Windows 10 und Modern Standby – Nicht mehr der Standby, den wir kennen!

26.08.20 / Dr. Markus Ermes

Markus Ermes

Viele von uns kennen das: Die Mitarbeiter eines Unternehmens benutzen Notebooks für die alltägliche Arbeit. Man ist mobil, der Stromverbrauch ist gering und gerade bei Mitarbeitern, die viel unterwegs sind – sei es zur Akquise, zur Fortbildung oder für den Onsite-Support, sind diese Geräte nicht mehr wegzudenken.

Besonders bequem: Man klappt den Bildschirm zu, das Notebook geht in den Standby-Modus und man kann es einpacken und transportieren. Es wird ja nur genug Leistung bereitgestellt, um den Arbeitsspeicher aktuell zu halten. Dabei ist auch die passive Kühlung ausreichend.

Modern Standby

Doch schon seit Version 8 besitzt Windows den sog. „Connected Standby“ – oder in Windows 10 den „Modern Standby“. Dabei bleiben Netzwerk-Verbindungen bestehen, sodass E-Mails oder sonstige Nachrichten empfangen werden können. Der Wunsch danach ist verständlich, ist es doch genauso bei einem Smartphone. Gerade bei Desktop-Maschinen, die nicht bewegt werden, ist dieser Kompromiss zwischen Energiesparen und Erreichbarkeit nützlich.

Die Sache hat aber einen Haken: Je nach Energiemanagement des Systems und Zusammenspiel zwischen Firmware (UEFI) und Betriebssystem wird im Modern Standby so viel CPU-Leistung benötigt, dass eine Kühlung notwendig ist und die Lüfter anspringen. In diesem Fall ist man sich im ersten Moment gar nicht sicher, ob das Gerät wirklich im Standby ist!

Bei einem Notebook bedeutet das: Man kann das Gerät nicht mehr in eine Tasche packen und zu Hause über Nacht stehen lassen; die CPU wird heiß, der Lüfter dreht auf und es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Das Gerät schaltet sich komplett ab, weil es zu heiß wird, oder
  • CPU und Lüfter saugen den Akku leer.

In beiden Fällen besteht die Gefahr, nicht gespeicherte Daten zu verlieren! In den Support-Foren von Microsoft wird daher von Microsoft selbst stark davon abgeraten, ein Gerät im Modern Standby in einer Tasche zu transportieren!

Dadurch kommt die Frage auf: Kann man etwas dagegen tun?

Hersteller vs. OS-Entwickler

Die Unterstützung für den Modern Standby muss sowohl auf Hard- als auch auf Software-Ebene vorhanden sein. Findet Windows diese Unterstützung, wird der Modern Standby genutzt. Unterstützt der Hersteller des Notebooks nur noch diesen Modus, gibt es keinen Ausweg mehr. Manche Hersteller unterstützen glücklicherweise noch den älteren Standby, wobei die entsprechende Einstellung im BIOS/UEFI vorgenommen werden muss.

Seitens Windows muss man beachten: Seit Windows 10 in der Version 2004 (damit ist das Update vom Mai 2020 gemeint, nicht eine etwaige Jahreszahl) ist ein manuelles Abschalten des Modern Standby und ein Rückfall auf den klassischen Standby auf Betriebssystemebene nicht mehr möglich.

Fazit

Modern Standby ist eine angenehme Funktion, um Nachrichten auch dann noch empfangen zu können, wenn der eigene Rechner in einem Energiesparmodus ist. Die Leistungsanforderungen sind aber deutlich höher als im „klassischen“ Standby, sodass das System im Standby gekühlt werden muss. Das erschwert bei einem Notebook den Transport und zwingt den Nutzer dazu, den Ruhezustand zu nutzen oder das Gerät ganz herunterzufahren.

Ob der Komfort die Einschränkungen rechtfertigt, ist von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich. Daher sollte man sich ggf. beim Hersteller erkundigen, welche Standby-Modi ein Gerät unterstützt.

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