Schon wieder Gerüchte um Avaya

11.07.2019 / Markus Geller / IT-Berater

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Im April dieses Jahres überraschte Avaya die Finanzwelt mit der Beauftragung der Investmentbank JPMorgan, den Aktienwert des Unternehmens zu steigern. 

Viele deuteten dies als einen Auftrag, Avaya selber zum Verkauf zu stellen.  Als potenzieller Käufer wurde sehr schnell Mitel ins Feld geführt.  Gerüchte machten die Runde, dass Mitel und der bei Mitel entscheidende Investor Searchlicht Capital bereit wären bis zu 2,4 Milliarden US-Dollar für die Übernahme zu zahlen. Auch wurde kolportiert, dass andere Finanzinvestoren sich an diesem Bieterwettstreit beteiligen würden.  Was wurde da nicht alles geschrieben: Mitel würde den Avaya Deal schon Mitte Mai abschließen und vieles mehr. 

Jetzt, drei Monate später, hat sich der Sturm im Wasserglas erst einmal gelegt.  

Was stimmt, ist der eingangs erwähnte Auftrag an JP Morgan. Alles andere ist weiterhin wilde Spekulation. 

Was aber wäre, wenn Avaya wirklich zum Verkauf stünde? Welche potenziellen Käufer hätten ein wirkliches Interesse? 

Die Fusion mit Mitel würde sicherlich helfen ein kanadisches Trauma – die Insolvenz und Zerschlagung von Nortel – zu überwinden. Andererseits passt Avaya nicht ins klassische Beuteschema der Akquisitionen durch Mitel. 

Bisher wurden von Mitel immer nur kleinere Marktteilnehmer übernommen und somit das Wachstum des Unternehmens in kleinen Schritten vorangetrieben. Ein Zusammenschluss mit Avaya wäre eine ganz andere Kategorie (Umsatz 2018: Mitel 1,3 Mrd. US$ vs. Avaya 3 Mrd. US$). 

Zudem gäbe es eine starke Überschneidung bei den Produkten, so dass dem Motiv, das anorganische Wachstum weiter voranzutreiben, extreme Aufwände bei der Integration entgegenständen. 

Wer könnte also sonst noch durch einen Kauf von Avaya seine Markposition verbessern? 

Als erster Kandidat fiele mir Microsoft ein. Hier könnte tatsächlich eine für beide Seiten interessante Situation eintreten.  

Zum einen verfügt das Microsoft-Portfolio über keine Contact-Center-Lösung. Außerdem könnte eine mandantenfähige Cloud-UC-Plattform, welche Avaya durchaus im Portfolio vorzuweisen hat, auch einer Microsoft gut zu Gesicht stehen und Avaya hätte endlich einen stabilen wirtschaftlichen Hintergrund. 

Eine weitere Option wäre ein großer Cloud-Telefonie-Anbieter wie RingCentral oder 8×8. Hier ergäbe sich die Möglichkeit, Kunden, die in die Cloud möchten, einen sanften Weg der Migration aufzuzeigen und Lösungen anzubieten, um kritische Infrastrukturen Cloud-fähig zu gestalten. 

Natürlich lässt sich das Feld der potenziellen Kandidaten noch erweitern.  

Da wäre noch Hewlett Packard Enterprise als langjähriger Avaya Partner oder Salesforce, welche die Integration von Anwendungen wie Call- und Contact-Center-Lösungen in ihr CRM Produkt immer weiter vorantreiben müssen.  

Aber alles ist nur Spekulation. Auch auf direkte Nachfrage bei Avaya wurde uns nur bestätigt, dass es eine Beauftragung an JPMorgan gibt und daraus keine weiteren Absichten oder akuten Handlungen abgeleitet werden können. 

Weitere Aussagen können aus der Avaya Bilanzpressekonferenz vom 09.05.2019 entnommen werden. 

Dort bestätigte Jim Chirico (CEO Avaya), dass es ein Interesse von Dritten gegeben hätte, ein Übernahmeangebot für Avaya zu unterbreiten und dass man daraufhin JPMorgan gebeten habe, nach strategischen Alternativen zur Maximierung des Unternehmenswertes zu suchen. Sowohl Zeitdauer als auch Ausgang sind dabei derzeit offen. 

Was bedeutet dies nun für den heutigen Avaya-Kunden? Die Antwort hierauf kann nur heißen: Ruhe bewahren.  

Aktuell gehen wir nicht davon aus, dass in naher Zukunft bei Avaya bzw. deren Produktlinien gravierende Änderungen eintreten werden. Sollte sich tatsächlich ein Interessent finden, wird eine Verschmelzung und die damit verbundene Produktbereinigung einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen, so dass aus heutiger Sicht auch weiterhin langfristig mit Avaya geplant werden kann. 

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