Quo vadis Unify & Avaya?

27.03.20 / Markus Geller

Markus Geller

Am 11. Februar verkündete Atos, Eigentümerin von Unify, eine neue strategische Partnerschaft mit RingCentral. Dies ist insofern bemerkenswert, da RingCentral im Oktober des vergangenen Jahres ebenfalls eine Kooperation mit Avaya im UCaaS-Bereich unterzeichnet hat.

RingCentral ist laut Gartner der führende Anbieter von UCaaS und Team-Kollaboration weltweit.

Wie passen daher diese beiden Partnerschaften zusammen und welche möglichen Auswirkungen sind zu erwarten?

Zum einen ist zu vermuten, dass sowohl Avaya als auch Atos zukünftig im Bereich der Cloud-Kommunikation keine eigenen Produkte entwickeln bzw. das bestehende Portfolio nicht weiterentwickelt wird. Ihre Kunden werden möglicherweise auf RingCentral verwiesen.

Dies trifft die Unify-Kollaborationsplattform Circuit besonders hart.

Mit Glip bietet RingCentral bereits eine Lösung, die einen gleichwertigen Leistungsumfang bietet wie das Unify-Produkt. Daher ist zu befürchten, dass Circuit, so wie man es jetzt kennt, im schlimmsten Fall nicht weitergeführt wird.

Dies wäre sehr zu bedauern, handelt es sich doch um eine hochwertige europäische Alternative zu den amerikanischen Lösungen wie Cisco WebEx, Slack oder Microsoft Teams. Zumal gerade die Unify-Lösung eine sehr gute Integration in bestehende OpenScape-Telefonanlagen verspricht.

Genauso fraglich ist die Fortführung des OpenScape-Cloud-Angebotes. Zwar bietet Unify hier eine interessante mandantenfähige Lösung an, jedoch steht diese in direkter Konkurrenz zur Partnerschaft mit RingCentral.

Außen vor ist das Geschäft mit lokalen Systemen wie OpenScape Voice oder 4000. Dieser Markt bleibt weiterhin ein Atos-Geschäftsfeld, jedoch mit einer beschränkten Lebenserwartung. Laut Gartner ist das Hauptwachstum in den kommenden Jahren eindeutig im UCaaS –Umfeld zu erwarten, zulasten der lokalen Installationen.

Letztendlich fehlt Atos der Mut, das eigene Produkt gegenüber den großen Rivalen in Stellung zu bringen. Es kommt der Verdacht auf, dass kurzfristige Gewinnsteigerungen gegenüber einer innovativen Strategie Vorrang haben.

Neben der Kooperation mit Atos hat RingCentral im vergangenen Jahr auch Avaya als strategischen Partner gewinnen können. Allerdings war die Ausgangslage hier eine andere.

Durch die wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Jahre hatte Avaya im UCaaS-Bereich den Anschluss an die Mitbewerber ein Stück weit verloren. Betrachtet man daher die Partnerschaft von dieser Seite, so ergibt sich für beide Beteiligten eine Win-Win-Situation. Avaya erhält eine technologisch führende Cloud-Option, und RingCentral profitiert vom breiten Kundenstamm der Avaya.

Ob dies aber langfristig für beide so bleibt, darf bezweifelt werden. Zwar hat RingCentral mit der Kooperation ca. 500 Mio $ in Avaya investiert, jedoch gilt auch hier, dass der Markt für lokale Installationen weltweit rückläufig ist.

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