InterOp mit Cloud-Collaboration-Lösungen. Wo steht der Markt?

02.07.2019 / Markus Geller / IT-Berater

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Mit der Einführung von Office365 in den Unternehmen wird das Thema „Zusammenarbeit in Gruppen“ auch für einen breiten Anwenderkreis verfügbar. 

Teams heißt hier das Zauberwort und verspricht die reibungslose Kommunikation über alle Kanäle und Endgeräte hinweg. Ja sogar die Kollaboration über Unternehmensgrenzen hinaus soll jetzt einfach und bequem von der Hand gehen. 

Aber gerade dieses letzte Versprechen hat so seine Tücken, denn dies setzt voraus, dass alle Beteiligten über einen Office-365-Zugang verfügen. 

Nun wissen wir aber, dass nicht jeder externe Partner auf Office 365 setzt. Zu viele Lösungen wie Cisco WebEx, Alcatel Rainbow, Intel Unite oder Unify Circuit versprechen ähnliche Leistungen wie Microsoft.  

Und so entscheiden sich Firmen je nach Kostenlage und Präferenz für eine Lösung. 

Das führt erkennbar sehr schnell zu Problemen. Zwar beteuern alle Anbieter, auf offene Standards wie SIP und WebRTC zu setzen, aber eben auch angereichert um eigene Frontends, APIs und Funktionen. 

Damit wird klar, dass eine z. B. auf Microsoft Teams basierende Kommunikation keine Teilnehmer duldet, die auf einer anderen Plattform wie z. B. Slack beheimatet sind. 

Um mit dieser Herausforderung umzugehen, könnte man für die jeweilige Gruppe einen Client der entsprechenden Lösung zu nutzen. Um dieses recht widersinnige Verfahren zu erläutern, möchte ich auf meine eigene Arbeitsumgebung verweisen. 

Aktuell nutze ich für die Kommunikation mit den unterschiedlichen UC-Ausrüstern und zu Testzwecken folgende Clients: 

  • Unify – Circuit (Desktop & Android) 
  • Alcatel – Rainbow (Desktop & Android) 
  • Cisco – WebEx Teams (Desktop) 
  • Zoom – Videokonferenzen mit einigen Kommunikationspartnern 
  • Slack – Testsystem (Desktop) 

Darüber hinaus nutzen wir innerhalb der ComConsult Microsoft Teams für alle internen Projekte und zur Planung unserer Veranstaltungen. 

Wenn wir nun die Planungsvorbereitung für das diesjährige UC-Forum 2019 in Königswinter betrachten, führt dies zu der Erkenntnis, dass die einzelnen Kommunikationsstränge mit den Ausstellern und Referenten in unterschiedlichen Werkzeugen verarbeitet werden und damit eine zentrale Dokumenten- und Kommunikationsablage nicht gegeben ist. 

Genau dies ist aber das Versprechen aller eingesetzten Produkte. 

Dies mag in meinem Fall noch angehen, da man von mir sicher verlangen kann, all diese Lösungen auch im Detail zu kennen, aber bei einem Standard-User, der vielleicht weniger technikaffin ist, wird eine solche Vorgehensweise zwangsweise zu erheblichen Problemen führen. 

Mir wurde von Seminarteilnehmern geschildert, dass genau diese Situation die Mitarbeiter verunsichert, in welchem Zusammenhang die einzelnen Lösungen einzusetzen sind. Die Hauptaufgabe des 1st-Level-Supports ist seitdem nicht die Fehlerbehebung, sondern die Einweisung der Teilnehmer, wie und für welche Zwecke sie die unterschiedlichen Lösungen nutzen sollen. 

Soweit die aktuelle Situation und die damit verbundenen Ärgernisse. 

Frei nach Schiller also die Frage: Was tun, sprach Zeus, die Götter sind besoffen  

Welche Möglichkeiten gibt es, um über unterschiedliche Umgebungen hinweg Informationsaustausch und Kommunikation zu ermöglichen?

Hier fällt die Antwort zum aktuellen Zeitpunkt recht überschaubar aus. 

Zum einen können „Federations“ zwischen Unternehmen eingerichtet werden. Über diesen Zusammenschluss können dann mittels Protokolle wie XMPP oder SIMPLE Präsenzinformationen, Chat und Dokumente ausgetauscht werden. 

Nachteil dieser Vorgehensweise ist der Mangel an weitergehenden Funktionen wie Videokonferenzen, GruppenChat und Sprache, sowie der Umstand, dass diese „Federation“ immer nur eine „Punkt-zu-Punkt“Verbindung zwischen zwei Unternehmen darstellt. 

Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung eines „Federation-Hubs“ in der Cloud. Ein Beispiel hierfür ist das Produkt NextPlane. 

Auch hier mangelt es an Funktionen wie Video oder Sprache, aber man benötigt nur noch eine „Federation“ zu NextPlane, um mit hunderten anderen Firmen Informationen auszutauschen. 

Dabei unterstützt der Hub eine große Anzahl der am häufigsten genutzten Lösungen, u. a. Office 365, WebEx Teams, Unify Circuit, Slack, Facebook Workplace, IBM Sametime u.v.a. 

Oder aber man schaut sich im Markt ein wenig um und findet Lösungen wie die Videokonferenzplattform Highfive, die über einen simplen SIP-Link in der Lage ist, auch an Videokonferenzen anderer Plattformen wie Zoom, WebEx oder BlueJeans teilzunehmen. 

Eine finale Lösung ist derzeit jedoch leider nicht in Sicht. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sich das Marktumfeld erst einmal klären. Noch kommen laufend neue Markteilnehmer hinzu, die ihren Teil vom Kuchen beanspruchen und darunter sind auch Schwergewichte wie Amazon mit seinem Chime Service. 

Erst wenn die Konsolidierung abgeschlossen ist, werden sich Wege ergeben, um Plattformübergreifende Lösungen zu ermöglichen. An der eingesetzten Technik wird es nicht scheitern. Diese ist heute schon bei fast allen Anbietern SIP und WebRTCbasiert.  

Jetzt muss nur noch an der Interoperabilität gearbeitet werden. 

Wann diese kommt, ist schwer vorherzusagen, und sie wird sicherlich noch drei bis vier Jahre auf sich warten lassen. 

Bis dahin heißt es: abwarten und im Zweifelsfall weiterhin für die externe Kommunikation auf E-Mail, Telefonie und cleverem File-Sharing setzen. Oder aber Sie machen es nach alter Väter Sitte: Dokumente per E-Mail vorab verteilen und in einer Telekonferenz den Sachverhalt klären. 

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