Vorteile von SFP28

Behrooz Moayeri

Vor ungefähr 9 Jahren habe ich im Insider-Magazin meine Präferenz für 10GBase-T als Netzschnittstelle für Server begründet. Mein Hauptargument war, dass RZ-Betreiber Switches brauchen, an die sowohl bestehende Server mit 1 Gbit/s als auch neue Server mit 10 Gbit/s angeschlossen werden können.

Ein knappes Jahrzehnt später brauchen RZ-Betreiber Switches, an die sowohl bestehende als auch neue Server angeschlossen werden können. Welche Bitrate müssen diese Switches den heutigen Servern zur Verfügung stellen? Das hängt vom Alter des Servers ab, und auch davon, um welche Anwendung es geht. Die Wirklichkeit des RZ-Betriebs ist fast immer mit dem Mischbetrieb von Servern verbunden, die 0 bis x Jahre alt sind. Die älteren Server haben vielleicht Schnittstellen mit 10 Gbit/s, aber neue Server brauchen mehr. Es existieren allerdings auch Management-Schnittstellen wie iLO, die mit 1 Gbit/s auskommen.

Gibt es Switches, deren Downlinks je nach Zweck 1 Gbit/s bis mehr als 10 Gbit/s an einem Port unterstützen? Ja, die gibt es. Aber leider geht es nicht mehr mit derselben Kabelschnittstelle wie bei 1/10GBaset-T. Jenseits von 10 Gbit/s muss man von Kategorie-5/6-Kabeln zu einem anderen Medium wechseln. Da Twinax-Kabel in der strukturierten Verkabelung nichts zu suchen haben, ist das neue Medium LWL. Für LWL braucht man optische Transceiver. Diese sind mittlerweile zum Glück wesentlich preiswerter als vor 10 Jahren.

Dazu beigetragen hat eine sogenannte „ad hoc industry group“ (also eine Kooperation verschiedener Hersteller) namens SFF Committee. SFF steht für Small Form Factor. Ursprünglicher Zweck der 1990 ins Leben gerufenen Kooperation war die Standardisierung von Formaten für kleine Festplatten. Daraus wurde in den letzten drei Jahrzehnten mehr. Dem SFF Committee verdanken wir die Standardisierung von Schnittstellen, die allesamt im Namen das Kürzel SFP für Small Form Factor Pluggable führen. 2016 wurden die Aktivitäten des SFF Committee übertragen auf: SNIA SFF Technology Affiliate (TA) Technical Work Group (TWG). Bitte sehen Sie mir den langen Namen nach, der war nicht meine Idee. Dabei habe ich nicht mal SNIA voll ausgeschrieben: Storage Networking Industry Association.

Mit Organisationen ist es wie bei Menschen. Auch von Menschen mit langen oder schwer einzuprägenden Namen kann Gutes kommen (das ist kein Eigenlob; ich denke an andere Menschen; bitte sagen Sie die Namen des Paares aus Mainz, das die erste erfolgreiche Corona-Impfung entwickelt hat). Und das Gute, das von SNIA-SFF-TA-TWG kommt, ist die SFP-Interface-Familie. Gäbe es diese herstellerunabhängigen Spezifikationen nicht, könnten Sie nicht Transceiver des Herstellers A in Switches des Herstellers B einsetzen.

Das ist dank der SFP-Spezifikationen jedoch möglich. Eine dieser Spezifikationen beschreibt SFP28. Nun sind Switches mit einer Vielzahl von SFP28-Ports verfügbar. Diese Ports können Sie mit einer Reihe von Transceivertypen bestücken, von 1000Base-T bis 25GBase-X. Und das ist genau das, was viele RZ-Betreiber heute brauchen. Ein solcher Switch ist typischerweise mit mehreren QSFP28-Uplinks ausgestattet. Q steht für Quad, also 4. Das ist einfach zu merken: SFP28 für 25 Gbit/s, QSFP28 für 100 Gbit/s. Fertig ist der RZ-Switch.

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