Im Netzwerk Insider vor 20 Jahren: Netzwerk-Architekturen und deren Planung

01.12.21 / Dr. Markus Ermes

Markus Ermes

Vor 20 Jahren wurden im Netzwerk Insider die vielen Möglichkeiten für Netzwerk-Architekturen diskutiert. Dabei von besonderem Interesse: Welche Randbedingungen die Entscheidungsfindung positiv oder negativ beeinflussen. Hat sich hier etwas geändert?

Die Situation vor 20 Jahren

Vor 20 Jahren war der Netzwerk-Markt in einer interessanten Position: Es gab viele Hersteller für Netzwerktechnik, die sich in bestimmten Bereichen stark unterschieden. Daher war es deutlich aufwendiger, die richtige Lösung für das eigene Unternehmen zu finden. Hinzu kam, dass High-Performance-Technologien immer mehr Einzug in der „Breite“ fanden und somit die Auswahl noch einmal vergrößerten. Die typischen Entscheidungskriterien: (Hardware-)Kosten, Leistung, Betrieb, Strategie, Struktur und Emotion. Im Netzwerk Insider wurde explizit darauf eingegangen, dass die Bereiche Betrieb und Emotionen häufig weniger Betrachtung fanden als die anderen Punkte, d.h. beides wurde oft unterschätzt: Beim Betrieb waren es der Aufwand und die daraus folgenden Kosten und bei den Emotionen war es die Herstelleraffinität der Mitarbeiter, die sie manchmal blind für geeignete alternative Lösungen werden ließen.

Betrieb und Emotionen heute

Heute spielen diese beiden Punkte immer noch eine wichtige Rolle, die manchmal nicht richtig eingeschätzt wird. Der Betrieb wird zwar mittlerweile häufiger berücksichtigt, doch weiterhin gerne unterschätzt. Die Emotionen weichen gerade in gewachsenen Umgebungen mehr und mehr einer starken Herstellerbindung, da ein Herstellerwechsel durch erheblichen Know-how-Aufbau ebenso wie durch eine risikobehaftete Übergangszeit erschwert wird. Allerdings hat sich die Herstellerlandschaft in den letzten Jahren deutlich konsolidiert und die verbleibenden Anbieter unterscheiden sich nicht mehr so stark wie vor 20 Jahren.

Es gibt jedoch durchaus Bereiche, in denen Parallelen vorzufinden sind: Die vor 20 Jahren angesprochenen Herausforderungen bei der Entscheidung für eine Netzwerk-Architektur spielen zur jetzigen Zeit bei immer mehr neuen Technologien eine wichtige Rolle, z.B. bei Software-Defined Networking oder einer Cloud Management Platform. Oft werden neue Technologien eingeführt, ohne dass man sich der Punkte Betrieb und Emotionen vollumfänglich bewusst ist. Beim Betrieb wird häufig davon ausgegangen, dass der Betriebsaufwand mit einer neuen Technologie deutlich verringert wird. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das typischerweise nicht der Fall ist. Es wird immer noch die gleiche Arbeit in den Betrieb gesteckt. Der positive Effekt liegt in den meisten Fällen entweder in einer verbesserten Sicherheit bzw. bei einem besseren und schnelleren Ergebnis für die Kunden oder die eigenen Mitarbeiter. Emotion und Herstellerbindung spielen ebenfalls noch eine Rolle. Es gibt für viele interessante Technologien mehr als einen Anbieter, und die Herstellerwahl ist meistens durch die interne treibende Kraft gegeben. Eine Netzwerk-Abteilung bevorzugt andere Hersteller als eine Virtualisierungsabteilung. Das kann leider dazu führen, dass eine suboptimale Lösung eingesetzt wird, so wie es vor 20 Jahren bei den Netzwerken der Fall war.

Fazit

Während sich der Einfluss von Betrieb und Emotionen bei der Wahl der Netzwerk-Architektur und Komponentenhersteller durch die Konsolidierung des Marktes weniger stark bemerkbar macht, so gibt es diese Aspekte bei anderen neuen Technologien immer noch. Hier lohnt sich nach wie vor eine genaue Analyse.

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