Im Netzwerk Insider vor 20 Jahren: Die Entscheidung für oder gegen Open Source

05.09.23 / Dr. Markus Ermes

Vor 20 Jahren wurde im Netzwerk-Insider über die Nutzbarkeit von Open Source nachgedacht, und ob sich Linux im Unternehmensbereich durchsetzen kann oder sogar wird. Wie war der Stand damals? Und wo stehen wir heute?

Linux im Unternehmenseinsatz vor 20 Jahren

Vor 20 Jahren gab es eine tolle Neuigkeit für die Open-Source-Welt. Die Stadt München wollte möglichst umfassend auf Open Source und insbesondere Linux setzen, sogar als Desktop-Betriebssystem in der Fläche! Parallel gab es zwar weitere Entwicklungen, doch auch immer noch ein großes Problem: Die Verfügbarkeit weit verbreiteter, professioneller und auch kostspieliger Software, z.B. Photoshop oder CAD-Software. Außerdem wurde schon damals richtig erkannt: Die Abhängigkeiten von Software können schwierig werden. So wurde seinerzeit die Vermutung geäußert, dass diese Probleme innerhalb von 10 Jahren gelöst und Microsoft und andere Unternehmen zunehmend in Bedrängnis gebracht werden könnten. Man muss allerdings sagen: Die Chancen stehen gut, dass Sie diesen Artikel nicht auf einem Linux-Desktop lesen. Was ist passiert?

Die Situation heute

Linux hat sich auf dem Desktop nie wirklich durchsetzen können, weder im Unternehmensumfeld noch bei Privatnutzern. Einige der damals erkannten Schwierigkeiten, insbesondere das Abhängigkeitsmanagement, bestehen immer noch. Hier gibt es mittlerweile Ansätze, die aber für den Nutzer nicht besonders komfortabel sind sowie, je nach Linux-Distribution, verschiedene Versionen einer Abhängigkeit, und wenn eine Software hier sehr wählerisch ist, funktioniert sie nur mit einer einzigen Linux-Distribution.

Jenseits des Desktops ist Linux dennoch nahezu allgegenwärtig. Der Großteil der im Internet betriebenen Server läuft mittlerweile mit dem ein oder anderen Linux. Selbst Microsoft hat in seiner Cloud inzwischen großflächig Linux im Einsatz. Ganz im Gegensatz zur Einstellung von Microsoft zu Open Source und Linux vor 20 Jahren.

Auch sonst gibt es viel unsichtbare quelloffene Software: Sehr viele kommerzielle Anwendungen beinhalten mittlerweile zumindest an irgendeiner Stelle Open-Source-Bibliotheken für Basis-Funktionalitäten.

Und da wäre noch die Welt der Smartphones: Das am weitesten verbreitete Smartphone-Betriebssystem ist Android. Und Android wiederum basiert auf Linux. Insgesamt hat sich Linux also durchgesetzt, nur nicht so wie vor 20 Jahren vermutet.

Fazit

Open Source und Linux sind heute nahezu allgegenwärtig. Vielleicht nicht so, wie damals angenommen, doch trotzdem gibt es kaum einen Bereich der IT, in dem Open Source nicht an irgendeiner Stelle still und zuverlässig seinen Dienst verrichtet.


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