Intel vPro und die höhere Produktivität durch neue Firmen-PCs

25.10.2022 / Dr. Markus Ermes

Immer wieder behaupten Hersteller, wie toll ihre neuen Produkte im Vergleich zu älteren sind und wie viel Geld man sparen kann, wenn man alles erneuert. Intel zum Beispiel bewirbt aktiv seine vPro-Technologie, unter anderem mit den folgenden Argumenten:

  • Niedrigere Produktivität durch ältere Rechner
  • Zeitverlust durch Warten auf das Hochfahren des Systems
  • Sicherheit neuerer Systeme
  • Höhere Wartungskosten

All diese Aussagen werden durch eine Studie von 2018 belegt, bei der Mitarbeiter zu diesen Themen befragt wurden. Doch kann man diesen Aussagen blind vertrauen? Schauen wir uns die einzelnen Punkte genauer an!

Niedrigere Produktivität durch ältere Rechner

Hier wurde danach gefragt, wie hoch man den Produktivitätsverlust einschätzt. Das heißt: Eine objektive Messung fand nicht statt. Daher sollte man möglichst differenziert an die Sache herangehen:

In manchen Bereichen mag dieser gefühlte Produktivitätsverlust durchaus realistisch sein. Doch muss man in einem solchen Fall auch ein paar andere Aspekte berücksichtigen. Ganz besonders wichtig: nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Ist ein solcher Produktivitätsverlust auch dann sichtbar, wenn man ein altes System durch eines ersetzt, das innerhalb der aktuellen Generation ähnlich positioniert ist? Wenn das alte Gerät eher zu den langsamen seiner Generation gehört hat und dieses durch ein High-End-System der aktuellen Generation ersetzt wird, ist eventuell höhere Produktivitätssteigerung sichtbar. Dazu kommt: Wie hat sich in den Jahren die Software verändert? Sind hier mehr Ressourcen durch ein Update erforderlich, ist natürlich die Produktivitätssteigerung auch gegeben.

Das bedeutet allerdings ebenfalls: Nur weil ein Gerät „neuer“ ist, muss es nicht auch schneller sein. Wer ein für damalige Verhältnisse schnelles Gerät hatte, wird wieder ein schnelles Gerät benötigen.

Hinzu kommt, dass zum Zeitpunkt der Umfrage die Leistungssteigerungen in den vorangegangenen 3 Jahren noch sehr deutlich waren und diese Zuwächse immer kleiner werden.

Es lohnt sich also, hier möglichst objektiv alte und neue Geräte zu vergleichen, bevor man alles pauschal ersetzt!

Zeitverlust durch Warten auf das Hochfahren

Dieser Punkt ist ebenfalls nicht ganz einfach zu bewerten. In Umgebungen, in denen es notwendig ist, seinen Rechner jeden Tag herunterzufahren, kann hier natürlich Zeit verloren gehen. Doch gerade bei Notebooks wird ein richtiges Abschalten seltener. Und selbst wenn: Nutzt man die (sinnvolle) Bitlocker-Funktion inkl. PIN-Eingabe, geht hier wahrscheinlich mehr Zeit verloren als beim restlichen Hochfahren. Der Anteil reduziert sich demnach stark. Ein weiterer Aspekt, der hier geholfen hat: Seit der weiten Verbreitung von NVMe-SSDs in Notebooks ist das Starten des Betriebssystems deutlich schneller geworden. Kein Vergleich mehr mit Windows 98 oder 2000! Dazu muss man noch sagen: Kann man nicht während des Hochfahrens auch andere, produktive oder zumindest sinnvolle Tätigkeiten ausführen?

Es gilt zudem ein Punkt, der oben schon genannt wurde: Zum Zeitpunkt der Studie waren 3 Jahre alte Systeme noch sehr viel langsamer. Wir reden hier von z.B. 2 Kernen pro CPU, während die damals aktuellen Systeme mind. 4 Kerne pro CPU besaßen. Seinerzeit machten mehr CPU-Kerne noch einen gewaltigen Unterschied. Seitdem hat sich die Anzahl der Kerne nicht mehr so stark erhöht und damit die Zeit des Hochfahrens nicht mehr so stark reduziert.

Sicherheit neuerer Systeme

Es ist nicht unbedingt gesagt, dass ein neueres System automatisch weniger anfällig für Angriffe ist. Sollten die Systeme ähnliche Sicherheitsfunktionen bieten, macht das Alter sich primär in der Zeit bemerkbar, in der es „angreifbar“ ist. Dass ein System, das bereits länger im Einsatz ist, in dieser Zeit kompromittiert wurde, ist einfach wahrscheinlicher als bei einem Gerät, das bis jetzt nur wenige Wochen im Einsatz war.

Höhere Wartungskosten

Dieser Beobachtung kann man wenig entgegensetzen. Technische Geräte fallen irgendwann aus. Und je älter ein Gerät ist, desto wahrscheinlicher ist ein Ausfall. Daher sind die Wartungskosten für ein 3 Jahre altes Gerät höher als bei einem Neugerät. Schließlich sollte man davon ausgehen können, dass ein neues Gerät erst einmal eine Weile funktioniert. Das unterstreichen die Hersteller ja auch mit der Herstellergarantie über einen gewissen Zeitraum. Und verlängert man diesen Garantiezeitraum, lassen sich die Hersteller das auch gut bezahlen.

Fazit

Natürlich möchten alle Hersteller ihre neuen Produkte verkaufen. Und ja, die neuen Geräte sind technisch besser oder schneller als ältere Geräte. Ob dies dann wirklich in jedem Fall bedeutet, dass die älteren Geräte zu hohen Mehrkosten führen, hängt allerdings von vielen Faktoren ab, sowohl technisch als auch menschlich. Aktuelle Geräte in ähnlichen Situationen mit den noch vorhandenen, älteren Geräten zu vergleichen, kann dabei sinnvoll sein. Doch an einem Punkt könnten die Hersteller dann Recht behalten: Ein gründlicher Vergleich kann, je nach Umgebung, auch kostspielig werden!

Und wie eingangs bereits erwähnt: Diese Taktik der Hersteller ist nicht auf Intel beschränkt, sondern findet sich in sehr vielen Bereichen wieder.

Winterschule – Neueste Trends der IT-Infrastruktur
04.12.-08.12.2023 in Aachen oder online

Der Netzwerk Insider gehört mit seinen Produkt- und Markt-Bewertungen rund um IT-Infrastrukturen zu den führenden deutschen Technologie-Magazinen. Der Bezug des Netzwerk Insiders ist kostenlos.