Im Netzwerk Insider vor 20 Jahren: WLAN verdrängt Kabel-Netzwerk?

03.04.23 / Dr. Markus Ermes

Vor 20 Jahren wurde im Geleit des Netzwerk Insiders über die Möglichkeit diskutiert, dass WLAN Kabelnetze verdrängen könnte. Dazu gehörten auch Aspekte der Performance und die Problematik von WLAN als „Shared Medium“. Wie sieht es heute, nach 20 Jahren, aus?

WLAN und Kabel vor 20 Jahren

Damals kam WLAN gerade in Schwung. 11 Mbit/s waren Standard, und 54 Mbit/s nach IEEE 802.11g war schon verfügbar. Und auch in den Endgeräten, insbesondere Notebooks, war WLAN immer häufiger ab Werk mit an Bord. Hier hat Intel mit dem Centrino einiges erreichen können. Im Vergleich zu den üblichen 100 Mbit/s per Kabel schien WLAN daher nicht unattraktiv. Doch bereits zu dieser Zeit war klar, dass das Medium Funk nicht für höchste Leistungsansprüche ausgelegt war, gerade, wenn man es sich mit vielen anderen Endgeräten „teilen“ musste. Denn Gigabit-Ethernet existierte auch schon. Bereits damals zeichnete sich ab, dass wahrscheinlich beide Technologien parallel zueinander existieren werden.

Die Situation heute

Mit Blick auf die Leistung hat sich viel getan. Bei WLAN sind wir mittlerweile (theoretisch) bei mehreren Gigabit pro Sekunde. Am Endgerät hat sich beim Kabelnetzwerk allerdings weniger getan. Die Bandbreite pro Port ist hier in der Masse immer noch auf 1 Gbit/s beschränkt. Ja, es gibt Profi-Workstations mit 2,5, 5 oder sogar 10 Gigabit-Ethernet. Hier ergibt sich also ein ähnliches Bild wie vor 20 Jahren: Für höchste Leistungsansprüche geht nichts über Kabel!

Das heißt, die damalige Einschätzung, dass Kabelnetzwerke und Wireless nebeneinander existieren werden, hat sich bewahrheitet. Auch bezüglich der Preisentwicklung war die Abschätzung realistisch: Die meisten Komponenten sind sehr günstig zu haben. Sobald es jedoch in den Bereich großer WLAN-Controller und weiterer Sicherheitsfunktionen wie IEEE 802.1X oder SDN geht, können die Kosten schnell steigen.

Und „Wireless“ bedeutet in der heutigen Zeit deutlich mehr als nur WLAN. UMTS kam schon vor 20 Jahren erstmals auf, doch von den Use Cases, die wir heute haben, war man damals noch weit entfernt. Erst 4 Jahre später, mit der Präsentation des ersten iPhones, wurde Internet über Mobilfunk wirklich verbreitet. Das Lustige daran: Das iPhone hat die Nutzung von Mobiltelefonen maßgeblich verändert, unterstützte UMTS jedoch erst in der zweiten Generation.

Hier reden wir von einer Technologie, die sich über Kabel kaum realisieren lässt. Es stimmt, es gibt LAN-Adapter, die theoretisch auch an Smartphones funktionieren, sinnvoll ist das jedoch nicht.

Fazit

Im Bereich WLAN vs. LAN hat sich – außer der verfügbaren Bandbreite sowohl bei WLAN als auch am Kabel – gegenüber damals nicht viel getan. Für die meisten Office-Tätigkeiten ist ein (vernünftig dimensioniertes, konfiguriertes und betriebenes) WLAN ausreichend, doch maximale und vor allem deterministische Leistung ist nach wie vor einer Kabelverbindung vorbehalten. Dass in anderen Frequenzbereichen die Mobilfunk-Nutzung so explodieren würde, wie es in den letzten 15 Jahren passiert ist, war vor 20 Jahren allerdings noch nicht absehbar.

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