Im Netzwerk Insider vor über 20 Jahren: 1000BASE-T und die Kupferverkabelung

03.06.21 / Dr. Markus Ermes

Markus Ermes

Im Geleit wurde vor genau 20 Jahren auf Verkabelung eingegangen. Wir schauen uns die damaligen Aussagen an.

 

Vor 20 Jahren wurden im Netzwerk Insider die Grenzen der Cat-5-Verkabelung und die Zukunft von Gigabit Ethernet (1000BASE-T) beschrieben. Dabei ging es vor allem um die zukünftige Verbreitung dieses Standards auf Client- und Server-Ebene sowie um die Konsequenzen für die Gebäudeverkabelung.

Der Stand vor 20 Jahren

Schon vor 20 Jahren ist man davon ausgegangen, dass Gigabit Ethernet sowohl auf Server- als auch auf Client-Seite zunehmende Verbreitung finden wird. Es wurden Preise von 100 DM(!) für eine entsprechende Netzwerkkarte vorausgesehen. Die Herausforderung damals wie heute: 1000BASE-T benötigt 8 Adern, und die seinerzeit verbreiteten Cat-5-Kabel waren dafür nicht ausgelegt. Man brauchte also neue Kabel: Cat-5e.

Wie sieht es heute aus?

Gigabit Ethernet ist mittlerweile enorm verbreitet, aber an vielen Stellen nicht ganz so, wie es vor 20 Jahren einmal angenommen wurde!

Auf Server-Seite stellt 1000BASE-T das absolute Minimum dar. In vielen Rechenzentren sind Server heute mit 10 Gigabit pro Sekunde und Port angebunden, und Bandbreiten von 25 Gbit/s und 50 Gbit/s finden immer mehr Verbreitung. Letztere Bandbreiten sind jedoch aktuell nur über Lichtwellenleiter realisierbar. 10 Gbit/s stellt das Maximum dar, das über Kupferkabel realisiert werden kann.

Client-Systeme unterstützen durchgehend 1 Gbit/s; ein aktueller PC, ganz besonders Desktop-Systeme, sind ohne Gigabit-Netzwerkinterface kaum noch denkbar. Im privaten Umfeld kommt vermehrt der neue Standard NBASE-T zum Einsatz, der 2,5 oder 5 Gbit/s erlaubt.

Im Unternehmen, besonders im Office-Umfeld, gibt es eine andere Begrenzung: Die Verkabelung und die zugehörigen Access Switches sind – bedingt durch die Nutzung von zwei statt vier Adernpaaren pro Anschluss – teilweise noch auf 100 Mbit/s ausgelegt. Und in vielen Fällen ist dies immer noch ausreichend. Dazu kommt eine zweite, relevante Entwicklung: schnelles WLAN.

Bei Notebooks ist die Situation weniger eindeutig: Wenn ein Notebook noch klassisches Netzwerk per Kabel unterstützt, ist auch hier eine Bandbreite von 1 Gbit/s üblich. Doch einige aktuelle Notebooks besitzen überhaupt keinen klassischen Ethernet-Port mehr, sondern verlassen sich ausschließlich auf WLAN. Das bekannteste Beispiel ist vielleicht Apple. Damit ergibt sich ein größerer Bedarf für schnelle Access Points. Mit der aktuellen WLAN-Generation (Wi-Fi 6) sind, natürlich nur unter optimalen Bedingungen, 10 Gbit/s für ein einzelnes Endgerät möglich. Somit fällt zwar das Kabel für den Client weg, doch der WLAN-Access-Point benötigt eine umso schnellere Anbindung und demzufolge auch entsprechend hochwertige Verkabelung. Dies führt erneut zu der Beobachtung, dass mehr drahtloses Netzwerk mehr Verkabelungsaufwand bedeuten kann.

Fazit

Die Annahme, dass sich (mindestens) Gigabit Ethernet sowohl am Client als auch am Server durchsetzen wird, hat sich in den letzten 20 Jahren bewahrheitet, obwohl sich die Technik hier mittlerweile schon wieder deutlich weiterentwickelt hat. Dabei spielt die zunehmende Verbreitung von schnellem WLAN ebenfalls eine wichtige Rolle. Warten wir ab, welche Bandbreiten und welche Übertragungsmedien wir in 20 Jahren am Schreibtisch haben!

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