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moayeri2022 web 1

Massive Kostensteigerungen durch teurere Hardware

01.06.26 / Dr. Behrooz Moayeri

aus dem Netzwerk Insider Juni 2026

Die IT-Abteilungen unserer Kunden haben mit massiven Kostensteigerungen durch teurere Hardware zu kämpfen. Preise für allerlei Chips sind in den letzten Monaten durch die Decke geschossen. Die Hersteller von Komponenten, in die signifikante Mengen von Memory- und Storage-Bausteinen verbaut werden, geben die Preissteigerungen an die Kunden weiter und legen noch etwas drauf, um im Windschatten der Chip-Verteuerung ihre eigenen Margen zu erhöhen.

KI als Ressourcenfresser

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein beispielloser Ressourcenfresser. Laut IEEE Spectrum wird prognostiziert, dass 2028 der Energiebedarf von KI in den USA 12 % des Gesamtstromverbrauchs des Landes ausmachen wird. Bereits 2025 wurden 15 Terawattstunden (TWh) durch die KI-Rechenzentren in den USA konsumiert. Legt man die RZ-Bauprojekte in den USA den Prognosen zugrunde, wird dieser Verbrauch in 2030 den schwindelerregenden Wert von 347 TWh erreichen. Auch der Wasserbedarf der RZs wird sich zwischen 2023 und 2028 verdoppelt bis vervierfacht haben – abhängig davon, welchen Anteil die Wasserkühlung in Rechenzentren haben wird. Näheres dazu habe ich in meinem Insider-Beitrag vom Januar 2026 erläutert.

Eine weitere von KI verschlungene Ressource sind Chips, insbesondere Memory, und dabei hauptsächlich High Bandwidth Memory (HBM). Die große Nachfrage nach Arbeitsspeicher wirkt sich bereits auf die Preise von Produkten aus, die solche Komponenten enthalten.

IT-Budgets werden gesprengt

Die galoppierenden Preise für Chips sprengen bei vielen Institutionen die IT-Budgets. Diese wurden vor relativ langer Zeit kalkuliert, bei manchen unserer Kunden sogar bis zwei Jahre im Voraus. Insbesondere Server-Preise sind von der Preissteigerung betroffen. Die Probleme beschränken sich jedoch nicht nur auf den Server-Markt. So werden auch PCs und Netzkomponenten teurer, wobei die Hersteller – gerechtfertigt oder nicht – stets auf die allgemeine Teuerung von Chips hinweisen. Es ist nicht auszuschließen, dass mancher Anbieter die Situation ausnutzt und die Preise über das Maß erhöht, das allein durch die Chip-Verteuerung bedingt wäre.

Ferner werden die Bindefristen von Angeboten für Hardware kürzer. Käufer müssen sich immer schneller entscheiden, damit die Preise nicht noch weiter steigen.

Die IT-Abteilungen vieler Institutionen fragen sich, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Leider ist davon auszugehen, dass dieses massive Problem nicht vorübergehend sein wird. Daher ist es nicht damit getan, Investitionen zu verschieben und darauf zu hoffen, diese in weniger unruhigen Zeiten nachholen zu können. Der Preistrend zeigt auf absehbare Zeit nach oben.

Wie lange wird dieser Trend so weitergehen? Ich gehe davon aus, dass eine belastbare Prognose kaum möglich ist. Es ist denkbar, dass irgendwann in der Zukunft die KI-Blase platzen wird. KI hat bisher kaum eingehalten, was sie versprach. Auf unserem Webinar der Woche (WdW) vom 09.04.2026 hat der Referent Darav Taha eindrucksvoll dargestellt, dass KI in den meisten Feldern nicht annähernd den theoretisch prognostizierenden Effizienzgewinn gebracht hat (in einem Seminar wird der Referent darauf eingehen, wie man mehr aus der KI rausholt). Vor diesem Hintergrund darf spekuliert werden, wann die KI-Blase platzt – viele Analysten gehen davon aus, dass dies irgendwann passiert. Darauf zu wetten und die IT-Budget-Planung dementsprechend auszulegen, würde ich jedoch nicht empfehlen.

Nutzungsoptimierung

Das einzelne Unternehmen, das für den eigenen Bedarf Hardware beschaffen muss, kann das ungünstige allgemeine Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot an Hardware nicht beeinflussen. Bleibt also nur die Nutzungsoptimierung.

Eine Komponente der Nutzungsoptimierung ist die Produktauswahl. Genauso wie die Energieeffizienz ein Kriterium bei der Auswahl von Produkten und Lösungen sein sollte, muss die Effizienz der Ressourcennutzung berücksichtigt werden. Es ist allerdings zu beachten, dass die Messung der Hardware-Ressourcen-Optimierung schwieriger ist als die Messung der Energieeffizienz. Nichtsdestotrotz liegen Erfahrungswerte zu bestimmten Produkten vor. Es gehört mittlerweile fast zum Allgemeinwissen, dass Linux im Vergleich zu Windows mit deutlich weniger Hardware-Ressourcen auskommt und dass derselbe PC unter Linux wesentlich leistungsfähiger ist als unter Windows.

Analog zur Präferenz für ein bestimmtes Betriebssystem können auch andere Entscheidungen für Lösungen und Produkte vor dem Hintergrund der Ressourcenknappheit hinterfragt werden. Wenn SSD-Preise massiv steigen, muss man sich die Frage stellen, ob für bestimmte Zwecke nicht auch drehende Festplatten ausreichen. Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich klarstellen, dass an notwendigen Innovationen hinsichtlich Leistungsfähigkeit kein Weg vorbeiführt. Mir geht es nur darum zu klären, welche technologischen Redesign-Maßnahmen wirklich und in welchem Maße notwendig sind. Anders formuliert: Jene Entscheidungen für Produkte, die in Zeiten viel niedrigerer Halbleiterpreise getroffen wurden, gehören auf den Prüfstand.

Refurbished Hardware

Die hohen Preise (und auch die langen Lieferzeiten) für neue Hardware bringen uns zwangsläufig dazu, die Nutzung von Refurbished Hardware in Erwägung zu ziehen. Zum Nutzungskonzept für runderneuerte Hardware gehört die Klärung der Fragen zum Service und Support. Von einigen Herstellern sind seit Jahren Refurbished-Produkte erhältlich. Neben den Herstellern selbst sind auch weitere Anbieter im Markt für Refurbished Hardware präsent.

Ein zusätzlicher Aspekt in Zusammenhang mit Refurbished Hardware ist der zu erwartende Lebenszyklus, der im Vergleich zu neuer Hardware kürzer sein wird.

Ich kann nicht vorhersagen, ob das Angebot an erneuerter Gebraucht-Hardware mit der Nachfrage Schritt halten wird. Davon sind die Preise von Gebraucht-Hardware abhängig. Man kann nur spekulieren, wie die Hyperscaler bei der Hardware-Erneuerung vorgehen werden. Es ist denkbar, dass von den großen Cloud-Anbietern nicht allzu viel Gebraucht-Hardware auf den Markt kommt. Genauso denkbar ist jedoch auch, dass der KI-Trend bei den Hyperscalern den Lebenszyklus der bisher von den Hyperscalern genutzten Hardware verkürzt, die infolgedessen auf den Markt kommt.

Konsequenzen für die IT-Beschaffung

Die Entwicklungen im Hardware-Markt werden Konsequenzen für die IT-Beschaffung haben, von neuen Kriterien bei der Produktauswahl bis zum Vorgehen bei der Beschaffung von Gebraucht-Hardware. ComConsult unterstützt bereits seit Jahrzehnten öffentliche Auftraggeber und andere Institutionen bei IT-Beschaffungen und steht Ihnen natürlich für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

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