben auch Apple anbieten. 

Gewiss, Huawei ist aufgrund seiner Größe sicher in der Lage einen Versuch zu wagen, die beiden Platzhirsche herauszufordern und ich möchte noch nicht einmal ausschließen, dass sie am Ende auch Erfolg haben wird, aber das setzt auch einen sehr langen Atem voraus.  

Es müssten eigene alternative Dienste entwickelt und Rechenzentren weltweit aufgebaut werden, die sich an einem Massenmarkt orientieren. Es muss sichergestellt sein, dass Benutzerrechte eingehalten und, im Zweifelsfall, einklagbar sind. 

Natürlich wäre ein solcher Schritt zu begrüßen, damit das Oligopol aus Apple und Google wenigstens noch einen weiteren Mitspieler erhält. 

Ob dann seitens Huawei am Ende ein Modell à la Apple, mit eigener Hard- und Software, entsteht, oder ein Konkurrent zu Google, mit der Bereitstellung eines alternativen Betriebssystems, bliebe abzuwarten, so denn Huawei den Sprung überhaupt wagt. 

Die möglichen Marktszenarien könnten demnach wie folgt aussehen: 

  • Huawei stellt ArkOS weltweit zur Verfügung und orientiert sich dabei an Android. Bleibt die Frage nach dem Eco-System.
  • Huawei beschränkt den Vertrieb seiner Smartphones auf den asiatischen Markt. Eher unwahrscheinlich, da man hierzulande schon einen großen Marktanteil besetzt. 
  • Der Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China wird entschärft und alles bleibt beim Alten. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist sehr hoch, aber das Zeitfenster schwer abschätzbar. 

Kommen wir damit zum Fazit. Welchen Ratschlag können wir Ihnen mit auf den Weg geben? 

Aktuell würden wir von ComConsult von der Anschaffung neuer Huawei-Smartphones abraten oder die Beschaffung solange verschieben, bis sich die Wogen geglättet haben. Es liegt definitiv nicht im Interesse von Google, ein Unternehmen wie Huawei von Android auszuschließen. 

Für aktuell eingesetzte Geräte gilt zunächst einmal: Ruhe bewahren. Aktuell gibt es noch ein Zeitfenster von 3 Monaten für Softwareupdates seitens Google 

Außerdem kann Huawei weiterhin auf Sicherheitsupdates des AOSP (Android Open Source Project) zurückgreifen und damit eigene Patches anbieten. Damit sollte bis auf weiteres ein sicherer Betrieb von Huawei Smartphones gewährleistet sein. 

Bleibt zum Schluss die Frage nach dem Vertrauen, welches wir Firmen wie Apple oder Google noch entgegenbringen können.  

Hier gilt aufgrund mangelnder Alternativen: Wir müssen wohl oder übel mit der Situation leben. 

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